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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Noch längst nicht das Ende vom Lied

20.07.2019

Oldenburg Auf der großen Bühne präsentiert sich wahrer Jazz eher selten. Der Jazzclub Alluvium 1502 hat, zumindest in seinen Standquartieren, 60 Jahre lang das nahbare Kammerspiel gepflegt: Vom Straßenluken-Keller im Degode-Haus über das Domizil an der Zeughausstraße und das Cadillac bis zur aktuellen Heimstatt im Wilhelm 13. Um seine Geschichte zu präsentieren, geht er jetzt in die Mohrmann-Halle. Auch das ist keine Arena – doch die Jubiläums-Schau wird dort am Pferdemarkt 8 zur großen Bühne.

Wer eintritt, erfasst in zwei Blicken Vergangenheit und Gegenwart. Links wird plakativ aktuell zum Lindy Hop Tanzkurs eingeladen, flache Schuhe empfohlen. Direkt voraus springt das restaurierte alte „Firmenschild“ vom Alluvium ins Auge, erinnert an regelmäßige Sessions und Live-Musik. „Charly“ Ahlers, der umtriebige und kunstsinnige Mann mit dem bekanntesten Kontrabass in Oldenburg, hat es sichergestellt. „Das hat er mal auf einem Flohmarkt entdeckt, wohin es geraten war, und es ohne Zögern zurückgekauft“, erzählt Gunnar Olsen, der im Club Pressearbeit und Clubabende gestaltet.

Historische Plakate, erhaltene alte Fotos und modern gestaltete Kunstfotos prägen die am Donnerstag eröffnete überaus geglückte Zusammenstellung geschichtlicher Momente. Klaus Beilstein, der hintersinnige Zeichner, hat sich von Anfang an von der Faszination um Jazz in der Stadt einfangen lassen. Seine Plakate zeigen Motive für ein ganzes Jahr, in die jeweils die Konzerttermine eingedruckt wurden. Da steckt in einem Tintenfass neben dem Federhalter eine Klarinette. Oder eine Riesenhand hält zwischen Daumen und Zeigefinger ganz feinfühlig ein zerbrechlich wirkendes Trompetchen.

Wenn Olsen vor einem Plakat der „Swing Killer“ stehen bleibt, dann gehen ihm die Pferde durch, zumindest im Trab. „Bei denen habe ich damals Schlagzeug gespielt, und das zusammen mit meinem alten Professor Fred Ritzel“, schwelgt er in Erinnerungen. „Hach, was war ich stolz!“ Mit allerhand Enge hatte Uwe Tiedemann bei seinen Fotos in den Gründerjahren zu kämpfen. Aber er hatte künstlerischen Weitblick. „Das Licht war nicht das beste“, erzählt er. Seinen vom Vater geliehenen Elektronenblitz mit aufsteckbarem Schirm als Reflektor musste er erfindungsreich einsetzen. So sind Tammo Koch und Wolfgang Cordes als „die ersten beiden Jazzbassisten im Degodekeller“ festgehalten, dazu eindrucksvolle Momente von Solisten und von der Stimmung auf oft übervoller Tanzfläche. Zumindest die Zehen ließen sich dort immer noch bewegen.

Ausgearbeitete Kunstwerke sind die zeitgenössischen Fotos von Tillman Böttcher. Der junge Pianist und Trompeter hat überhaupt das Konzept für die Ausstellung geprägt. „Irgendwann hieß es mal, wir brauchen jemanden für eine Ausstellung“, erzählt er lachend. „Da lief ich gerade vorbei und wurde gleich geschnappt. Das hat sich dann zu diesem hier ausgeweitet.“ Jazzer ließen zwar gern fotografieren, meint Böttcher. „Doch es bleibt eine Kunst, die Stimmung einzufangen, ohne die Musik zu stören.“

Ob Momente mit Orgel-Königin Barbara Dennerlein, Flügelhorn-Altmeister Ack van Rooyen, oder auch von verwischten Schlagzeug-Vibrationen: Mimik, Bewegungen, Versenkungen, Ausbrüche, alles vereinigt Böttcher in seinen Szenen. Klar, „Easy Tuesday“ aus Oldenburg und die „Bremen Bossa Bandits“ haben zur Eröffnung handfest aufgespielt. Aber wer sich dann in der Stille auf diese Bilder einlässt, spürt der nicht tief im Inneren die Illusion von fein zauberhafter Musik, ganz für sich?
 Die Ausstellung ist noch bis Mittwoch, 27. Juli, jeweils von 10 bis 18 Uhr in der Mohrmannhalle am Pferdemarkt zu sehen. Im Rahmen des Jubiläums werden Montag bis Mittwoch, 22 Uhr, drei Jazz-Filme gezeigt. An diesem Samstag gibt „ Oumuamua“ um 19.30 Uhr ein Konzert. Am Samstag, 27. Juli, lädt die „Flower Street Jazzband“ um 11 Uhr zum Frühschoppen ein.


Mehr Infos:   www.jazzclub-alluvium.de/60jahre.php 
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