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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Festtagsmusik geht auch ohne Trompeten zu Herzen

18.12.2017

Oldenburg Es begibt sich immer zu der Zeit, dass ein Gebot ausgeht, dass alle Welt die weihnachtlichen Ereignisse in gebührendem Jubel feiern würde. Da macht sich also auch Tobias Götting auf, nimmt an zwei Abenden in der voll besetzten Lambertikirche den Chor, Solisten und die Sinfonietta Oldenburg mit.

Doch er führt die Hörer keineswegs auf die vertraute und herausgeputzte Weihnachtsoratoriums-Straße. Anders als Bach, Händel, Eybler oder Cartellieri flicht Camille Saint-Saëns in seinem „Oratorio de Noël“ von 1858 keine Geigengirlanden und zündet keine Trompetenraketen. Nur Streicher, Harfe und Orgel setzt der Franzose ein. Den lateinischen Text bastelte sich der 23-Jährige selbst zusammen. Es mag sein Versuch gewesen sein, mit Psalmen und Evangelienauszügen die fast volkstümlich-naive Melodik auf eine höhere Ebene zu heben.

Die mögliche Diskrepanz löst Götting unkompliziert auf. Weder niedlich noch rau lässt er das klanglich homogene Ad-hoc-Orchester und die Solisten agieren. Gegensätze wirken eher als Abwechslung denn als Konflikte. Hier aber nicht einfach zu glätten, sondern ständig die Spannung bis zum wuchtigen Schlusschor aufzubauen, entspringt seiner enormen Verbundenheit mit der französischen Musik.

Die fünf Gesangssolisten bringen ihre eigene stimmliche Persönlichkeit ein, ebenso das Vermögen zur glücklichen Verschmelzung: Britta Stallmeister (Sopran), Tanya Aspelmeier (Mezzosopran), Ulrike Andersen (Alt), Mirko Ludwig (Tenor), Sebastian Noack (Bass). Vielleicht hat der Tenor am meisten die Herzen erwärmt.

Die Ansprüche an den Chor sind durchschnittlich. Aber auch dann Details plastisch herauszustellen und im Forte nicht einfach pauschal zu werden, zeigt die intensive Schulung des Lambertichores. Das Konzert für Orgel, Pauken und Streicher von Francis Poulenc (1899-1963) setzt die andere tragende Säule. Thomas Ospital, Titularorganist an der Kirche Saint-Eustache in Paris, schwingt wundervoll weit aus zwischen Grübelei und guter Laune, zwischen Bedrücktheit und Befreiung in dieser neoklassizistischen und trotzdem tief religiösen Musik.

Ospital zieht auch in die kleinen Preziosen mit Chor von César Franck (150. Psalm) oder Charles Gounod (Béthléem/Noël) Streben ein.

Und mittendrin ein Gassenhauer: Ospital und Götting zelebrieren vierhändig eine kesse zeitgenössische „Sonate Parisienne“ von Julien Bret. Da swingen selbst zuhörende Chorsänger und Instrumentalisten mit. Es ist eben „Weihnachten à la française“.

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Sinfonietta | Lambertichor | Weihnachten

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