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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Konzert: Diese Musiker überraschen Augen und Ohren

25.02.2019

Oldenburg Was hat man vor dem geistigen Auge, wenn der Begriff Streichquartett fällt? Richtig: Vier alte Männer im dunklen Anzug sitzen im Halbkreis auf Stühlen und spielen an ihren Streichinstrumenten konzentriert und in sich ruhend Kammermusik auf höchstem Niveau.

Als allerdings die vier jungen Leute vom Frankfurter Aris-Quartett die Bühne im Alten Landtag betraten, passte dieses liebgewonnene Bild gar nicht: Das Aris-Quartett – das sind neben dem Cellisten Lukas Sieber und dem Bratschisten Caspar Vinzens die beiden Geigerinnen Anna Katharina Wildermuth und Noémi Zipperling, die mit leuchtend roten Abendkleidern antraten.

Noch abweichender von der üblichen Vorstellung eines Streichquartetts in Aktion war die vor einem knappen Jahr getroffene Entscheidung der vier Musiker, stehend zu spielen. Diese Entscheidung lässt natürlich für das Spiel mehr Bewegungs- und Beinfreiheit, der ganze Körper ist stärker und sichtbarer in den Rhythmus einbezogen, der sowieso anvisierte Fokus auf eine emotionale Intensität der Wiedergabe wurde dadurch optisch unterstrichen. Die jungen Streicher, die von Hubert Buchberger in Frankfurt gefördert wurden und sich bei Günter Pichler, dem Gründer und Primarius des legendären Alban-Berg-Quartetts, vervollkommneten, gehören mittlerweile zu den wichtigsten Quartetten ihrer Generation weltweit.

Mit ihrem Programm in Oldenburg, dem „Sonnenaufgangs-Quartett“ op 76/4 des ganz späten Haydn, dem Streichquartett c-Moll op. 51/1 von Brahms, der „Lyrischen Suite für Streichquartett“ von Alban Berg und einer bezeichnenden Zugabe, dem 1. Contrapunctus aus Bachs „Kunst der Fuge“, stellten sie sich bewusst dem größten Anspruch und den höchsten Anforderungen. Die Interpretationen dieser vier großen Werke auf technisch untadeligem Niveau war allein schon den Eintritt wert.

Die Bewegtheit und Emotionalität der Kompositionen wurde aufgenommen und teils noch gesteigert, so vor allem beim späten Quartett von Joseph Haydn, das fast ein wenig zu flott, zu intensiv emotionalisiert erklang. Auch die Glissandi und Seufzer wirkten ungewohnt, zwar mutig, aber auch ein wenig gewollt. Auch gelangen beim „Sonnenaufgang“-Quartett die Spannungsbögen vergleichsweise am wenigsten.

Die Interpretation der „Lyrischen Suite“ dagegen, die in sechs Sätzen das autobiographische Drama einer unglücklichen Liebe zur verheirateten Hanna Fuchs erzählt, gelang zum Erstaunen, wie reif und wie kongenial sich das Quartett auf diesem höchsten Niveau bei höchster expressiver Emotionalität bewegt.

Eine sehr gute Stimmenbalance, ein zügiges, zugreifendes, auch agonal wirkendes Musizieren, das das Schwierige so schön spielt: Kammermusik der Extraklasse. Und das anschließende Streichquartett von Brahms verdichtete den Eindruck: Das Aris-Quartett spielt Schwierigstes unangestrengt schön, wirkt bei aller warmen Emotionalität nie wie unter Dauerdruck.

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