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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Gesellschaft: Beim Tanzen tiefe Gefühle ausdrücken

25.11.2017

Oldenburg Fragt man Marlene Schlepper, wie man sie bezeichnen soll, bekommt man eine klare Antwort. „Ich bin Soloausdrucksgefühlstänzerin“, erklärt sie freudestrahlend, steht in ihrem Wohnzimmer am Schiebenkamp in Osternburg und nimmt Haltung an. Spätberufen, ergänzt sie. Viele Jahrzehnte hat sie zuvor beim Ollborger Kring in der Danzkoppel getanzt.

Gern im Mittelpunkt

Sie steht gern im Mittelpunkt, gibt Marlene Schlepper zu. Das war schon zum Kriegsende so, als kanadische Soldaten vor der Neuenweger Schule aufzogen und sie als junges Mädchen heraustrat, um den Männern mitzuteilen, dass sich in dem Haus nur Frauen und Kinder befänden. „Auf Englisch natürlich, ich besuchte schließlich die Cäcilienschule. Die Soldaten tuschelten kurz miteinander und zogen dann weiter“, erzählt sie. Aufgewachsen ist Marlene Schlepper am Blumenhof in Osternburg, in Neuenwege verbrachten sie und ihre Mutter die letzten Kriegstage. Schließlich wusste man nicht, ob Oldenburg angegriffen werden würde. Wurde es nicht. „Oldenburg wollen wir schonen, wollen später drin wohnen!“, hatten die anrückenden Alliierten auf Flugblätter gedruckt, die sie über der Stadt abwarfen.

Zwei Söhne hat Marlene Schlepper zur Welt gebracht. Viel Kraft hat die Pflege ihres Mannes gekostet, der schließlich starb. Erst danach fand sie wieder Zeit für sich. „Und als sei es eine Art Wiedergutmachung für die entbehrungsreiche Zeit, habe ich nach einigen Jahren nicht nur den Ausdruckstanz und die Schauspielerei für mich entdeckt, sondern auch noch die große Liebe meines Lebens gefunden. Meine kranke Seele wurde wieder vollständig gesund“, schreibt sie im Katalog für die kürzlich beendete Ausstellung in der Volkshochschule „Träumer – Visionäre – Macher. Oldenburger Porträts“. Zu sehen waren 45 Aufnahmen von Oldenburger Persönlichkeiten, darunter auch Marlene Schlepper. Künstlerisches Vorbild für sie ist die deutsche Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich (1901 bis 1992).

Mit Leib und Seele

Dem Ausdruckstanz gibt sie sich mit Leib und Seele sonntags im „Ols-Brauhaus“ an der Rosenstraße hin, wo ab 17 Uhr Musiker mit ihren Bands auftreten. „Wichtig ist der Augenkontakt mit den Künstlern“, gibt sie einen Teil ihres Erfolgsrezepts preis. „Dann kann ich in meinem Kostüm perfekt zur Musik tanzen und meine Gefühle zum Ausdruck bringen. Selbst jüngere Männer finden das toll. Ich bin eben jung geblieben.“ Stolz fügt sie hinzu: „Ich habe schlanke Tanzbeine. Ich könnte auch noch im Minirock auftreten. Nur stolpern und fallen darf ich nicht. Dann könnte alles mit einem Mal vorbei sein.“

Doch die trüben Gedanken wischt sie schnell zur Seite und erzählt lieber von ihren Besuchen in Bad Pyrmont, wohin sie mit ihrem 90 Jahre alten Lebensgefährten (der Liebe ihres Lebens) reist. Dort begleitet sie seit einigen Jahren den Historischen Fürstentreff, der an ein Ereignis im Juni 1681 erinnert. Damals waren 34 fürstliche und königliche Häupter in Pyrmont zeitgleich zur Kur. Immer am ersten Juli-Wochenende wird dieser sogenannte Fürstensommer nachempfunden. Von Freitag bis Sonntag finden viele verschiedene Veranstaltungen statt, Theater- und Tanzaufführungen, Lustwandeln der historischen Persönlichkeiten im Kurpark und auf der Historischen Hauptallee. Mit von der Partie ist Marlene Schlepper in prachtvollen Kleidern, die sie sich auch schon mal aus dem Fundus des Staatstheaters ausgeliehen hat. In diesem Zusammenhang verweist sie auf das „Liebesleid am Oldenburger Hof“, als Elisabeth Freiin von Ungnad und Graf Anton Günther sich unsterblich ineinander verliebten, sogar einen Sohn zeugten, aber nur heimlich heiraten durften, weil die Freiin nicht standesgemäß war. An der Geschichte des Grafen nimmt sie regen Anteil, hat viele Dokumente und Bücher gelesen, Verbindungen zur Burg Kniphausen und zur Schlosskirche in Varel hergestellt. „Als die Frau starb, war sie vom Kaiser zur Gräfin ernannt worden“, erzählt Schlepper. Auch wegen dieser traurigen Liebesgeschichte setzt sie sich dafür ein, das Reiterstandbild des Grafen in Oldenburg an einem würdigen Platz aufzustellen.

87. Geburtstag

An diesem Sonntag feiert Marlene Schlepper ihren 87. Geburtstag im Kreise ihrer Familie. „Wir gehen essen, und wenn die Zeit es zulässt, besuche ich die Osternburger Dreifaltigkeitskirche“, erzählt sie zum Abschied. Und wer weiß, vielleicht wagt sie dann noch ein kleines Tänzchen.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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