• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

„Ich will ein Verbündeter der Künstler sein“

18.09.2017

Oldenburg Er hat Kinogeschichte geschrieben: Edward R. Pressman, Produzent vieler Klassiker nicht nur des US-amerikanischen Films. Etwas jetleggeplagt hat er im Presseraum des Oldenburger Filmfests Platz genommen und lauscht geduldig allen Fragen. Seine Frau Annie umsorgt ihn und findet auch für die Journalisten so nette Worte, dass man sich gleich wie Zuhause fühlt. Was muss dieser freundliche Mann, der Gordon Gecko erst möglich gemacht hat, über die Jahrzehnte in Hollywood alles erlebt haben? Fragen wir ihn!

Lieber Herr Pressman, tut es Ihnen eigentlich nicht leid, dass ausgerechnet der Börsenhai Gordon Gekko aus Ihrem Film „Wall Street“ zum Idol einer ganzen Generation geworden ist?

Pressman (lacht): Oh, das war nicht unsere Absicht! Als wir in Dallas „JFK“ drehten, gingen Regisseur Oliver Stone und ich in ein Barbecue-Restaurant, wo am Nebentisch ein paar Jungs vom College saßen. Einer erzählte den anderen stolz, dass er seinem Vorbild Gordon Gekko folgen und in New York Investmentbanker werden wolle. Da erst haben wir begriffen: Der Held in „Wall Street“ ist nicht Bud Fox, es ist Gordon Gekko, der Bösewicht.

Legende des kinos

Edward R. Pressman wurde am 11. April 1943 als Sohn eines Spielzeugherstellers in New York geboren. Bevor er ins Filmgeschäft ging, studierte er Philosophie in Berkeley.

Zu seinen berühmtesten Produktionen gehören Badlands (1973), Wall Street I/II (1987/2010), Talk Radio (1988), Blue Steel (1990), Bad Lieutenant (1992/2009), The Crow (1994), City Hall (1996) und American Psycho (2000). Er arbeitete mit Regisseuren wie Brian de Palma, Oliver Stone und Rainer Werner Fassbinder zusammen.

Verheiratet ist er mit Darstellerin Annie McEnroe.

„Wall Street“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der den Meister des großen Geldes zum Freund haben möchte – und dessen schlimmster Feind er dann wird. Sagt das auch etwas über das Verhältnis von Filmemachern zu Produzenten?

Pressman: Ich wollte als Produzent nie auf der anderen Seite stehen und ein Gegner der Künstler sein. Die Bewegung der Nouvelle Vague in Frankreich hat mich sehr geprägt, mein ganzes Verständnis vom Filmemachen basiert auf der Autorentheorie. Ich will ein Verbündeter der Künstler sein und mich dafür einsetzen, dass sie ihre Visionen verwirklichen können.

Näher als Gordon Gekko ist Ihnen vielleicht der Held aus Brian de Palmas Film „Das Phantom im Paradies“?

Pressman: Ich glaube auch, dass die Zeit diesem Film nichts anhaben konnte. Erst vor einigen Monaten haben Guillermo del Toro und Edgar Wright ihn in Los Angeles gezeigt. Auch die beiden lieben das Phantom sehr. Über die ganze Welt verteilt gibt es Gruppen, die sich extra verkleiden, um ihn sich anzuschauen, in Paris, aber auch in Winnipeg, Kanada. Es ist fast wie bei „The Rocky Horror Picture Show“, ein kurioses Phänomen.

Die ersten Filme, die Sie mit Brian de Palma gemacht haben, führen in die Zeit der New-Hollywood-Bewegung zurück. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Pressman: Ich hatte ein Büro in New York, wo Brian und eine kleine Gruppe andere Filmemacher herumhingen, darunter auch Martin Scorsese. Ich kannte Brian also schon gut, als er nach Low-Budget-Filmen wie „Greetings“ und „Hi Mom“ von Warner Brothers verpflichtet wurde, um „Get to know your Rabbit“ („Hilfe, ich habe Erfolg!“) zu drehen. Es sollte sein erster großer Studiofilm sein.

Hat sich der Wechsel zum großen Studio ausgezahlt?

Pressman: Es war eine furchtbare Erfahrung für Brian. Er war der Meinung, dass sein Film vom Studio und den Produzenten total untergraben wurde. Und er hatte noch zwei weitere Projekte in Planung, die er für Warner drehen sollte: „Sisters“ und „Das Phantom im Paradies“. Er rief mich an und sagte: Hol‘ mich hier raus!

Und das haben Sie gemacht.

Pressman: Ja. Zusammen mit meinem Freund und Geschäftspartner, dem Regisseur Paul Williams, arbeitete ich gerade in Toronto an dem Film „Dealing“ („Heißer Stoff für Boston“). Wir kauften Brians Projekte bei Warner raus.

Er wurde also wieder unabhängig finanziert. Wie muss man sich das im Unterschied zu einer großen Studioproduktion vorstellen?

Pressman: Es musste auf Biegen und Brechen gehen. „Sisters“ drehten wir zuerst, weil er nicht so aufwendig und teuer war. Brian lebte zu dieser Zeit in einem Haus nahe Malibu, das Waldo Salt gehörte, dem berühmten Drehbuchautor von „Asphalt Cowboy“. Er hatte es seiner Tochter Jennifer Salt überlassen, die eine Hauptrolle in Sisters übernahm, einfach weil sie gerade da war. Genauso war es mit Margot Kidder, die zu der Clique gehörte, die sich häufiger dort traf. Auch einige von Brians Collegefreunden waren dabei, zum Beispiel Gerrit Graham, der den „Beef“ bei „Das Phantom im Paradies“ spielt. Es war letztlich eine Gruppe von Freunden, die diesen Film auf die Beine stellte.

Wie lief es mit „Das Phantom im Paradies“?

Pressman: Eigentlich wollten wir diesen Film mit American International Pictures (AIP) machen, einer Firma, der wir vorher den abgedrehten „Sisters“ verkauft hatten. Zwei Wochen, bevor wir mit dem Dreh beginnen wollten, strichen sie uns das Budget um 700.000 Dollar zusammen. Das ganze Projekt drohte zu scheitern! Die kleine Firma Harbor Productions half uns schließlich aus der Klemme. Als wir „Das Phantom im Paradies“ abgedreht hatten, verkauften wir ihn an Fox.

Und dann wurde er zum Erfolg?

Pressman: Nein, er scheiterte. Aber wir machten folgendes: Wir gingen nach Little Rock in Arkansas, das war die kleinste Stadt mit einer TV-Station im Land. Wir kauften uns von unserem eigenen Geld Sendezeit und veröffentlichten ihn dort. Dann gingen wir nach Memphis, eine schon etwas größere Stadt, dann nach Dallas. Als wir zeigen konnten, dass Phantom im Paradies in diesen Städten funktionierte, nahm Fox ihn noch einmal auf und brachte ihn mit Hilfe unser Kampagne ein zweites Mal heraus. So wurde er zum Erfolg. Mit „Badlands“ von Terrence Malick haben wir es genauso gemacht. Beides sind Filme, die zuerst scheiterten und die wir so vor dem Vergessen gerettet haben. Heute könnte man das nicht mehr machen, das wäre viel zu teuer.

„Badlands“ gehört heute zu den großen Klassikern des New Hollywood der 1970er Jahre. Regisseur Terrence Malick tritt selbst in einer Szene auf. Er klopft an die Tür eines reichen Mannes und hinterlässt ihm eine Botschaft auf einem Stück Papier. Ich habe mich immer gefragt: Welche Message hat er denn für diesen reichen Kerl, was steht auf dem Zettel?

Pressmann (lacht): Das hat mich in all den Jahren noch niemand gefragt! Ich weiß es leider nicht. Terry und ich sind bis heute gute Freunde und führen zusammen die Produktionsfirma Sunflower. Ich werde ihn auf jeden Fall danach fragen!

Ziemlich schwierig war später offenbar der Versuch, in Deutschland „Das Boot“ zu Wasser zu lassen.

Pressman: Wir wollten Ende der 1970er Jahre drei Filme zusammen mit den Bavaria Film Studios drehen, einer davon war eine internationale Produktion in englischer Sprache mit dem Titel „Das Boot“. Als Regisseur hatten wir bereits John Sturges verpflichtet, für die Hauptrolle Richard Dreyfuss. Wir waren schon gut dabei, auch das Boot wurde gebaut. Doch dann überwarfen wir uns mit dem Autor Lothar-Günther Buchheim, der mit einer Szene nicht einverstanden war, die wir fürs Drehbuch dramatisiert hatten. Richard Dreyfuss schmiss auch hin. So trennten sich unsere Wege. Drei Jahre später wurde das Boot als deutscher TV-Mehrteiler gedreht. Wir stehen noch in den Credits, haben daran aber kaum einen Anteil.

Haben Sie beim Filmfest einen deutschen Film gesehen, der Ihnen gefallen hat?

Pressman: Ja, ich mochte den Eröffnungsfilm „Familiye“ sehr. Ich hoffe, er hat in Ihrer Zeitung eine gute Kritik bekommen.

Ja, mein Kollege Reinhard Tschapke lobt ihn als Erstling von erstaunlicher Kraft. Lieber Herr Pressman, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Timo Ebbers
Ltg.
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2151

Weitere Nachrichten:

Sunflower | Bavaria Film | Warner Bros | Filmfest

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.