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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Ersteigerung scheitert am Geld

05.06.2019

Oldenburg Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte stellt nicht nur Kunstwerke aus oder sammelt sie im Archiv, es kauft durchaus hinzu. Jüngstes Beispiel für diese Aktivitäten ist ein von Gabriele Münter gemaltes Porträt, das die erste deutsche Museumsdirektorin, Johanna (Hanna) Stirnemann, zeigt. 55 000 Euro standen Dr. Rainer Stamm, Leiter des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, zur Verfügung, um das vom Stuttgarter Auktionshaus Nagel angebotene Bild zu ersteigern.

Stirnemanns Laufbahn begann – und daher der Bezug zu Oldenburg – im Jahr 1927 nach dem Studium in Halle als „wissenschaftliche Hilfsarbeiterin“ am Landesmuseum Oldenburg. Als Assistentin des Gründungsdirektors Walter Müller-Wulckow arbeitete sie zunächst im Bereich der Gegenwartskunst. Doch das war der jungen Frau nicht genug. In Greiz durfte sie das Reussische Heimatmuseum einrichten. Eröffnet wurde das Museum, dessen Exponate allesamt von Stirnemann untersucht und eingeordnet worden waren, im Jahr 1929. Die überragende Leistung fiel auf und sie übernahm im selben Jahr eine Stelle als Assistentin am Stadtmuseum in Jena. Nur wenige Monate später starb der Direktor des Museums überraschend und sie wurde im April 1930 dessen Nachfolgerin. Das war zur damaligen Zeit etwas Herausragendes und Besonderes. Sie war damit die erste Museumsdirektorin Deutschlands.

1934 zeigte Stirnemann in Jena die Wanderausstellung mit Gemälden Gabriele Münters. In diesem Zusammenhang sind sich die beiden Frauen wohl begegnet und das Porträt entstand. Doch den Nationalsozialisten stieß das selbstbewusste Auftreten auf, es entsprach nicht dem Bild einer Frau, das die Nazis wünschten. Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung wurde sie denunziert und musste ihr Amt im Jahr 1935 aufgeben. Sie zog mit ihrem Mann nach Berlin, überlebte den Krieg und wurde Bürgermeisterin der Kleinstadt Hainichen und als Leiterin des Schlossmuseums Rudolstadt und kommissarische Leiterin des Goethe- und Schillerarchivs in Weimar rehabilitiert. 1950 flüchtete sie aus der DDR.

Es gibt von ihr ein weiteres Münter-Porträt, das seit Juni 2018 zur Abteilung zur Klassischen Moderne im Prinzenpalais des Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg als Dauerleihgabe der Münchner Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung gehört.

Den Zuschlag für das andere Porträt erhielt Stamm übrigens nicht. Ein unbekannter Bieter bekam es für 85 000 Euro. Nun hofft Stamm, dass wie beim Wassertemperablatt „Amaryllis“ von Christian Rohlfs, das 1937 in Oldenburg als „entartet“ beschlagnahmt worden war, das Bild über Umwege nach Oldenburg gelangt. „Amaryllis“ tauchte 2011 bei dem Auktionshaus „Ketterer“ auf und wurde dort einem unbekannten Bieter zugeschlagen. Die NWZ berichtete. Auf diesen Artikel stieß laut Stamm einige Jahre später der in Belgien lebende Käufer, der dadurch erst erfuhr, dass das Bild aus der Oldenburger Sammlung stammte und es daraufhin – ohne Preissteigerung etc. – zum Erwerb anbot. Der wurde dann durch etliche Zuwender (EWE-Stiftung, Eigenmittel, MWK, Waldemar Koch Stiftung, Hermann Reemtsma Stiftung) ermöglicht.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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