• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Elsflether Werft kurz vor Insolvenz
+++ Eilmeldung +++

Folge Der Gorch-Fock-Krise
Elsflether Werft kurz vor Insolvenz

NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Ein erlesenes Jubiläum

24.11.2018

Oldenburg Noch ’ne Treppe und ’ne dritte. Dann waren die Literaten ganz oben angekommen. Fast. Im Dachgeschoss über der Artothek, in einem Raum voller Schrägen haben etliche unbekannte Schriftsteller aus ihren Erstlingswerken gelesen. Kurze Zeit später sind sie groß geworden. Aber sie waren nicht die einzigen, die über sich hinausgewachsen sind.

Heimat gefunden

Das Oldenburger Literaturbüro wird dieses Jahr 25. In diesem Vierteljahrhundert ist die Einrichtung zur Literaturförderung und -vermittlung zu einem festen Bestandteil der städtischen Kulturlandschaft geworden. Gegründet wurde das Projekt durch Unterstützung des Kulturministeriums nach Vorbild nordreinwestfälischer Modelle. So erlesen, wie das Literaturbüro heute ist, war es nicht immer.

Zwölf Jahre ist Monika Eden mit vielen Ideen und neuen Projekten umhervagabundiert. Ins PFL, die Exerzierhalle, die letzte Etage über der Kinderbibliothek und die Artothek, in alle Winkel der Stadt hat die Leiterin des Literaturbüros gefeierte und neuentdeckte Schriftsteller eingeladen. Seit acht Jahren hat ihre Leidenschaft eine Heimat. Im Wilhelm 13 öffnet sie regelmäßig Türen für Schreiber und literaturinteressierte Menschen. „Angefangen hat alles mit einer Projektleitung nach der Uni“, sagt Monika Eden, die Germanistik und Kunst studiert hat.

Sie erinnert sich an ihre damalige Idee, parallel zur Lesung einer jungen Schriftstellerin Werke eines Berliner Künstlers auszustellen. Beinahe habe sie sich da mit ihrem Feuereifer übernommen. Aber man bot ihr die Vertretungsstelle ihrer schwangeren Vorgängerin an, die das Literaturbüro seit der Gründung 1993 geleitet hatte an. Als die dann noch ein Kind bekam, wurden aus ein paar Monaten ein paar Jahre. Inzwischen sind es 20.

Zum Feiern bleibt der Programmverantwortlichen, Fördermittelakquisiteurin und Pressesprecherin eigentlich keine Zeit. Dennoch ist 2018 ein festliches Jahr. Zum Jubiläum ist gerade ein Band aus der Veranstaltungsreihe „Konstellationen“ erschienen, bei dem Schriftsteller der Gegenwartsliteratur mit Wissenschaftlern verschiedener Bereiche ins Gespräch kommen. An diesem Sonntag sind Kulturminister Björn Thümler, Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und andere prominente Gäste zu einem internen Festakt eingeladen. Monika Eden begrüßt ihr weniger berühmtes Publikum, von denen die meisten Stammgäste sind, seit Anfang des Jahres zu Lesungen der Reihe Konstellationen mit Sekt.

Bekannte Namen

Inzwischen hat sich die 50-Jährige einen Namen gemacht. Den wollte sie bei ihrer Heirat vor neun Jahren auch nicht ablegen. Als sie vor vielen Jahren in der Innenstadt von einer fremden Dame mit „Frau Eden, mir hat der gestrige Abend toll gefallen“ angesprochen wurde, wusste sie, dass sie mit ihrem Programm angekommen ist, sagt sie. Auch das Klinkenputzen bei den Verlagen ist längst Geschichte: Schriftsteller kommen gerne nach Oldenburg. Mit einigen, die Monika Eden entdeckt und als Stipendiaten begleitet hat, ist sie bis heute im Kontakt. Die Berliner Literaturpreisträgerin Marion Poschmann schickt ihr während ihrer Lesereisen regelmäßig Bilder von komischen Plastikblumen in Hotelzimmern.

Rund 900 Autoren hat Monika Eden in ihrer Funktion als Moderatorin schon ankündigen dürfen. John von Düffel ist einer von vielen einstigen Nachwuchstalenten, die im Literaturbüro aus ihrem Debütroman gelesen haben. „Ich habe da einen ganz guten Riecher“, sagt die Leiterin. Den steckt die 50-Jährige aber auch pausenlos in Leseexemplare. Kistenweise Bücher stapeln sich in ihrem Büro und im heimischen Wohnzimmer. „Der Fernseher ist meistens aus“, gibt sie zu. Ein Buch zweimal zu lesen, das sei für sie Luxus pur. Natürlich unterscheide sie zwischen beruflichen und lustorientiertem Lesen. Beides tut sie jedoch mit Leidenschaft.

Zur Netzwerkpflege und Neuerscheinungssuche reist Monika Eden Jahr für Jahr auf die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. Wenn sie nicht gerade liest, an Anträgen für Projektgelder schreibt oder Programmhefte konzipiert, tüftelt sie an neuen Konzepten. „Das Literaturbüro soll attraktiv und spannend bleiben“, sagt sie, „ich gucke immer, wie sich die Gesellschaft verändert. Bei allem Bewährten und Gutem schaue ich auch immer weiter.“

Virtuell und virtuos

Auf die zunehmende Digitalisierung hat die Oldenburgerin statt mit einer banalen Homepage mit dem Format eines Virtuellen Stadtschreibers reagiert. Auch, wenn das Blogbuch Oldenburg derzeit auf Eis liegt, brennen Monika Eden neue Ideen unter den Nägeln – sicher einer der Gründe, weshalb das Publikum entgegen aller Trends gewachsen ist. „Dass weniger Leute lesen, ist Quatsch. Wer zu uns kommt, nimmt das Buch nicht zum Einschlafen mit ins Bett, sondern als Anregung“, sagt Monika Eden.

Für die 50-Jährige gibt es nur eine schlimmstmögliche Vorstellung: „Irgendwann pensioniert zu werden und das hier nicht mehr machen zu können.“ Zumindest eignet sich ihr Beruf, ihre Berufung, ja auch bis ins hohe Alter. Noch ’ne Treppe und ’ne dritte muss Monika Eden nicht mehr steigen. Und ganz oben angekommen ist die Aussicht bestens.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2106
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.