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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Auf ein Gläschen mit Lessing

19.07.2018

Oldenburg „Kennen sie Goethe?“, fragt Gotthold Ephraim Lessing und fuchtelt mit einer Flasche Sekt herum, „diesen jungen, aufstrebenden Autor. Der könnte was werden!“ Lessing ist an diesem Abend Gastgeber im Schlossgarten; er begrüßt Besucher persönlich, schenkt Sekt aus, stößt an: „Auf die Literatur!“ Der Park ist seine Bibliothek – und die ist voll mit „Großen Literaten“. „Ist das nicht wunderbar?“, fragt Lessing.

Nach einem Jahr Pause kehrt der Theaterspaziergang im Rahmen des Kultursommers zurück. An sechs Stationen entführen die Schauspieler des Theater k in die Welt der Poesie. Start ist an diesem Donnerstag. Zu den einzelnen Vorstellungen werden teilweise 200 Besucher erwartet, die in einzelnen Gruppen durch den Park schlendern.

Molière ist empört

Die kleinen Stücke sind mal witzig, mal gruselig und immer lehrreich. Denn auf dem Weg durch den Schlossgarten führen Scouts in abenteuerlichen Uniformen die Besucher nicht nur von Minidrama zu Minidrama, sondern auch in die Welt der Literatur – mit kleinen Anekdoten zu Goethe, Cervantes und Molière.

„Heute“, sagt Bernt Wach, Geschäftsführer der Kulturetage und einer der Regisseure des Theaterspaziergangs, „weiß eben nicht mehr jeder, wer Molière ist.“ Molière, der nur wenige Meter von Wach entfernt steht, ist empört. Der französische Schauspieler, Theaterdirektor und Dramatiker probt im Rosengarten zusammen mit zwei jungen Schauspielern. Molière schimpft, gestikuliert, improvisiert und telefoniert, er spricht mit dem Publikum und lässt Zuschauer mitspielen – ein echter Exzentriker. Das Intermezzo im Rosengarten endet mit einem Nervenzusammenbruch und einem Abgang. Und zwar dem des Publikums.

Einige verschlungene Wege weiter erwartet die Zuschauer ein kleines Filmset, an dem die finale Szene aus Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ gedreht wird. Das kleine Drama nimmt langsam Fahrt auf, dann aber richtig. Das liegt vor allem an einem Tontechniker mit schwachen Armen, einem Kameramann mit Starallüren („Das wäre bei Ingmar Bergman nicht passiert!“) und einem aufdringlichen Regisseur: #metoo lässt grüßen – und Lessing. Denn nun geht es zu seinem „jungen, aufstrebenden Autor“.

Dabei trifft man im Schlossgarten eher einen gealterten und nervösen Goethe. Und der Dichterfürst ist nicht allein: Eine schrullige Version von Bettine von Arnim leistet ihm Gesellschaft. Eine reichlich merkwürdige Beziehung entsteht, in der von Arnim den zitternden Goethe mit Fürst-Pückler-Eis füttert und Klatsch aus Weimar vorliest.

Im Bauhof hat Kublai Khan seine Jurte aufgeschlagen. In der begrüßt er nicht nur das Publikum, sondern auch Marco Polo, der von seinen Reisen berichtet. Das ist zwar weit weniger witzig als Goethe, Molière und Austen, dafür aber atmosphärisch beeindruckend.

Am Ende wird gesungen

Und auch bei Mary Shelley stimmt die Atmosphäre, denn zur Autorin und ihren Geschöpfen – Dr. Frankenstein und seinem Monster – geht es durch den inzwischen dunklen Schlossgarten. Fackeln, Grabkerzen, Kreuze und eine herausragende Schauspielleistung von Franziska Vondrlik erwarten die Zuschauer. Man würde sich nicht wundern, wenn Frankensteins Monster plötzlich aus dem dunklen Unterholz wankte.

Weit gemütlicher geht es anschließend im Küchengarten zu. Dort wartet Cervantes’ Don Quijote mit stilechter spanischer Musik. Zum Abschluss geht es zurück zu Lessing und zu seiner Ringparabel aus „Nathan der Weise“. Am Ende singt das ganze Ensemble – Applaus, Abgang Publikum. Ja Lessing, das ist wunderbar.

Robert Otto-Moog
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2111

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