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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Oldenburger nehmen sich ein Herz und machen mächtig Druck

20.08.2018

Oldenburg Zwischendurch war richtig der Bär los. Nämlich dann, wenn auf dem Schlossplatz gut 50 Menschen unter Leitung von Klinikum-Mitarbeitern in die Knie gingen und alle gleichzeitig den Dummies „Druck machten“.

Nach dem passenden Titel „Staying alive“ (Bleib am Leben) von den Bee Gees (1977) schwangen sich rhythmisch Alt und Jung über die leblosen Plastikkörper, um das Blut im Ernstfall in Fluss halten zu können. „Sie werden das Herz durch eine Druckmassage nicht in Bewegung setzen, dazu benötigt es Medikamente“, sagte Kathleen Hirsch, Ausbildungsbeauftragte beim Roten Kreuz. „Wichtig ist, dass das Gehirn mit Blut versorgt wird, und dazu wendet man die Herz-Druck-Massage an.“

Musik unterstützt

Und alles passierte unter Mitwirkung des bekannten Oldenburger Gesangs-Duos Judith und Mel. Nachdem die beiden einige ihrer bekannten Songs von der Bühne zum Besten gegeben hatten, stiegen sie hinab, um sich mit den vielen Gästen in der Herz-Druck-Massage zu üben.

Polizei steht Kopf

Bei der Polizei stand alles „auf dem Kopf“. In einem Pkw, der sich um 360 Grad drehen ließ, konnte geübt werden, wie man sich aus einem Wagen befreit, wenn der im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Kopf steht.

Bevor Kathleen Schwab mit ihrer Tochter Alexia (8) einstieg, gab es von Klaus Blaser und Hermann Nee wertvolle Tipps: Der Gurt sollte fest am Körper liegen. Wenn der Wagen auf dem Kopf steht, sollte man sich vor dem Abschnallen in den Sitz drücken, in dem man die Füße gegen die Windschutzscheibe presst. Kathleen Schwab konnte sich mühelos befreien und musste jetzt noch die Tochter auf dem Rücksitz erlösen. Das gelang ihr wunderbar. „Mama war gut“, berichtete Alexia stolz.

Auch Andreas Ahlden vom Kinderclub der NWZ saß mit Mats (7) im Polizeiwagen. „Man kämpft doch ein bisschen mit der Panik“, gab er zu. Aber Mats fand es gut. Ahlden hatte einige NWZ-Kinderclub-Kinder vom NWZ-Medienhaus in der Peterstraße in einem historischen Mannschaftswagen der Feuerwehr durch die Stadt zum Schlossplatz kutschiert.

Herz-Druck-Massage

Peter Haardt informierte sich auf dem Stand der Johanniter. Er war früher Rettungsschwimmer und meinte, dass sich in der Technik der Herz-Druck-Massage nicht viel geändert habe. „Vieles ist aber wesentlich einfacher geworden. Wichtig ist, dass man weiß, was man tun kann“, so der Postzusteller. Sonja Stolle von der Johanniter Akademie stellte fest, dass beim „Oldenburg-rettet-Leben- Tag“ vor zwei Jahren die Besucher fragten: „Was ist das?“, wenn sie einen Defibrillator sahen. Heute lautet die Frage: „Wie funktioniert ein Defibrillator?“, so die Diplom-Pädagogin. „Die Besucher sind sehr an der Funktionsweise des Automatisierten Externen Defibrillatoren interessiert“, so Stolle. Kathleen Hirsch, Ausbildungsbeauftragte beim Roten Kreuz: „Häufig haben die Menschen Angst, etwas falsch zu machen. Kinder gehen anders an die Sache ran“, sagte Birger Holz, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbandes des Roten Kreuzes.

Lebensrettend: Drücken Sie, bis Hilfe eintrifft BILD: dpa

Die wichtigsten Tipps zur Reanimation im Überblick

Nur drei Worte: Prüfen – Rufen - Drücken. Mit dieser Kurzanleitung zur Wiederbelebung könnten schon viele Patienten gerettet, ihre Überlebenschancen aber zumindest gesteigert werden. Und so geht es:
 1. Prüfen: Sprechen Sie den Patienten an, schütteln Sie seine Schultern. Zeigt er keine Reaktion? Keine oder keine normale Atmung? Dann sollten Sie
 2. Rufen: Wählen Sie die Telefonnummer 112 und verständigen Sie die professionellen Retter oder veranlassen Sie eine andere Person zum Notruf. In der Zwischenzeit können Sie selbst schon
 3. Drücken: Machen Sie dazu den Brustkorb des Patienten frei, legen Sie den Ballen Ihrer Hand auf die Mitte der Brust, den Ballen Ihrer anderen Hand darüber. Verschränken Sie die Finger. Halten Sie die Arme gerade und gehen Sie senkrecht mit den Schultern über den Druckpunkt. Drücken Sie dazu das Brustbein 5 bis 6 cm nach unten, 100 bis 120 mal pro Minute – und hören Sie nicht auf, bis Hilfe eintrifft.

Wenn Sie bereits in der Mund-zu-Mund-Beatmung ausgebildet sind, wenden Sie dieses Verfahren zusätzlich zur Herzdruckmassage im Verhältnis 30 Herzdruckmassagen zu 2 Beatmungen an. Wenn Sie sich dies nicht zutrauen, konzentrieren Sie sich auf die Herzdruckmassage. Damit ist schon viel gewonnen!

Ganz wichtig: Sie können nichts falsch machen! Sie können und dürfen Herzdruckmassage durchführen und einen AED („automatisierter externer Defibrillator“) anwenden – auch wenn Sie dies nie oder lange nicht mehr geübt haben, es könnte lebensentscheidend sein. Einen Fehler macht nur, wer gar nichts macht. Also: Trauen Sie sich, werden Sie auch zu einem Lebensretter!

Jede Menge Videos zur Ersten Hilfe finden Sie in unserem NWZ-Online-Portal unter der Adresse

oldenburg-rettet-leben.de

nwzonline.de/erste-hilfe

Rettungsfahrzeug

Brandmeister Florian Ehm von der Berufsfeuerwehr Oldenburg erläuterte den Gästen die Ausstattung eines Rettungswagens. Neben einer umfangreichen technischen Ausstattung seien immer ein Notfallsanitäter und ein Rettungssanitäter an Bord, beruhigte er eine Dame. „Ein Beatmungsgerät, ein EKG-Gerät und ein Absauggerät für Speichel oder Blut sind immer dabei“, so Ehm.

Beim Schulwettbewerb des Klinikums Oldenburg ging es heiß her. Isabell Wellner und Lisa Gößling konnten den Andrang nur mit großer Mühe bewältigen.

Die Schülerinnen und Schüler mussten ein Bobbycar-Rennen bewältigen – allen voran Louis (6), Oskar (6) und Nele (9) – und einen Wasserlauf. Bei Letzterem pressen zwei Körper einen Luftballon zwischen sich und müssen gleichzeitig je ein Glas Wasser transportieren, ohne einen Tropfen zu verschütten. Gefühl war gefragt, wenn in einer „Blackbox“ medizinische Geräte ertastet werden mussten.

Ausblick von oben

Die Malteser waren dabei; die Feuerwehr hob die Besucher mit einem 40-Tonnen-Kran in einer Gondel meterhoch über Oldenburg.

Moderatorin Kerstin Michaelis interviewte NWZ-Chefredakteur Lars Reckermann, Experten, Betroffene und Überlebende von Notfällen auf der Bühne. In den Themen-Pavillons gab es Herzchecks, Trainings mit dem Defibrillator und der Notfall-App. Rolf Exner hatte mit seinen Mitstreitern 475 Brötchen mit Leberkäse belegt und servierte dazu knackigen Krautsalat. „Für Suppenfreunde, haben wir eine leckere Tomatensuppe gekocht“, bot er an. Insgesamt herrschte eine tolle Stimmung, und die Veranstalter und Teilnehmer zeigten sich sehr zufrieden.

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