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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Mit Thurn-und-Taxis-Post nach Verona

09.08.2017

Oldenburg In der Forschung spielt der Zufall oftmals eine große Rolle. Das gilt für naturwissenschaftliche Experimente aber auch für schriftliche Quellen. Diese Erfahrung hat auch Heinz Frerichs (74) gemacht, der sich der Heimatforschung verschrieben hat, die er mit einiger Akribie betreibt.

Über einen Zeitungsartikel ist er auf ein Grab auf dem Gertrudenkirchhof aufmerksam geworden, das einige Rätsel aufgibt. Dort und an anderer Stelle auf dem Friedhof sind Mitglieder der Familie Beaulieu-Marconnay begraben, die als Hugenotten in Frankreich verfolgt und 1685 vertrieben wurden. Beaulieu-Marconnays kamen aus Poitiers zunächst nach Celle.

So weit, so gut. Im Rahmen des Programms zum 350. Todestag von Graf Anton Günther besuchte Frerichs Ende Juli die bilaterale Briefmarkenausstellung in der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg und stieß dort zufällig auf einen Brief an den Hauptmann August von Beaulieu-Marconnay – abgeschickt am 4. März 1856 in Oldenburg mit dem Ziel Verona.

Erste Zwischenstation des Briefs war damals Bremen. Von dort ging es über Innsbruck mit der Thurn-und-Taxis-Post nach Verona ins Königreich Lombardo-Venetien (im heutigen Norditalien), das seit dem Wiener Kongress ein Land im Kaisertum Österreich war, weiß Frerichs. Absender war vermutlich Wilhelm Beaulieu-Marconnay, der Vater des Offiziers.

Das Königreich Lombardo-Venetien unterstand seit 1848 dem Generalgouverneur Josef Wenzel Graf Radetzky (1766-1858). In seinem Umfeld tat August von Beaulieu-Marconnay als Hauptmann und Flügeladjutant Dienst.

August von Beaulieu-Marconnay wurde am 16. Mai 1820 als vierter Sohn des Diplomaten und späteren Staatsministers Wilhelm Ernst von Beaulieu-Marconnay (1786-1859) und seiner Frau Johanna Mentz in Oldenburg geboren, hat Frerichs herausgefunden. Zu den Paten gehörte Erbprinz Paul Friedrich August, der im Jahr 1829 Peter Friedrich Ludwig als Großherzog ablöste. Die Familie Beaulieu-Marconnay wohnte in der Gartenstraße 8. Drei Söhne besuchten das Alte Gymnasium.

Beruflich beschritt August die Offizierslaufbahn. Er trat in die k. u. k. Armee des Kaisertums Österreich ein und diente beim 2. Armee-Kommando. Am 22. März 1856 wurde in Wiener Blättern seine Beförderung zum Major gemeldet.

Als Radetzky 1857 seinen Abschied nahm, wies der österreichische Kaiser Franz Joseph seinem betagten Feldmarschall mehrere Offiziere „zur persönlichen Dienstleistung“ zu, darunter August von Beaulieu-Marconnay. Nach dem Tode von Radetzky wurde August von Beaulieu-Marconnay zum 43. Infanterie-Regiment Wilhelm Freiherr von Alemonn versetzt und schließlich 1860 als k. k. Österreichischer und Ungarischer Major pensioniert. Er starb 1898 in Dresden.

August war Träger des Ritterkreuzes des päpstlichen Pius-Ordens, des Guelphen-Ordens (Hannover), des Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig und des Ordens Heinrichs des Löwen.

Auch zwei Brüder von August wurden Offiziere, ein weiterer Bruder Diplomat, Schriftsteller und Kulturhistoriker im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und ein anderer erster Präsident des Oberlandesgerichts Oldenburg. Bruder Alexander schließlich fungierte als Oberjägermeister und Chef der Hofverwaltung in Oldenburgs Enklave Eutin in Schleswig-Holstein.

Frerichs, pensionierter Revisionsleiter der LzO, forscht weiter im Familienleben der Beaulieu-Marconnays und steht im Kontakt mit dem Ur- und Urur-Enkel des Adressaten, die in Oberbayern leben. Der Vater des Adressaten, der vermutlich auch den Brief geschrieben hat, ist in Oldenburg begraben. Der Inhalt des Briefes ist nicht bekannt. Frerichs interessiert auch, was auf dem Siegel (kleines Bild oben) des Briefes zu sehen ist.

Quellen: Ausstellungskatalog zur Bilateralen Briefmarkenausstellung Dänemark-Deutschland vom 28.-30. Juli 2017, Seite 72.

Heinz Frerichs, Nachfahren der Hugenotten aus dem Poitou im Großherzogtum Oldenburg: Die Familie Beaulieu-Marconnay, Oldenburg 2017, Seite 19 u.a.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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