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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Peterstraße wird zum experimentellen Klangspielplatz

17.06.2019

Oldenburg Es gibt einen durchschnittlichen Verlauf, wie ein Musikinteressierter in ein Konzert seiner Wahl kommt: Man erfährt von einem Konzertprogramm oder einem Künstler, bei Interesse erwirbt man eine Eintrittskarte, man findet sich pünktlich vor Konzertbeginn am Austragungsort ein, setzt sich auf den nummerierten Platz und harrt der Dinge, die da kommen mögen. Wie ganz anders gestaltete sich da der Zugang zur kleinen Langen Nacht in 14 Spielstätten an der Peterstraße und drumherum. Insgesamt 24 Konzerte, Installationen und Events warteten auf die zwischen den Spielorten und den Angeboten flanierenden Interessierten.

Anarchisch und witzig

Neuland für Besucher und Musiker

Die Besucher: Für viele Besucher war der Samstagabend eine neue Art, mit Musik umzugehen. Jessica Jasper etwa besuchte die Vorstellung zum ersten Mal, hatte sich jedoch unter dem Programm etwas anderes vorgestellt. „Ich habe gedacht es kämen Vorstellungen zu Konzertmusik, wie zum Beispiel Klassik oder Jazz“, so Jasper. Weiterhin erklärte sie, dass die Beiträge für sie zu abstrakt seien. Stefanie Gedon und Cecilia Urquizu fanden die kleine Lange Nacht der Musik sehr schön und sehr inspirierend: „Es war von allem etwas dabei, auch ungewöhnliche Sachen, jedoch war das für uns etwas, was man gut aufnehmen kann“, berichteten beide Besucherinnen. Etwas anders sah das bei Hubertus samt Ehefrau Elisabeth aus. Beide erklärten, dass sie ihre Zeit brauchten, um sich auf die Musik einzulassen. Sie berichten von Beiträgen, die die normalen Hörgewohnheiten durchbrechen.

Der Künstler: Hendrik Hantschel war mit seinem „Sonic Ponyhof“ Teil des Programms. „Durch Veranstaltungen wie heute Abend haben wir als Künstler die Möglichkeit uns mit anderen auszutauschen. Dadurch wird die Arbeit stärker, da das Teilen der Ideen mit anderen eine Bereicherung ist“, erklärte Hantschel. Sein Kollektiv wurde zum ersten Mal für das Projekt eingeladen. Persönlich ist er begeistert vom Publikum. „Wir haben so viele Leute gehabt, die selbst mitgemacht haben und uns ebenfalls positive Rückmeldungen gegeben haben“, berichtete der Künstler.

Die diesjährige Bandbreite der von den Netzwerkpartnern von Klangpol organisierten kleinen Langen Nacht war wieder einmal beeindruckend und eigentlich war für jeden Geschmack etwas dabei.

Auf der Grünfläche vor dem Edith-Russ-Haus erzeugten junge Musiker aus Groningen einen experimentellen Spielplatz aus Kunst, Klang, Licht und Performance, dessen Hauptaussage – das Leben sei ein Ponyhof – so stereotyp, witzig, anarchisch und selbstironisch daherkam, dass jeder Flaneur hier einmal stehenblieb. Nahebei, in der voll besetzten Forumskirche, fand die „Drumherummusik“ mit etwa 20 Schülern und Studenten mit zehn kleinen Glockenspielen statt, deren Klang die Zuhörer von allen Seiten, eben „drumherum“, umschloß und in einen sphärischen Klangteppich einwickelte.

Eine interaktive audiovisuelle Installation im Edith-Russ-Haus verführte die Flaneure zum Experimentieren. Mehrere Besucher konnten gleichzeitig mit der Installation Klänge und Licht erzeugen in einer ausgeklügelten Wechselwirkung zwischen den Besuchern untereinander und der Technik selbst. Je nach Anzahl der aktiven Besucher und der Art ihrer jeweiligen Interaktion reagierte das technische System auf andere Art und erzeugte sehr unterschiedliche Wechselwirkungen, die selbstverständlich vom einzelnen Besucher weder vorhersehbar noch steuerbar waren: ein sehr schönes Bild für soziale Großsysteme, die globalen Finanzströme und die globalen natürlichen Regelkreise.

Stille Gedanken von Gott

Auch das thematische Spektrum war aufgespreizt zwischen den vielfältigsten Lebenserfahrungen und mentalen Schwerpunkten. Eine internationale Gruppenausstellung zum Thema Sexarbeit buhlte ebenso um die Aufmerksamkeit der vielen entspannten Flaneure wie ein Wandelkonzert in der Friedenskirche nach 28 Liedstrophen Gerhard Tersteegens mit dem Obertitel „Stille Gedanken von Gott, dessen Eigenschaften und Vollkommenheiten“.

Aber nicht nur die riesige Bandbreite der dargebotenen Aktionen unterschied die Lange Nacht von einem konventionellen Konzert. Das gerade Gehörte und Gesehene brachte einander wildfremde Flaneure in ein gemeinsames Gespräch über Sinn und Unsinn des Erlebten, über Standort und Stellenwert von moderner Kunst überhaupt. Die Anregungen, die auch provozieren konnten und dann Aufregungen wurden, entfalteten gleich an Ort und Stelle ein Bedürfnis, sich mit anderen auszutauschen. Von der manchmal etwas rituellen Sterilität von Klassik-Konzerten war hier nichts zu spüren. Und wer es noch etwas genauer wissen wollte, als es auf den entsprechenden Programmzetteln zu lesen war, der konnte sich ganz ungeniert an die Aufführenden wenden und die sprichwörtlichen Löcher in den Bauch fragen

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