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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Wunderbarer Abend mit Großfamilie Bach

06.03.2018

Oldenburg Manchmal legen die Instrumentalisten im legendären „Stabat mater“ von Giovanni Battista Pergolesi einen richtig plüschigen Streicherteppich unter die beiden Solistinnen. Sopran und Alt bleiben in den 14 Versen dann schon mal an einigen dicken Flusen hängen. Es geht auch anders, zeitgemäßer. Mitzuhören in St. Lamberti in einem weiteren Teil der Serie „333 Jahre Freude“ zur Feier des 333. Geburtstages von Johann Sebastian Bach.

Der Leipziger Thomaskantor drängt dabei den neapolitanischen Melodiker ein bisschen aus der Bahn. Kantor Tobias Götting hat sich für Bachs Bearbeitung des 1736 kurz vor Pergolesis frühem Tod mit 26 Jahren vollendeten Passionswerks entschieden. Der lateinische Text ist durch eine deutsche Umdichtung des 51. Psalms ersetzt worden: „Tilge, Höchster, meine Sünden.“

Ornamente geglättet

Bach hat eine gut füllende Bratschenstimme hinzugefügt, sonst aber den eigenen Gusto hinter der höchst modernen Vorlage stärker zurückgehalten. Pergolesis Opus vereinigt barocke Affektenkunst mit der Gesanglichkeit der Oper. Einige Ornamente scheinen geglättet. Da war Bach konservativer.

Bei Johanna Winkel (Sopran), Wiebke Lehmkuhl (Alt) und dem Barockensemble „La Dolcezza“ von Veronika Skuplik liegt diese leidenschaftliche und trotzdem klar strukturierte Musik in besten Kehlen und Händen. Mit fünf Streichern und Orgel-Continuo entwickelt sich der instrumentale Part pastos und geschmeidig.

Familie im Mittelpunkt

Der Teppich ist dünner, aber er wird nie durchgetreten. Es ist ein geradezu sinnlicher Klang, den „La Dolcezza“ entwickelt. Winkel und Lehmkuhl verschmelzen wundervoll miteinander und mit den Streichern. Es scheint, als nähme der deutsche Text dem spirituellen Zwiegesang etwas von der Schwere des Lateinischen. Das Leiden wirkt nicht leichenbitter eingefärbt.

Es geht in der ganzen 333-Reihe nicht nur um Johann Sebastian, sondern um jede Menge Bache überhaupt. Von Johann Bernhard lässt das Barock-Ensemble die Orchestersuite e-Moll plastisch entstehen. Mit bewegender Nahbarkeit und Natürlichkeit gestaltet Wiebke Lehmkuhl zudem von Johann Christoph, einem Bach der Arnstädter Linie, das stark rezitativisch geprägte Lamento „Ach, dass ich Wassers g’nug hätte.“

Thüringer Wurzeln

Informativ leuchtet der Publizist Volker Hagedorn mit Lesungen aus seinem höchst beachteten Buch „Bachs Welt“ die vielen Stränge der vor allem in Thüringen heimischen Bach-Namensträger aus. Leicht macht es der profunde Kenner den gespannten Hörer dabei nicht. Da wechselt er locker von Johann (ohne Sebastian) in Suhl zu Christoph oder Johann Ambrosius in Erfurt, zu Heinrich in Arnstadt oder Johann Andreas in Ohrdruf.

Über 50 Namensträger zählten die Bache des engeren Kreises, angefangen beim 1555 geborenen Asylanten Veit Bach aus Ungarn bis hin zum 1840 gestorbenen Oberamtskopisten Philipp Ernst Christian. In den fast drei Jahrhunderten dazwischen: Die größte Musiker-Dynastie der Welt.

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