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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Endlich kommt der Palma von der Rolle

16.03.2019

Oldenburg „Opere perdute“, verlorene Werke – unter dieser Überschrift wird noch im Werkverzeichnis der 1980er Jahre ein großes und großartiges Gemälde von Palma il Giovane (1548–1628) geführt. Tatsächlich befindet sich die „Fürbitte der Heiligen“ seit Ende des 19. Jahrhunderts in Oldenburg. „Verloren“ war es bis vor Kurzem dennoch: Rund 100 Jahre lang lagerte die 2,3 mal 6,6 Meter große Leinwand aufgerollt im Gemäldearchiv, nahezu vergessen beziehungsweise jahrzehntelang ignoriert. Kein Platz zum Aufhängen und schon gar kein Geld für die Restaurierung.

Stiftungen gefunden

„Den Zustand will ich ändern“, hatte sich die Kunsthistorikerin Dr. Anna Heinze schon vor zweieinhalb Jahren an einem ihrer ersten Arbeitstage vorgenommen, als sie den aufgerollten Palma in der Restaurierungswerkstatt des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte erblickt hatte. Der ehemalige Restaurator Thomas Marschall hatte 2008 zumindest schon mal damit anfangen können, an kleinen Abschnitten des Gemäldes den Firnis abzunehmen.

Aber nun wird es ernst für den Palma. Dieses bedeutendste Barockgemälde, das sich im Oldenburger Land finden lässt, kommt definitiv von der Rolle und wird in mehreren Schritten restauriert, kunsthistorisch untersucht und schließlich präsentiert – im Silbersaal des Schlosses wäre genug Platz, um ihn angemessen im historischen Ambiente aufzuhängen. Inzwischen wurde ein Restauratorenteam ausgewählt, das noch in diesem Monat seine Arbeit aufnehmen soll. Das werde sehr aufwendig, sagt Anna Heinze und rechnet damit, dass die Restaurierung mindestens ein Jahr dauern wird.

Finanziert wird das Ganze für einen mittleren fünfstelligen Betrag vom Bündnis „Kunst auf Lager“. Es war bis vor Kurzem ein Zusammenschluss verschiedener namhafter Stiftungen, die sich für die Erschließung und Sicherung von Museumsdepots eingesetzt hat. Im Falle des Palmas waren es die Reemtsma-, die Siemens- und die Kulturstiftung der Länder.

Für eine hohe Summe erworben hatte das Gemälde Großherzog Nikolaus Friedrich Peter (1827–1900), ein großer Kunstkenner und Freund der italienischen Malerei. Eigentlich handelt es sich um zwei Gemälde, die Palma im Auftrag des Bischofs von Brescia für die später abgerissene Rosenkranzkapelle der Kirche S. Domenico schuf.

Datiert wird das Barockgemälde in die letzte Schaffensperiode des produktiven Künstlers, ein Nachfolger Tizians und Tintorettos, der in Venedig und Rom lebte. Erhalten ist nur der obere Teil des eindrucksvollen Bildes, der untere zeigte die armen Seelen im Fegefeuer, denen die Fürbitte der Heiligen gilt: 25 an der Zahl, in der Mitte Jesus Christus.

In der Restaurierungswerkstatt sind einige der Figuren am rechten Rand des Bildes zu sehen. Denn die hölzerne Konstruktion mit den beiden großen Trommeln, zwischen denen das Gemälde aufgerollt ist, gibt einen kleinen Abschnitt frei. Fast lebensgroß sind die Heiligen, von erstaunlicher Farbenpracht und barocker Üppigkeit. Über ihren Köpfen türmen sich Wolkenberge, an den Rändern verrät die gräuliche, faserige Leinwand das Alter. Da kleine Teile des Firnis an diesem Abschnitt bereits abgenommen wurden, ist zu erahnen, welches Prunkstück sich da verbirgt.

Die einzelnen Arbeitsschritte für die Restauratoren liegen fest: Die Malschicht muss konsolidiert werden und die Oberfläche gereinigt. Besonders aufwendig ist die Firnisabnahme. Knapp 15 Quadratmeter müssen mit Aceton und einem Wattestäbchen von der Größe eines Q-Tipps bearbeitet werden. Schließlich ist die alte Doublierung der Leinwand zu bearbeiten, sind Fehlstellen zu kitten und zu retuschieren.

Letzter Akt

An der spannenden „Freilegung“ des Palmas möchte die 37-jährige Kunsthistorikerin auch die Öffentlichkeit teilhaben lassen. So wird überlegt, ob zu bestimmten Terminen Besuchergruppen eingeladen werden können, um Arbeitsschritte und Ergebnisse der Restaurierung zu präsentieren.

Der letzte Akt wird wohl auch der abenteuerlichste: Das Gemälde muss – noch aufgerollt – ins zweite Obergeschoss des Schlosses bugsiert werden. Denn erst an seinem endgültigen Platz im Silbersaal wird die Leinwand entrollt, um sie auf einen Keilrahmen spannen und die Retuschen vornehmen zu können. Der Weg dorthin allerdings ist holprig und noch nicht abschließend entschieden, denn wegen ihrer Größe und Sperrigkeit passt die Rolle in keinen der beiden Fahrstühle. Letzter Ausweg wäre per Kran durchs Fenster. Oder vielleicht doch durch das Treppenhaus?

So müssen die Heiligen, die Jahrzehnte im Dunkel des Depots ungestört verschlafen haben, am Ende womöglich auch noch Treppen steigen.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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