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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Film zielt von der Leinwand direkt ins Herz

18.09.2017

Oldenburg Und dann tauchte Nicolas Cage doch noch auf. Die Rampenlichtgestalt des Oldenburger Filmfests 2016 grüßte aus der Ferne des weltweiten Netzes den zu ehrenden Produzenten Edward R. Pressman und auf diese Weise auch „seine“ Oldenburger. Der Sonnyboy aus dem Vorjahr wirkte beim Einspieler allerdings etwas derangiert.

Die Filmfest-Gala im Staatstheater hatte am Freitagabend viel Bemerkenswertes zu bieten; und das Gezeigte erreichte dabei nicht nur Augen und Ohren der Kino-Enthusiasten, sondern auch deren Herz und Seele.

Cages Kurzauftritt innerhalb eines sechsminütigen Video-Zusammenschnitts war Teil einer Laudatio für Pressman. Der Schauspieler war darin ebenso zu sehen wie Hollywood-Kollege Jeremy Irons oder die großen Regisseure Oliver Stone, Paul Williams, Mary Harron, Werner Herzog, James Marsh und Matt Brown. Sie alle gönnten dem großen Produzenten salbungsvolle Worte, gratulierten überschwänglich oder spielten gar einen Harmonika-Blues wie Abel Ferrara.

Seit über 50 Jahren gilt Pressman als Möglichmacher, der im Spannungsfeld von Kunst und Kommerz die Strippen zieht. „Ed ist einer von denen, die Trends geschaffen haben, und ihnen nicht nur gefolgt sind“, sagte Filmfest-Organisator Torsten Neumann anlässlich der Verleihung des „German Independent Honorary Awards“.

Als der kleine, alte Mann dann behutsam die große leere Bühne betrat, erhoben sich die Gäste im voll besetzten Unterrang und spendeten langanhaltenden Beifall. Pressman verharrte dort oben eine kurze Weile, nahm die von der Oldenburger Künstlerin Edda Sandstede geschaffene Trophäe entgegen und bedankte sich mit knappen Worten.

Lou Diamond Phillips dagegen ließ Bilder sprechen. Der ausgezeichnete Schauspieler hat viel zu bieten seit den frühen Blockbustern „La Bamba“ und „Young Guns“ Ende der achtziger Jahre. Der auf den Philippinen geborene Amerikaner war seither in zahlreichen bemerkenswerten „Independent“-Filmen zu sehen. „Das Gelingen eines Films hängt auch immer vom erfolgreichen Zusammenspiel von Darstellern und Regisseur ab“, stellte Phillips fest und baute die passende Brücke zum dritten Höhepunkt des Abends.

Für die Weltpremiere in Oldenburg hatte Regisseur Santiago Rizzo den Film „Quest“ mitgebracht. Lou Diamond Phillips spielt darin den gewalttätigen Stiefvater des zwölfjährigen Mills. Das eindrucksvolle und mitreißende Drama zeigt das Abdriften eines Heranwachsenden in die Kriminalität und Verwahrlosung, da er keine Liebe aus dem Elternhaus bekommt und vom Stiefvater Gus misshandelt wird. Der engagierte Lehrer Tim Moellering nimmt sich seiner an, muss aber erkennen, dass diese Förderung nicht überall willkommen ist.

Basierend auf seinem Leben realisierte Regisseur Rizzo eine ergreifende Hommage an seinen eigenen, inzwischen verstorbenen Mentor. Für die Umsetzung des Films riskierte er alles, kündigte seinen Job und verkaufte sein Haus. Entstanden ist ein sehr persönlicher Nachruf, der seine Wirkung beim Oldenburger Publikum nicht verfehlte.

Oliver Schulz Redakteur / Politikredaktion
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