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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Von Klassik kann Staatstheater ein Lied singen

12.02.2019

Oldenburg Das klassische deutsche Kunstlied ist, seit seiner Initialzündung mit „Gretchen am Spinnrad“ von Franz Schubert nach einem Lied aus Goethes Faust, eine Kunst des Intimen, des Feinen, des Subtilen und des Sensiblen. Stand und steht dieser Hauptaspekt auch immer im Vordergrund der weiteren Entwicklung, so gibt es doch auch Nebenzweige, die sich eher am Operngesang orientieren.

Ein gutes Beispiel für diese opernaffinen kleinen Bravourszenen bieten die „Sechs Lieder“ op. 68 von Richard Strauss. Martha Eason, derzeit Ensemblemitglied des Staatstheaters, sang vier der sechs Lieder nach Texten von Clemens Brentano wahrlich opernhaft: als kokette Diva, stimmgewaltig mit einem Koloratursopran, als ginge es um Rossini und nicht ums deutsche Lied.

Der zweite Liederabend der Saison am Staatstheater unter dem Motto „Als mir dein Lied erklang“, sprengte, auch um des Kontrastes willen, die Grenzen des auf Schubert zurückgehenden Genres. Natürlich erklangen die vier Strauss-Lieder nicht nur stimmgewaltig, sondern auch technisch versiert, allenfalls mit Abzügen bei der Textverständlichkeit, aber vor dem geistigen Ohr hörte der Kenner der Materie eher ein begleitendes Orchester, und nicht, wie hier, das pointierte und gefällige begleitende Klavierspiel von Carlos Vázques.

Vorangegangen waren im etwa eineinviertel Stunden langen gehaltvollen Liederabend Werke von Johannes Brahms und von Hugo Wolf. Beide schrieben Lieder aus der auf Schubert zurückreichenden Traditionslinie heraus: Aber wie unterschiedlich interpretierten sie diese Tradition. Johannes Brahms orientierte sich an Schubert, Schumann, an der herausragenden Qualität der Textvorwürfe – Herder, Hölty, Tieck, Uhland – sowie am auch historisch informierten Formenpluralismus der Musikgeschichte. Dass das weit mehr als historistisch klingt, war an jedem einzelnen der neun von Brahms erklingenden Lieder auszumachen: Der Tenor Timo Schabel sang diese als deutsche Volkslieder gedachten Kunstlieder aufmerksam, sehr textverständlich, mit Wärme und wo nötig, mit Emphase. „O liebliche Wangen“ auf einen Text des Barockdichters Paul Fleming, erklang großartig, frisch, emotional und mitreißend, als wäre es ein wahrlich zeitloses Lied und für uns genauso wie für unsere Vorfahren und für die, die nach uns kommen mögen. Und genau so ist diese Liedkunst von Brahms auch gedacht.

Wie anders dagegen die fünf von Martha Eason aus dem umfangreichen Zyklus der Mörike-Lieder gesungenen Kleinode: Hugo Wolf fordert für sich, den Sänger und den Hörer nicht geschichtlich abgesättigte Klassizität, sondern vitalste Gegenwärtigkeit. Da ist nichts erwartbar, da ist keine Note, da ist keine Zeile zu viel. Ähnlich wie Brahms, aber noch gesteigert, ist Hugo Wolf der bedeutende literarische Vorwurf, hier von Eduard Mörike, Verpflichtung: das poetische Wort verpflichtet die Musik. Da gibt es nichts Lasches, kein Ausweichen, da gibt es nur noch Wahrheit oder Unwahrheit.

Martha Eason gab von dieser ästhetisch unerbittlichen Haltung mit bekannten Liedern wie „Er ist‘s“ oder der erregten, vorwärtspeitschenden atemlosen „Begegnung“ mit unendlich feiner, unaufgesetzter Ironie einen kleinen Vorgeschmack.

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