• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Nicht immer ins gleiche Horn blasen

11.06.2019

Oldenburg Es ist zu schön, ein Vorurteil mit einem Fußtritt davonzujagen. Nur: Manchmal findet man dafür kein passendes. Daniel Lienhard hatte so ein Erlebnis. Der Schweizer Hornist suchte für sein Dauprat-Hornquartett nach Frauen, die für eine solche Formation komponiert haben könnten.

Mit diffamierender Abneigung gegen solche Komponistinnen wäre in früheren Jahrhunderten wohl zu rechnen gewesen. Doch nichts da. Es gab bis vor hundert Jahren im Prinzip überhaupt keine, die Musik für Horn verfasst hätten. „Du recherchierst aufwendig nach vergessenen Werken, oder du gibst neue in Auftrag“, sagt der Hornist vom Berner Sinfonieorchester. Nach beiden Methoden ist das Programm entstanden, mit dem Lienhard, Peter Bromig, Catherine Eisele und Sebastian Schindler beim Komponisten-Kolloquium „Musik unserer Zeit“ im Kammermusiksaal der Universität faszinieren. Dieses hoch angesehene Dauprat-Quartett forscht, innovativ gestimmt, gern Randgruppen aus.

Im Archiv der Berner Musikhochschule hat Lienhard Werke für vier Hörner ausfindig gemacht, auch von Frauen komponierte. Ein originelles etwa von der Kanadierin Elma Miller („Things are not what they appear“) war vor 25 Jahren ungespielt in der Schublade verschwunden. Werke von Ruth Gipps („Variationen über ein nicht existierendes Kinderlied“), Wally Weigl, Iris Szeghy oder Nancy Van de Vate verraten Divertimento-Charakter. Violeta Dinescu, die große Regisseurin der schon traditionsreichen Komponisten-Reihe, steuert selbst eine „Abendandacht“ bei, deren Melodie im Kanon durch die Instrumente zieht.

Immerhin vom Ende des 19. Jahrhunderts stammt ein ohrenfälliges „Notturno und Jagdstück“ von Louise Hoffmann-Kern. Das Quartett ist technisch und gestalterisch gefordert, bis hin zu zwei erst unlängst wieder entdeckten, aber schon 1948 aufgeführten Serenaden von Yvonne Desportes. Technische Flexibilität verbinden die Vier mit intellektueller Übersicht. Ihr Ton hat jene anstachelnde minimale Rauheit, die ermüdende Glätte verhindert. Bei locker ansprechendem Ansatz gelingen irisierende Schattierungen durch alle Lagen. Längst haben Frauen auch in praktischer Ausübung das Horn für sich entdeckt. „Noch 1980 war eine Hornistin in der Horngruppe eines Orchesters die Ausnahme“, erzählt Peter Bromig, „heute zählt das zum Standard.“ Doch die nächste Welle hat der Solohornist des SWR-Sinfonieorchesters schon ausgemacht: „Seit fünf Jahren hagelt es Trompeterinnen, das ist voll der Trend.“

Zur Klärung, ob denn Frauen ein Hornquartett irgendwie anders komponieren könnten als Männer, finden sich keine Indizien. „Das ist wie Musik absolut“, merkt Lienhard an. „Es gibt einfach gute und schlechte.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.