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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Kein Kraut gegen Schallplattenklau

30.01.2018

Oldenburg „Im NWZ-Heft ,50 Jahre Fußgängerzone Oldenburg’ stolperte ich über ein Foto, das 1970 am Leffers-Brunnen aufgenommen worden war. Rechts vorne mit einem Schreibblock in der Hand ist mein Freund Bemfried zu sehen, und weiter hinten stehen mein Freund Dieter und ich selbst.

Ich erinnerte mich daran, dass einige Mitschüler und ich etwa zur Zeit des Fotos, also 1970, vom Kunstunterricht (bei Frau Mosler an der Hindenburgschule) an eben dieser Stelle einen Super-Acht-Film gedreht hatten. Ich fand ihn wieder und brachte ihn zum Digitalisieren zu Werkstattfilm. Er ist kurz (1.45 min) und etwas verwackelt, aber er fängt gut die damalige Atmosphäre am Brunnen ein: ein DKP-Werbestand, jemand, der Gitarre spielt und natürlich ich und mein Freund Jonny mit langer Mähne. Ich hatte damals übrigens den Spitznamen „Jimmy“, denn mit meinem Wuschelkopf glich ich etwas dem damaligen Superstar Jimmy Hendrix.

Der Brunnen war für uns ein wichtiges Zentrum in der Innenstadt, doch auch der davon abgehende Herbartgang spielte eine große Rolle. Hier gab es den Eisstand ,Lovera’ und das enge und verwinkelte Cafe ,BÄR’ in einem Betonneubau, in dem nach der Schule die ersten Zigaretten geraucht wurden.

In der Stadt in der Mittagszeit hingen viele Auswärtige ab, also Schüler, die bis 14 Uhr warten mussten, damit sie dann von Bus und Bahn in ihre Heimatorte wie Wildeshausen transportiert wurden. Ich hing dort mit ihnen ab, obwohl ich Oldenburger war, denn wäre ich bereits nach der 4. oder 5. Stunde nach Hause gekommen, hätte ich bei Mutters Hausarbeit mithelfen sollen.

Hier mal ein Kaffee oder dort mal ein Eis oder später dann ein Bier im ,Gretna’ (Gretna Green, Ecke Baumgartenstraße, heute Loft): das war natürlich teuer; ganz zu schweigen von den Eintrittsgeldern im ,Montparnasse’. Obwohl man ein Spezialist im Eintrittsstempelfälschen wurde, war die Diskothek teuer, vor allem dann, wenn man wie ich dort täglich verkehrte und sogar die Schularbeiten dort machte.

Es musste also Geld organisiert werden: Ab und zu arbeitete ich im Plattengeschäft ,SHOP 5’ in der Schüttingstraße. Leider existierte der Plattenladen nicht lange, denn es wurde sehr viel geklaut. Einige ,Kunden’ mit ihren langen Mänteln sortierten die gewünschten Platten in den Plattenboxen vor, im geeigneten Moment hoben sie den Stoß Langspielplatten vor ihren Bauch unter den langen Mantel und später konnte man die Platten, z.B. auch am Lefferseck, für den halben Preis kaufen.

Es gab damals diese zweifarbigen Che Guevara- oder Mick Jagger-Poster, und ich konnte sie gut kopieren und sie an einige Tanzstundenmädchen von der Liebfrauenschule verkaufen, auch eine, allerdings nicht besonders große, Einnahmequelle.

Apropos Tanzstunde: Meine Klasse der Hindenburgschule, damals ein reines Jungengymnasium, hatte Tanzstunde mit einer Klasse der Liebfrauenschule, natürlich ein reines Mädchengymnasium. Die Tanzkurse fanden in der Tanzschule Beuss (im Gerichtsviertel) statt. Wichtiger als die steifen Tanzstunden war die Tanzschul-Diskothek, die jeden Sonntagnachmittag stattfand. Sehr wichtig waren auch die letzten Schultage vor jeden Ferien, denn damals gab es immer nach der dritten Stunde frei und die Tanzschule öffnete ihre Türen für die tanzwütigen Schüler. Diese Tanzstundenzeit lag für mich zwischen meiner Jugendzentrumzeit im OT (Offene Tür, Anfang der Gartenstraße) und der Montparnasse-Zeit, übrigens forderten bis Anfang der 70er- Jahre die Jungen immer noch die Mädchen zum Tanzen auf.

Etwa 1971 ging es mit dem Trampen zu Diskotheken nach außerhalb los, etwa zum ,MR. L’ in Ahlhorn. Auf dem Land gab es zu der Zeit sogar noch Dorfkneipen mit richtigen Tanzkapellen, z.B. die „BLUE BOYS“, die in Döhlen bei Großenkneten spielten, für mich als Städter eine eher exotische Sache, außerdem war es auf dem Land nicht ganz ungefährlich: Wenn du da als blauäugiger Städter mit einer Dorfschönheit anbändeln wolltest, konnte das leicht in einer Schlägerei enden, Beispiel Oberlethe.

Dann doch besser wieder zu den Freakdiskos wie das „SKALA“ in Lastrup fahren. Aber dort traf mich dann fast der Schlag: Als ich ein Mädchen auffordem wollte, meinte sie doch glatt: „Ey, Alter, tanzen kann ich auch alleine!“ Das war etwa 1973. Aus der Zeit ist auch das Klassenfoto vor dem Eingang zur Hindenburgschule (Herbartgymnasium), mich erkennt man am Kaninchenfellmantel, den ich mir auf dem Flohmarkt in Amsterdam besorgt hatte.“

Ulrich Linser (63 Jahre) ist Lehrer für Deutsch und Sport an der KGS Wiesmoor. Sein Vater war Leiter der Realschule Auf dem Ehnern – und damit einer der Lehrer von Dieter Bohlen.

Das NWZ-Sonderheft zum Jubiläum der Fußgängerzone ist restlos ausverkauft.

Bei dem Bild in der Kopfleiste auf Seite 27 handelt es sich um eine Speisekarte aus Linsers Bestand: aus dem damaligen Leffers-Restaurant und -Café „Boulevard“.

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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