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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Auf Hochtouren selbstbewusst natürlich

04.10.2018

Oldenburg Wenn es ihm künstlerisch sinnvoll erscheint, dann lässt Alexander Melnikow den rechten Fuß länger auf dem Pedal ruhen. Wolken bauscht er damit in Franz Schuberts Wanderer-Fantasie C-Dur D 760 auf. Das ist riskant. Der russische Pianist spielt zwar im Flachland, in Oldenburg. Doch seinen Wanderer treibt er durchs Hochgebirge. Da braucht der doch klare Sicht!

Gemach! Melnikow gelingt in der Reihe „Große Pianisten im Kleinen Haus“ des Vereins der Musikfreunde (VMO) das Kunststück der beglückenden Auflösung. Banges Ahnen von Abgründen und Hochgenuss über plötzlich freie Blicke ins Ferne greifen ineinander. Melnikow reicht in seiner überwirklichen Virtuosität und in seiner intellektuellen Durchdringung in Nähe und riesige Weite.

Dabei ist er Tüftler und Praktiker gleichermaßen. Er sucht neue Nuancen, feine Kommentare in den Verknotungen der Musik. Doch er reißt nichts Randständiges hervor, er bewertet keine Details über, aber er wirft auch keine belanglos ein.

Schon nach außen differenziert er mit drei Instrumenten: Dem Nachbau eines Conrad-Graf-Flügels aus Wien um 1830; darauf zelebriert er den Schubert.

Einem Erard aus Paris; den reserviert er den zwölf Etüden op. 10 von Frédéric Chopin und den „Reminiscences de Don Juan de Mozart“ von Franz Liszt. Und einem Steinway; auf dem demonstriert er die rasende Wucht eines modernen Flügels mit drei Szenen aus „Petruschka“ von Igor Strawinsky.

Auf dem wärmer timbrierten Graf werden bei Melnikow Schuberts kompakte Akkordschläge nicht zum Weck-Kommando für eine Kompanie von Wanderern. Energisch und trotzdem feinfühlig schickt er hier ein zagendes Individuum auf eine Tour, die äußerlich durch Nebel und innerlich durch Einsamkeit zum Ziel im Licht führt.

Der Erard erlaubt sehr fließende Läufe in Chopins Etüden. Doch Melnikow zieht diese Virtuosität in den weitgriffigen Arpeggien nicht in die Nähe von Liszt. Die Melodien lässt er fast schüchtern eintreten. Farben schillern ganz neu. Der Unterschied zum echten Liszt ist gravierend. Klar, der Tastendonner beeindruckt. Aber im Kern bedient sich der Pianist seiner nur, um die Sensibilität der Mozart-Arien zu betonen.

Wenn er wollte, könnte er den Steinway zur pianistischen Machtdemonstration nutzen. Doch selbst mit Strawinskys die Ohren strapazierenden Klangschichtungen und seinen perkussiven Hieben übt er keine Gewalt aus. So ist Melnikow: Er kokettiert keineswegs mit Understatement. Er bläst sich aber auch nie auf. Er genießt einfach die Herausforderung mit selbstbewusster Natürlichkeit.

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