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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Konzert: Gänsehautstimmung in Lamberti-Kirche

02.04.2019

Oldenburg Dass auch 292 Jahre nach seiner Entstehung Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion die Zuhörer in Atem halten und begeistern kann, zeigte die gut zweieinhalbstündige Gesamtaufführung am Sonntag in der St. Lamberti-Kirche.

Kirchenmusikdirektor Tobias Götting dirigierte das Werk mit Elastizität und vielfältigem Ausdruck. Er bewies ein feines Gespür für die tieferliegenden Schichten dieser Musik. Schon beim Eingangschor „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“ verwandelten sich im gravitätisch schwingenden Rhythmus die pochenden Grundtöne der Orgel und der tiefen Streicher zum pulsierenden Herzschlag. Der Lambertichor sang die zumeist achtstimmigen Doppelchöre mit größter Exaktheit, sicher in der Intonation und deutlich in der Aussprache. In den dramatischen und mitunter tonmalerischen Szenen war er äußerst präsent.

So sorgte beispielsweise das lebhafte Fugato „Sind Blitze, sind Donner“ für Gänsehautstimmung. Die betrachtenden und zum Nachsinnen anregenden Choräle gestaltete der Chor mit reichem und lyrischem Ausdruck.

Mirko Ludwig sang mit sehr beweglicher Tenorstimme einen ausdrucksstarken Evangelisten mit einem guten Gespür für die Dramatik der Passion. Genauso konnte er die Stimme zurücknehmen, so dass gerade die leisen Momente, wie bei „Und ging hinaus und weinete bitterlich“, einen besonders tiefen Eindruck hinterließen. Die aus Oldenburg stammende Solistin Wiebke Lehmkuhl begeisterte durch ihre hervorragend geführte Altstimme mit reichen Ausdrucksnuancen und vielfältigen dynamischen Klangfarben. Ihre Arie „Erbarme dich, mein Gott, um meiner Zähren willen!“, gemeinsam mit der die Tränenbäche symbolisierenden Solovioline (Veronika Skuplik), stand im Zentrum der emotionalen Botschaft des Werkes. Im Duett mit der Sopranistin Johanna Winkel sang sie „So ist mein Jesus nun gefangen. Mond und Licht ist vor Schmerzen untergegangen“.

Deren lyrische Sopranstimme kam besonders schön bei der Arie „Aus Liebe will mein Heiland sterben“ zur Geltung, welche sie im Dialog mit der Traversflöte und zwei Oboen (von der Galerie gespielt) darbot.

Überhaupt war der Raumeffekt durch die Doppelchörigkeit und gleich zwei Barockorchester bei dieser Aufführung eine große Bereicherung. Die in der barocken Spielkunst erfahrenen Instrumentalisten von „La dolcezza“ leisteten Großartiges, unterstützt durch Karl Ernst Went an der Orgel.

Als weitere Gesangssolisten wirkten mit der Bariton Sebastian Noack (Pilatus und Arien), Florian Hille (mit Streichern unterlegte Jesusworte) und, sehr souverän aus dem Chor singend, Sebastian Groß (Nebenrollen).

Wir wissen nichts über die Qualität der Uraufführung der Matthäus-Passion von vor fast 300 Jahren, die damals aber eher kritisch aufgenommen wurde. Sicher hätte Bach in St. Lamberti große Freude an solch einer ausgezeichnet dargebotenen und nachhaltig wirkenden Aufführung gehabt.

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