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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Festival-Chef bringt seine Top-Sechs-Filme auf die Kinoleinwand

04.08.2018

Oldenburg Schon zum 25. Mal bringt das Oldenburger Filmfest vom 12. bis 16. September wieder tolle Beispiele für unabhängiges Kino auf die Leinwand. In den vielen Jahren haben sich in der langen Liste der gezeigten Filme viele Perlen des Kinos angesammelt. Festival-Chef Torsten Neumann hat sich nun durch die Historie des Filmfests gegraben. Seine persönliche Top sechs bringt er im Vorfeld des Festivals noch einmal auf die Leinwand – und verrät der NWZ, was diese Filme besonders macht.

Oh Boy (2012)

Der Film von Regisseur Jan Ole Gerster mit Tom Schilling gewann 2012 in Oldenburg den German Independence Award und startete von hier aus seinen Siegeszug durch die Filmlandschaft. Ein Jahr später gab es beim Deutschen Filmpreis unter anderem die Auszeichnung als bester Spielfilm.

Neumann: „Da gibt es wenig zu sagen – dieser Film hat uns wahrscheinlich ein Stück seines Erfolges zu verdanken. Aber wir haben ihm mindestens genauso viel zu verdanken, weil der folgende Siegeszug von ,Oh Boy‘ sehr eng mit uns verknüpft wurde.

Einen kleinen, schwarz-weißen Independent Film als Eröffnungsfilm in eine Halle für 1000 Zuschauer einzuladen, war eine Entscheidung, die wir mehr mit Herz als mit Verstand getroffen haben. Mit so einem tollen Film muss man etwas riskieren – und in diesem Fall hat sich alles als richtig erwiesen. Die Halle war voll, das Publikum war restlos begeistert, die internationale Jury ebenfalls, der Film gewann alle drei Hauptpreise.

Danach wurde der deutsche Verleih mutiger, brachte ,Oh Boy‘ größer als geplant in die Kinos. Und auch da: Kritiker und Publikum waren gleichermaßen verzückt, dann folgten etliche Nominierungen zum Deutschen Filmpreis, den Lolas, wo ,Oh Boy‘ gegen den 100-Millionen-Budget-Film ,Cloud Atlas‘ antrat. Und wie es sich für eine gute Underdog-Story gehört: alle Hauptpreise landeten bei „Oh Boy“. Legendär!“

Vorstellung: Donnerstag, 9. August, 20.30 Uhr, im Casablanca

Omaha (1995)

Mit filmischem Aberwitz schält Dan Mirvish eine rasante Satire, die von einem Witz zum nächsten Seitenhieb eilt.

Neumann: „Der Regisseur Dan Mirvish hat mit diesem Film das amerikanische Independent-Kino nachhaltig verändert. Als Dan mit ,Omaha‘ beim wichtigsten Filmfestival für Independent-Kino, Robert Redfords ,Sundance Film Festival‘ abgelehnt wurde, hatte er den richtigen Riecher und die richtige Menge subversiver Energie. Längst hatte sich herumgesprochen, das die größten Hollywoodagenten und Produzenten Sundance als Plattform für Filme nutzten, die mit Starpower und mittlerem Budget zwar keine großen Studioproduktionen, aber längst auch keine echten Indies mehr waren.

Dan tat sich mit ein paar weiteren Filmemachern zusammen, die ebenfalls in Sundance abgelehnt wurden, und gründete am selben Ort und zur selben Zeit ein Gegenfestival für wirkliches Independent-Kino: das Slamdance-Festival war geboren. Anfangs wurden die subversiven Filme- und Festivalmacher von Redford persönlich noch als „Parasiten“ bezeichnet, aber schon bald musste sich das Sundance-Festival mit dem grandiosen Erfolg von Slamdance freundlicher arrangieren.

Wir haben mit Slamdance seitdem eine echte Festivalfreundschaft aufgebaut und obwohl wir immer wieder gerne als „das deutsche Sundance“ bezeichnet werden, stehen wir den kämpferischen, einfallsreicheren Underdogs vom Slamdance eigentlich immer näher. Dans Film wurde dann auch ohne Sundance zu einem weltweiten Indie-Erfolg – sein subversiver Humor, mit dem er das Slamdance-Festival zum Erfolg geführt hat, steckt in jeder Szene seines Films: ein echter Indie-Darling!“

Vorstellung: Dienstag, 14. August, 20.30 Uhr, im Cine k

Hany (2014)

Das Regie-Debüt von Michael Samir wurde beim Filmfest 2014 mit dem German Independence Award ausgezeichnet.

Neumann: „Für mich weiterhin einer der besten europäischen Indies der letzten Jahre – und so mutig und atemberaubend erzählt: die Entscheidung, dieser Story diesen intensiven Vorwärtsdrang zu geben, indem man sich auf die schwierigste aller Erzählformen im Kino einlässt – den ganzen Film in einem Take zu drehen, ist schon außergewöhnlich! Das alles von einem Regiedebütanten.

Und wir sollten nicht vergessen: Die beiden Riesenerfolge, die ihre Geschichte in einem Take erzählen, Birdman und Viktoria, kamen danach. Dass unser Publikum so etwas liebt und honoriert, ist eine Riesenfreude für mich: Wildes, kompromissloses und vorwärtsdrängendes Kino kann auch in der Publikumsgunst die auf Nummer sicher gehenden, gefälligen Konsensfilme verdrängen – wenn man dem Publikum die Chance gibt, so etwas zu entdecken, was wenige Verleiher oder auch Festivals tun.“

Vorstellung: Donnerstag, 16. August, 20.30 Uhr, im Casablanca

The Deli (1997)

Regisseur John Gallagher zeigt eine temporeiche und schwungvoll erzählte Komödie, die sich rund um den Feinkostenladenbesitzer Johnny dreht.

Neumann: „Der Film ,The Deli‘ lief 1997 bei uns als internationale Premiere: John Gallagher war bereits beim ersten Festival mit seinem Film ,Men Lie‘ zu Gast, wir haben mit ihm einen wunderbaren Kontakt zur New Yorker Filmszene aufgebaut und als er mit ,The Deli‘  nach Oldenburg zurückkehrte, war er längst einer der wichtigsten Networker für unser junges Festival. Die Premiere seines Films fand in der Kulturetage statt, in einem kleinen Saal, der von einer Galerie umgeben war.

Der Andrang war so groß, das am Ende die Galerie total voll war und die Zuschauer oben im Stehen den Film geschaut haben. Und keiner ist gegangen, alle waren von dieser für Oldenburg neuen Art von charmantem Indie-Kino mit etlichen kleinen Starauftritten ganz verzaubert. Im Jahr darauf haben wir zum ersten Mal einen Publikumspreis vergeben – viele sagen heute noch, den hätte ,The Deli‘ 1997 mit Abstand gewonnen.“

Vorstellung: Dienstag, 21. August, 20.30 Uhr, im Cine k

Im Sommer wohnt er unten (2015)

Das Spielfilmdebüt von Regisseur Tom Sommerlatte hatte schon bei seiner Berlinale-Premiere Kritik und Publikum begeistert. In Oldenburg gab es 2015 den German Independence Award.

Neumann: „Tom Sommerlatte ist ein alter Freund und Wegbegleiter des Festivals, er war schon mal vor etlichen Jahren in der Kurzfilmjury, hat dann auch sein Debüt als Regisseur, den Kurzfilm ,Auf den Hund gekommen‘, hier bei uns vorgestellt. Darum war es ein echter Triumph, zu sehen, wie sein Spielfilm hier Begeisterungsstürme ausgelöst und den Publikumspreis gewonnen hat.

Dazu kam noch: In dem Jahr haben wir die Europäische Filmakademie mit der Jury für die Nominierung zum besten Europäischen Debütfilm hier gehabt und Tom wurde am Sonntagabend im Staatstheater nicht nur mit unserem Hauptpreis ausgezeichnet, sondern auch mit einer Nominierung für den European Film Award überrascht. Das war schon ein unvergesslicher Abend.“

Vorstellung: Donnerstag, 23. August, 20.30 Uhr, im Casablanca

Kiss of the Damned (2012)

Elegisch, erotisch und mit viel schwarzem Humor zelebriert Xan Cassavetes ihre Vorliebe zu den großen europäischen Vampirfilmen der 70er Jahre.

Neumann: „Ein Vampirfilm, der sich an den eleganten Vorbildern des europäischen Horrorkinos der 70er Jahre orientiert und nicht auf der seinerzeit (und immer noch) grassierenden Welle der ,PG-13‘-Horrorfilme mitschwimmt, der jugendfreien Horrorstreifen, die im Windschatten von ,Twilight‘ jede Erotik und alle Schockwerte einer teenageraffinen Gewinnmaximierung opfern. Und dann kommt ausgerechnet die Tochter des größten unabhängigen Filmemachers aller Zeiten, John Cassavetes, und dreht einen Film, der das Genre wieder zu einem ,guilty pleasure‘ macht.

Unser größter Fürsprecher und Freund des Festival, die Indie-Ikone Seymour Cassel, hatte mich früh mit Johns Tochter Xan zusammen gebracht. Als ihr Film fertig war, hatte sie ihrem Vertrieb schon signalisiert, dass sie mit dem Film nach Oldenburg wollte, andere Festivals (außer Venedig, wo sie ihre Premiere feierte) sollten hinten anstehen...

Und dann haben wir hier vor Ort eine wunderbare Begegnung organisiert. Eine der großen Inspirationsquellen für Xan Cassavetes war Harry Kümels wunderbarer Vampirfilm ,Blut an den Lippen‘. Und da Harry ein guter Freund des Festivals ist, haben wir ihn zur Premiere von ,Kiss of the Damned‘ nach Oldenburg eingeladen. Das war eine wunderbare Überraschung für Xan und beinahe hätte sie darüber die Vorstellung ihres eigenen Films verpasst. Sie war mit ihrem Regiehelden über ein Abendessen so ins Gespräch versunken, das wir das vollbesetzte Kino um ein paar Minuten Geduld bitten mussten, um dann Xan halbwegs pünktlich zur Vorstellung zu bringen.“

Vorstellung: Dienstag, 28. August, 20.30 Uhr, im Cine k

Patrick Buck
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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