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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Euthanasie Im Nationalsozialismus: Warum dieser Mann seit 68 Jahren im Altersheim lebt

09.05.2018

Oldenburg Mit 68 Jahren ins Altenheim? Ist ganz schön früh, mag man denken. Aber was ist jemandem passiert, der bereits 68 Jahre im Seniorenheim lebt? Solange ist es nämlich her, dass Adolf Heine das Seniorenzentrum Haarentor am Schützenweg bezogen hat. Damals hieß die Einrichtung noch „Heim Haarenhof“. Und Adolf Heine konnte dort wahrlich ein neues Leben beginnen.

Für den Oldenburger ist das Seniorenzentrum der Diakonie seither sein zu Hause. Der Umzug dorthin war für ihn so wichtig, dass er den Jahrestag seines Einzuges, den 9. Mai, bis heute größer feiert als seinen Geburtstag im Herbst. Dass Adolf Heine diese für ihn meist glückliche Zeit erleben durfte, ist keine Selbstverständlichkeit.

Am 23. September 1925 kam Heine als „Siebenmonatskind“ mit einer körperlichen Behinderung zur Welt. Mit drei Jahren gaben seine Eltern ihn ins Gertrudenheim an der Friesenstraße. Dort lernte er mit fünf Jahren laufen und konnte für drei Jahre sogar eine Schule besuchen. Doch 1933, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten, änderte sich für den kleinen Jungen alles. Denn Menschen mit Behinderung galten nun als „lebensunwert“.

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Auch für Heine, der vom Gertrudenheim nach Blankenburg und zwischenzeitlich in die damalige „Heil- und Pflegeanstalt Wehnen“ verlegt wurde, hätte dies beinahe tödlich geendet. Er hätte zu den Opfern der NS-Euthanasie gehören können, an die seit 2009 auf dem Ofener Friedhof auch ein Gedenkstein in Form eines Kissens erinnert. Der Gedenkkreis Wehnen, der ebenfalls die Gedenkstätte „Alte Pathologie“ auf dem Gelände der heutigen Karl-Jaspers-Klinik betreibt, hatte ihn aufstellen lassen. „Sie haben uns hungern lassen, gequält und ermordet. Wir Angehörigen trauern um mehr als 1500 hilfebedürftige Patienten, ...“ steht darauf.

Ungefähr drei Dutzend Gedenksteine mit den Namen von Opfern der nationalsozialistischen Krankenmorde in Wehnen liegen auf dem Friedhof in Ofen, die meisten davon haben Familienmitglieder der Opfer dort hingebracht. Wie berichtet, ist im April erstmals eine Schülergruppe der IGS Kreyenbrück Pate eines solchen Gedenksteins geworden.

Adolf Heine war während des Zweiten Weltkrieges ebenfalls den Misshandlungen in der „Heil- und Pflegeanstalt“ ausgesetzt. Er überlebte sie und wurde nach Bayern verlegt, wo viele der Kinder mit Behinderung ums Leben kamen. Doch Adolf Heine nicht. „Er gehörte zu den Geretteten. 1947 holten seine Eltern ihn zurück nach Oldenburg. Bis 1950 war er in einer geschlossenen Anstalt“, zeichnet Kerstin Kempermann, Pressesprecherin für den Vorstand Diakonisches Werk Oldenburg, den weiteren Lebensweg nach. Dann zog Heine ins „Heim Haarenhof“. Dort blieb er und fand endlich ein Zuhause, während die Einrichtung sich zum Alten- und Pflegeheim entwickelte. Seit 1995 wird das Seniorenzentrum von der Diakonie geführt

Anfangs hat Heine nicht nur in der Einrichtung gelebt, sondern auch im Haus und Garten gearbeitet. „Herr Heine erzählt gerne aus diese Zeit. Damals gab es viele Tiere zu versorgen und Äcker zu bestellen“, erzählt Einrichtungsleiterin Hilke Wulf. Und Uwe Burchards, der den 92-Jährigen aus seiner Zeit als Pflegekraft im Seniorenzentrum kennt, ergänzt: „Es war ihm immer wichtig, seine Geschichte zu erzählen.“

„Es ist etwas Besonderes, wenn jemand so lange in einem Heim lebt“, betont Hilke Wulf. Und deshalb wird es auch an diesem Mittwoch eine kleine Feier zum Jahrestag geben. „Die Hausgottesdienste sind Herrn Heine sehr wichtig“, weiß Betreuungskraft Natalia Eckel. Deshalb wird es, verbunden mit dem Gottesdienst in der Einrichtung, eine Kaffeetafel für Heine und seine langjährigen Begleiter geben.

Susanne Gloger Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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