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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Hier tauchen Sehnsüchte auf

30.11.2019

Oldenburg Tief unten am Meeresgrund ist es zauberhaft. Glitzernde Fische, tanzende Korallen, riesige Muscheln und das Orchester der Walgesänge. Nur ist der Himmel so weit entfernt. Und die Erde mit all ihren Schätzen.

Die kleine Meerjungfrau ist krank vor Sehnsucht nach dieser anderen Welt mit Vögeln und Blumen. Wäre sie doch ein Mensch mit zwei Beinen und könnte davon laufen. Weil in Märchen nichts unmöglich ist, bekommt sie ihre Chance – muss aber dafür einen hohen Preis bezahlen. Sie verstummt, wird nicht von ihrer großen Liebe gehört und am Ende verwandelt sie sich in einen Luftgeist.

Tickets und Termine für das neue Stück

Die Premiere an diesem Samstag ist ausverkauft. Tickets sind unter anderem für die Vorstellung am Dienstag, 3. Dezember, 20 Uhr, zu haben. Das Stück wird im neuen Spielplan weiterlaufen. Karten für 21, ermäßigt 14 Euro über :

    www.t-ol.de

1837 schrieb Hans Christian Andersen das Märchen von der kleinen Meerjungfrau. Knapp zwei Jahrhunderte später hat das Drama nichts an Aktualität verloren, findet Esther Vorwerk. „Es ist sehr feministisch lesbar. Und es geht darum, sich in seinem eigenen Körper falsch zu fühlen und um die Möglichkeit, eigenmächtige Entscheidungen zu treffen.“ Sie habe lange mit dem Stoff geliebäugelt und viele Inszenierungen angeschaut, sagt die Schauspielerin. Anfang des Jahres hat sie sich dann mit Markus Wulf an die Arbeit gemacht und den Klassiker als Figurentheater für das Laboratorium umgeschrieben – nach „Der beste Nachmittag der Welt“ das erste Abendstück für Jugendliche und Erwachsene des jungen Duos.

Die filigranen und charakterstarken Puppen hat Markus Wulf selbst entworfen. Gelernt hat der 35-Jährige das nicht, eher abgeschaut – von Mechtild Nienaber die für das Theater Laboratorium die Figuren entwirft. Abgesehen von denen steht Esther Vorwek allein auf der Bühne. Barfuß tänzelt die 31-Jährige hinter einem Aquarium, gleitet mit den Armen durchs Wasser, lässt das Publikum tief eintauchen in die Seele der kleinen Meerjungfrau. „Es geht um ein Wesen, das sich falsch und fremd fühlt“, sagt Esther Vorwerk – „ein wichtiges Thema“. Andersens Märchen als Transgender-Stück zu interpretieren sei ihr erst nach längerer Beschäftigung mit dem Stoff in den Sinn gekommen.

Der dänische Schriftsteller hat seinerzeit Briefe an einen Freund verfasst, aus denen Biografen homoerotische Neigungen lasen. „Aber da war mehr“, sagt Esther Vorwerk. Unterstützend haben sie und Markus Wulf jemanden hinzugezogen, der sich auskennt: Transaktivistin Lou Kordts hat dramaturgisch unterstützt. Für Esther Vorwerk war es eine Herausforderung, als Schauspielerin auch zur Puppenspielerin zu werden. „Figuren brauchen Übertreibung und Klischees“, sagt sie. Im Wesentlichen gehe es aber darum, die Figur zu verstehen. Das Dilemma der kleinen Meerjungfrau sei ihr keineswegs fremd und in all seiner Vielschichtigkeit behandle das Märchen neben Gender und #MeToo-Debatte noch mehr aktuelle Themen, spiele mit patriarchischen Strukturen. „Und die große Liebe – die unglückliche – ist sowieso zeitlos“, sagt Esther Vorwerk.

Eigene Texte und moderne Passagen haben trotz Nähe zum Original Einzug erhalten. Bewusst haben sich die Macher für Purismus entschieden, setzen Licht und Musik als dramaturgische Mittel ein, erzeugen mit wenig Aufwand große Effekte. „Die kleine Meerjungfrau“ ist ein melancholisches Stück, das nachdenklich macht, hin und wieder zum Lächeln bringt.

Sorge, das Publikum könnte die Transgenderthematik anhand eines Märchenklassikers anstößig finden, hat Esther Vorwek nicht. „Es ist mir ein großes Anliegen, das darüber gesprochen wird“, sagt sie. „Außerdem haben alle Sehnsüchte ihre Berechtigung.“ Nicht tief unten, am zauberhaften Meeresgrund.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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