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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Das Unwissen könnt ihr vergessen

12.01.2019

Oldenburg Was hat dir geholfen weiterzuleben? Nach dem Warum kann man beim Holocaust nicht fragen. Etliches bleibt unbeantwortet. Viele sind verstummt. Und doch gibt es Menschen, die den Opfern von einst, der Geschichte, eine Stimme geben.

Neben der großformatigen Fotografie einer alten Dame im Stadtmuseum hängt das Porträt eines Herren mit Brille und schütterem Haar: Ihr Mann hat Erna geholfen weiterzuleben. Trotz all des Grauens, was die Nazis der Jüdin zugefügt haben. Jahrzehnte später hat sie angefangen, darüber zu sprechen, mit jungen Deutschen, die wissen wollten, wie das für sie war, damals. Damit sie ihre Geschichte weitererzählen können, damit nie wieder einer sagen kann, er hätte von nichts gewusst.

Nachfühlbare Geschichte

Anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar gibt es im Schauraum des Stadtmuseums vom 13. Januar bis 3. Februar eine multimediale Ausstellung samt Veranstaltungsreihe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die Geschichte lebendig werden lässt. Organisiert wurde das Projekt vom Kulturbüro der Stadt in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum und den „Heimatsuchern“.

2011 aus einem Studienprojekt entstanden sind die Heimatsucher ein seit 2014 eingetragener bundesweit aktiver Verein mit 150 Mitgliedern, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Geschichten von Holocaust-Opfern nachfühlbar und begreifbar zu machen: Die jungen Menschen sind nach Israel gefahren und haben 28 Überlebende gefunden, deren Biografien sie aufgearbeitet haben, um Kindern und Jugendlichen ab dem Grundschulalter die Verbrechen des Nationalsozialismus außerhalb von Lehrbüchern zu verdeutlichen.

„Für einen Zwölfjährigen ist 1945 ewig weit weg, der begreift nicht, warum der zweite Weltkrieg genauso wichtig sein soll, wie aktuelle Krisenherde auf der Erde“, sagt Katharina Müller-Spirawski von den Heimatsuchern.

Volles Programm

Eröffnet wird die Schau im Stadtmuseum diesen Sonntag um 11 Uhr. In das Projekt einführen und durch die Ausstellung führen werden Mitglieder des Vereins Heimatsucher. Zu sehen sind die Werke bis zum 3. Februar, Dienstag bis Sonntag, zwischen 10 und 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Workshops mit dem Verein werden an den Mittwochen, 16./23. und 30. Januar angeboten. Anmeldung:

Für Führungen mit Klassen, Kurzseminare oder Filmworkshops:

Kinder philosophieren mit dem Jaspers’ Club am Dienstag, 15. Januar, 16 Uhr (10- bis 12-Jährige) und Dienstag, 22. Januar, 16 Uhr (14- bis 16-Jährige). Gruppen sind am Freitag, 25. Januar, 10 Uhr (4. bis 10. Klasse) willkommen.

Eine Filmvorführung des Doku-Streifens „Auf gute Nachbarschaft“, in dem es um eine Begegnung zwischen einem jüdischen Widerständler und einem desertierten Wehrmachtssoldaten geht, gibt es am Donnerstag, 17. Januar, 19 Uhr in Anwesenheit der Regisseurin.

Einen Vortragsabend über die Arbeit mit Schülern zum Thema Nationalsozialismus hält am Donnerstag, 31. Januar, 19.30 Uhr Udo Andraschke.

Einen Performance zur jüdischen Stadtgeschichte in Oldenburg mit lyrischen Texten der Fachoberschule für Gestaltung ist am Sonntag, 3. Februar, 11.30 Uhr, zur Finissage zu sehen.

k.spirawski@heimatsucher.de

k.spirawski@heimatsucher.de

jaspersclub.oldenburg@gmx.de

Natürlich würde sie mit Viertklässlern anders über den Holocaust sprechen, sagt die Oldenburgerin. „Denen erzähle ich, dass Frieda hier“ und sie zeigt auf die Fotografie einer weißhaarigen Dame, „plötzlich schlechtere Noten bekommen hat, nur weil sie Jüdin war.“ Das empöre einen Neunjährigen. Da brauche man nicht von Gaskammern zu sprechen. „Aber wenn mich ein Schüler fragt, ob da auch Kinder umgebracht worden sind, sage ich ja.“ Meistens wollen die Mädchen und Jungen, die Katharina Müller-Spirawski und ihre Vereinskolleginnen in der Schule besuchen oder in Ausstellungen wie dieser, aber wissen, wie es war, mit der Frau da, dieser Jüdin zu sprechen. Und dann erzählen die Heimatsucher. „So, dass man im Herzen versteht, was passiert ist“, sagt Katharina Müller-Spirawski. Die Heimatsucher nennen sich „Zweitzeugen“. Bei ihren Begegnungen mit Überlebenden haben sie oft Dankbarkeit erfahren, dafür, dass jemand das Unaussprechliche festhält. Auch, weil die eigenen Kinder, Enkel und Urenkel es manchmal nicht hören können oder wollen. Und die Geschichte geht weiter: Am Ende jedes Schulprojektes haben die Kinder Gelegenheit, diesen alten Menschen, die plötzlich keine namenlosen Opfer mehr sind, einen Brief zu schreiben. Einige hängen zur Ausstellung auch im Stadtmuseum.

Ich habe Ihre Geschichte gelesen. Die hat mich echt gerührt und ich war glücklich, dass sie nicht gestorben sind und ich fand es traurig, dass manche so unfair gegen Juden sind. Alle Menschen sind doch gleich... schreibt die 12-jährige Alina.

Gute Karten fürs Erinnern

Was den Ausstellungsbesuchern neben sehr persönlichen Bildern samt Interview, Filmausschnitten und Originaldokumenten begegnet, ist das „stumme Bild“ – eine leere Leinwand die die Sprachlosigkeit der Traumatisierten, der Toten versinnbildlichen soll. Die richtigen Worte wiederum, finden sich im letzten Schauraum auf Postkarten wieder. Die Gäste dürfen Zitate der Protagonisten mitnehmen und weitertragen. „Das Schweigen bringt die Menschen einander auch nicht näher. Ich finde, man sollte versuchen, aufeinander zuzugehen“, sagt Erna de Vries. Eine, die weitergelebt hat um den nächsten Generationen Antworten zu geben.


Mehr Infos zum Verein:   www.heimatsucher.de 
Lea Bernsmann
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2106

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