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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Vierzig Jahre und immer noch herzlich links

08.10.2018

Oldenburg Früher, ja früher. Da waren die Welt und ihre Gesellschaften noch überschaubar in gut und böse eingeteilt. Oder in dieser Art: Wer mit Zwanzig kein Sozi ist, hat kein Herz - wer es mit Vierzig immer noch ist, hat keinen Verstand. Nun ist der Oldenburger Chor Bundschuh Vierzig geworden. Der singt nicht nur erfrischend und gut, er pflegt eben gerade auch das politische Lied. Vierzig also und immer noch links gerichtet? Recht so!

Drei Stunden Programm

„Linke Lieder zur rechten Zeit” haben die 50 Sängerinnen und Sänger ihr Jubiläumsprogramm genannt. Eine zeitgemäße Ansage an die Zuhörer. Die füllen das Große Haus des Staatstheaters bis auf den letzten Platz. Und weil alle eine Ära feiern wollen, darf der Blick diesmal eher zurück gehen. Fast drei Stunden werden vom Bundschuh selbst und drei Gastchören kurzweilig und nachdenkenswert gefüllt.

Der kleine DGB-Chor aus Hannover erinnert an die längste aller friedlichen Zeiten in Europa: “Viele meinen heute, sie könnten wieder Krieg machen, und nur die anderen sterben.” Sollte man solchen die Lektüre des Romans “14” von Jean Echenoz nahe legen? Kein Genuss. Da schildert der Franzose, was der Krieg mit den einfachen Leuten macht.

Aktuelle Bezüge

Wie aktuell Texte und Musik der Romantik sind, demonstriert neben anderen Beiträgen die „Bremer Chorwerkstatt” mit Eichendorffs “Abschied vom Walde“. Der könnte durchaus Hambacher Forst heißen. Auch das „4 Mei-Projekt” zählt zu den befreundeten Bundschuh-Partnern. Die Formation aus Groningen gestaltet den 4. Mai in besonderer Weise, den holländischen Gedenktag für die Weltkriegs-Opfer. Musikalisch warten die 24 Sängerinnen und Sänger mit einer Variante auf. Sie entfernen sich bei einem Ostinato voneinander und rücken wieder zusammen, was den Klang raffiniert auffächert. Und natürlich der Jubilar selbst. Robert Brüll leitet ihn seit 1978, folglich auch in den meisten der Beiträge unter dem Motto “Best of”. Auch Karin Kriete und Ludger Bojert zählen zu den Dirigenten. Weit spannt der Chor sein Programm, vom 19. Jahrhundert bis jetzt. Der Oldenburger Gustava Becerra-Schmidt zählt ebenso zu den Komponisten und Arrangeuren wie Bela Bartok, Freddie Mercury, Oliver Gies, Hartmut Fladt, Lokomotive Kreuzberg, Benjamin Britten.

Heftiger Beifall

Was den Chor auszeichnet, ist neben einem ausstrahlenden Engagement seine saubere Artikulation und seine Textverständlichkeit. Zu seinen prägenden Lieblingen zählen Arbeiter- und Kampflieder-Urvater Hanns Eisler und Mikis Theodorakis mit dem Canto General nach Pablo Neruda. Den haben die Bundschuher am häufigsten aufgeführt. Und wie das bei Erkennungsmerkmalen ist: Über sie bricht der Beifall dann am heftigsten herein.

Am gleichen Wochenende gab es in Thüringen ein großes Rechtsrock-Konzert. Dabei wurde publik, dass allein im Bundesland 24 Neonazi-Bands aktiv sind. Es wird auch nach 40 Jahren viel zu tun bleiben für linke Chöre.

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