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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Neuer Anbau für Kinderpsychiatrie

31.05.2019

Oldenburg Musik öffnet nicht nur Herzen, sondern oftmals auch Münder: Weil die Musiktherapie ein wichtiger Bestandteil in der Behandlung von seelisch erkrankten Kindern und Jugendlichen ist, hat der Verein der Freunde des Elisabeth-Kinderkrankenhauses nun Großes vor – ziemlich genau 60 Quadratmeter groß.

Bestenfalls schon Anfang 2020 könnte nahe des Empfangs-Rondell der KJPP (Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie) an der Brandenburger Straße ein sogenanntes „Musikhaus“ als Anbau entstehen. Die Pläne dafür sind weit gediehen, das Architekturbüro „Neun Grad“ – in Kreyenbrück mit mehreren markanten Gebäuden vertreten – hat da entscheidend die Feder geführt. Prestige, Protz und Preise sind in diesem Falle unerheblich, hier geht’s ausschließlich um Heilung und Hilfe überspannter Seelen. „Und so etwas Großes haben wir noch nie gemacht“, sagt Michael Thanheiser (2. Vorsitzender des Vereins) durchaus im doppelten Wortsinn. Therapeutisch wertvoll auf der einen, finanziell aber auch auf der anderen Seite: Rund 250 000 Euro wird der Anbau, in dem verschlossene Welten junger Patienten so behutsam wie musikalisch geöffnet werden sollen, letztlich kosten. Tatsächlich hat der Verein erst 80 000 Euro dafür an Rücklagen bilden können. „Aber wir glauben fest an das Projekt, sind alle hochmotiviert und positiv gestimmt, dass wir es mit Hilfe der Bevölkerung stemmen können“, so die Vorsitzende, Ihre Königliche Hoheit Caroline Herzogin von Oldenburg.

Sprich: In den kommenden Monaten wird der Verein zur Finanzierung der Restsumme „ein breit angelegtes Fundraising starten“, wie es heißt. Das geschieht über die eigene Internetseite, aber auch über Veranstaltungen: das Sommerfest beispielsweise, aber auch ein im Schloss Rastede geplantes Konzert. „Und wir sind offen für weitere Ideen aus der Bevölkerung, von Institutionen und Vereinen“, so die Vorsitzende. Für Klinikdirektorin Dr. Agneta Paul, qua Amt Mitglied des Vereins der Freunde, wäre es „mein letzter Herzenswunsch“. Das klingt sehr pathetisch, deutet allerdings nur auf ihren nicht mehr allzu fernen Abschied aus dem Berufsleben hin.

Sprechen ohne zu reden

Gerade nonverbale Ansätze (Kunst-, Ergo-, Tanz- oder eben Musiktherapie) erreichen die durch Gewalt und Traumata belastete Seelen der Kinder. Dort also, wo Worte fehlen, kann „Musik als Auftakt einer Gesprächstherapie“ dienen, so Paul, also Kommunikation in besonderem Maße verbessern oder überhaupt erst ermöglichen.

Markus Miltner ist Musiktherapeut in der KJPP; auf bislang weniger als 30 Quadratmetern – zwischen Gitarren, Klavier und Schlaginstrumenten – lässt er hier in einem Flur auf der ersten Etage improvisierte Töne und warme Melodien nachwirken. Was seine jungen Patienten kaum stören mag, hallt aber im wahrsten Sinne auch in anderen Therapien nach. Dort also, wo andere Ansätze verfolgt und entsprechend auch in Ruhe gearbeitet werden sollte.

„Ein neuer Raum wird die therapeutische Arbeit nicht verändern“, sagt Miltner, „aber die Atmosphäre ist doch sehr beengt.“

Gerade in Bereichen, wo eher Breite denn Tiefe von Bedeutung ist – je niedrigschwelliger also die Zugänge, desto eher können sie sich beschreiten lassen –, kann Miltner mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten, Schlaginstrumente wie Congas und andere Percussioninstrumente ohne Notenkenntnisse spielen lassen. „Sich ausdrücken ohne zu reden“, sagt der Musiktherapeut da.

Alltag erleichtern

Damit sich die Patienten sehr viel lauter und deutlicher äußern können, wäre ein Umzug ins Musikhaus nicht nur nett, sondern auch förderlich. „Uns als Verein ist es wichtig, einen Raum zu schaffen, der die Kinder und Jugendlichen zum Experimentieren einlädt und sie dazu bewegt, sich und ihre Gefühle bewusster wahrzunehmen und auszudrücken“, sagt Caroline Herzogin von Oldenburg.

Schon in der Vergangenheit wurden immer wieder wichtige Stützen finanziert. Fröhliche Farben eingebracht, Spielgeräte, die Klinik-Clowns installiert. „Alles, was den Patienten den Alltag erleichtert“, heißt es.

Im kommenden Jahr feiert der Verein der Freunde sein 150-jähriges Bestehen. Im besten Fall steht das Musikhaus dann längst unter Dauerbeschallung. „Jeder 10-Euro-Schein wird uns bei der Realisierung helfen“, sagt Thanheiser, „und wenn einer mal 500 Euro gibt, ist es eine noch größere Hilfe.“

Im Spätherbst soll eine erste Zwischenbilanz zu den Spendeneingängen gezogen und dann der Neubau entsprechend angegangen oder neu terminiert werden. Ob die Musikhaus-Pläne schon Anfang 2020 umgesetzt werden können, ist unklar. Dass die KJPP aber einen solchen Therapieraum früher oder später erhält, gilt als unstrittig.


  www.verein-der-freunde.com 
Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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