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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Der Wind hat sich gedreht

13.07.2019

Oldenburg Wer unvergesslich bleiben will, muss vieles bedenken. Statik, Witterung, Symbolik, Machbarkeit, Ästhetik, Zeitgeist.

Im Sommer 1979 hat keiner an Klimawandel und alternative Energien gedacht. Volker Kuhnert schon. Drei Jahre hat der Oldenburger Künstler und Pädagoge getüftelt, gesucht, geschraubt. Premiere feierte das Resultat als Kunstobjekt, eine drei Meter hohe Rotor-Plastik im Rahmen einer Kultursommer-Ausstellung im Schlossgarten. Die Konstruktion aus einem hundert Jahre alten Benzinmotor, einem Erdölbohrer aus der Nordsee und bei VW bestellten Käfer-Kotflügeln begeisterte die Oldenburger Kulturszene derart, dass „Windwärts“ von der Stadt aufgekauft und vor dem Huntebad auf einen Sockel gestellt wurde.

Seither ist viel passiert. Regenschauer, Sturm, jugendliche Vandale haben an der Plastik genagt. Kulturdezernent Ekkehard Seeber, der das Kunstobjekt vor vier Jahrzehnten mit Windbeuteln und Kaffee eingeweiht hat, ist schon lange außer Dienst. Volker Kuhnert, der inzwischen 75 ist und vom „Nebenberuf Lehrer“ pensioniert ist, restauriert sein wohl berühmtestes Freiluftwerk fortlaufend. Anfang der 80er hat er ihm einen neuen Anstrich verpasst. Und seit das Olantis das banale Vorgängerbad abgelöst hat, vertreibt eine Überwachungskamera ambitionierte Graffitikünstler.

Wenn der vierfache Vater einen Abstecher aus dem Atelier im Ziegelhofviertel an den Schlossgarten macht, kommt es vor, dass ihn Oldenburger ansprechen. Gerne erzählt er von der Entstehung „Windwärts“ – dem Höllenlärm auf dem Schrottplatz, wo er zwischen Schrottpressen nach passenden Teilen für sein Objekt gesucht hat, seinen ersten Versuchen, ob sich die Räder drehen, im heimischen Garten und der Vision, dass irgendwann Windkraft Erdöl und Atomenergie ablösen könnten. „Ich war meiner Zeit voraus“, behauptet der Künstler. Wer ein bisschen mehr Zeit hat, bekommt auch von den wilden Phasen, den Projekten mit der Künstlergruppe „Kranich“ zu hören, der Installation auf dem Schlossplatz – eine Fahrradpyramide, die am Folgetag geplündert war.

Stünde er nicht leidenschaftlich gerne im eigenen Atelier, würde Volker Kuhnert vermutlich ein Buch schreiben. 200 Seiten füllen könnte er mit seinen Erinnerungen locker. Da war die Schau in den USA, eine viertel Zeitungsseite in der „Washington Post“ über seine „Perforation Art“, die vielen Ausstellungen in Oldenburger Museen und bundesweiten Häusern, da sind seine Plastiken und Skulpturen, die Grafiken und Bilder, Crossover-Objekte und Kollagen.

So unterschiedlich sie auch sind, vereint die Werke Volker Kuhnerts die Philosophie von der „Mehrschichtigkeit der Welt“. Immer wieder bricht er die Oberfläche auf, setzt alte, verarbeitete Schrottteile in Gemälde, ergründet malerisch neue Horizonte, erschafft Traumwelten und neue Perspektiven. Löcher finden sich in seinen farbigen Himmeln ebenso wie in den Rädern der Rotor-Plastik.

„Windwärts war ein irres Projekt“, sagt der 75-Jährige. Ob er heute noch verrückt genug für so eine Arbeit wäre? „Das schon. Aber es war einmalig“, sagt einer, der es geschafft hat, sich ein Denkmal zu bauen, etwas Unvergessliches zu schaffen und dabei alles bedacht hat.
 „40 Jahre Windwärts“ feiert Volker Kuhnert in seiner Galerie Art Forum an der Katharinenstraße 4 mit einer Ausstellung. Bis zum 30. August ist ein Querschnitt seiner Werke zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch, Donnerstag, Freitag 17 bis 20 Uhr und Sonntag zwischen 11 und 14 Uhr.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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