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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Eine SMS von Johann Sebastian an Amit

09.05.2019

Oldenburg Johann Sebastian Bach hat Amit Weiner eine SMS geschickt: „Lieber Amit, war ein anregender Gedankenaustausch über mein Italienisches Konzert, mal ein anderer Blickwinkel, aber trotzdem vertraut. LG JS.“

Natürlich kann Bach dem israelischen Komponisten keine SMS zukommen lassen. Aber in der Musik gelingt der Brückenschlag zwischen 1735 und 2019. Vor 284 Jahren hat Bach sein Konzert im italienischen Gusto zum ersten Mal gespielt. Aktuell erlebt Weiners „Walk with Bach“ im gut besuchten Saal des Oldenburger Schlosses seine Uraufführung, „A Journey Concerto for Mandolin and a Baroque Orchestra“. Intensiv habe er „mit Bach kommuniziert“, erklärt der renommierte Komponist. Klappt also doch.

Das Concerto Foscari bildet das vorwärts treibende Barockorchester, sein Leiter Alon Sariel den mitreißenden Mandolin-Solisten. Er hatte die Idee zum Projekt „Barock begegnet Bauhaus“ mit dem Untertitel: „Bach in der Weißen Stadt.“ Oldenburg gibt mit der bis zum 4. August laufenden Bauhaus-Ausstellung „Zwischen Utopie und Anpassung“ im Augusteum die Vorlage.

Die „weiße Stadt“ ist ein Bauhaus-Ensemble in Tel Aviv aus den 1930er-Jahren. Während einiger Musiksätze erscheinen von diesem zum Weltkulturerbe erhobenen Ort Videos von Asaf Lewkowitz. Man kann musikalisch und visuell Verbindungen zwischen der Bach-Stadt Weimar, 1919 Gründungsort des Bauhauses, und dem Flair des Bauhaus-Viertels in Israel entdecken.

Carl Philipp Emanuel Bach (Sinfonie C-Dur, Wq 182/3) und Wilhelm Friedemann Bach (Sinfonie F-Dur, „Dissonanzen-Sinfonie“) sind Barockkomponisten, die sich in Struktur-Strenge und melodischer Biegsamkeit beim Bauhaus-Geist verorten lassen könnten. Rasch bauen die Streicher und die Cembalistin ein prickelndes Spannungsfeld zwischen vielfältigem Ausdruck und festigender Ordnung auf. Das bekommt vor allem dem von zwei Cembalo-Manualen auf Streicher und Mandoline übertragenen Italienischen Konzert.

Weiner bezeichnet seine darauf basierende Neuschöpfung als „Re-Komposition“. Er reiht sich bei Komponisten wie Hans Zender, Luciano Berio oder Dieter Schnebel ein, die auseinander liegende Musikperioden miteinander verbunden haben. Weiner flicht israelische Lieder ein, vermittelt das Gefühl freier Improvisation, verdichtet die Musik. Und ehe er sie wegschweben lässt, klingen dezent die israelische und die deutsche Hymne an.

Das wirkt etwas gewollt, ist aber begründet. In den 1930er-Jahren mussten die jüdischen Künstler aus Deutschland fliehen. Heute wirken viele Israelis wieder hier. Es ist unter den Brückenschlägen in diesem Projekt ein besonderer.

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