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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Das kann Oldenburg von Leeuwarden lernen

18.08.2018

Oldenburg /Leeuwarden Die Gänge sind verwaist. Die Zellentüren stehen offen. Wer das alte Oldenburger Gefängnis besucht, bekommt einen Eindruck, wie es hier ausgesehen haben könnte. Seit dem Jahr 2013 ist die alte Haftanstalt geschlossen. Doch hinein kommt man so einfach nicht. Im Mai dieses Jahres konnte die NWZ noch einmal hinter die hohen Mauern blicken. Normale Besucher sind dort aber nicht zugelassen. In einigen Bereichen lagern inzwischen Akten des Oberlandesgerichtes. Das war’s. Besitzer ist das Land.

Keine 200 Kilometer weiter westlich steht auch ein altes Gefängnis. In Leeuwarden, eine halbe Stunde hinter Groningen. Der alte Knast dort ist rappelvoll mit Menschen. Touristen fotografieren, shoppen oder sitzen beim Kaffee. Einheimische arbeiten dort, leihen Bücher aus oder sitzen beim Kaffee.

Die Gefängnisse könnten Geschwister sein. Roter Backstein bei uns, gelber in den Niederlanden. Hohe Mauern, vergitterte Fenster und Innenhöfe. Und beide stehen unter Denkmalschutz.

In den Niederlanden geht man damit aber anders um. Vor vier Jahren hat das Unternehmen Boei den Knast unter seine Fittiche genommen. Boei ist eine Art gemeinnützige GmbH. 90 historische Gebäude in den Niederlanden hat das 1995 gegründete Unternehmen in seinem Portofolio.

Eines der ganz großen Projekte ist der Knast. „Vor zweieinhalb Jahren sind wir mit dem Umbau gestartet“, sagt Boei-Direktor Arno Boon. Inzwischen hat sein Knast 200 Mieter.

Eines der größten Projekte im Gefängnis ist das „Alibi-Hostel“. Zwei obere Etagen eines Zellenblocks wurden in ein Hotel umgebaut. Die Besucher können dort in umgebauten Zellen nächtigen. Es gibt – eher karge – Luxuszellen für zwei Personen, aber man kann auch Betten in Gemeinschaftszellen mieten.

kommentar

Knast-Idee klauen

Wer klaut, landet im Knast. In diesem Fall wäre ein Ideen-Diebstahl aber nicht nur straffrei, sondern ein großer Gewinn für Oldenburg.

Was die Holländer aus einen ehemaligen Gefängnis gemacht haben, begeistert Besucher und Bevölkerung. Und in weiten Teilen könnte man das Konzept sicher übernehmen bzw. auf die Oldenburger Verhältnisse anpassen. Unsere JVA ist nämlich etwas kleiner.

Da man sich ohnehin mit Groningen in einem engen Austausch befindet, sollte die Stadtspitze beim nächsten Besuch einfach noch ein paar Kilometer weiter fahren. Und dann muss man an einem vernünftigen Konzept arbeiten. Nein, keine Luxuswohnungen in bester City-Lage sollten bei uns entstehen, sondern ein Ort der Begegnung. Zum Arbeiten, zum Feiern, zum Entdecken. Auch ein uriges Zellen-Hotel würde sich bei uns ebenfalls gut machen.

Also. Ärmel hoch, und das Projekt angehen. Für die Gerichtsakten wird sich bestimmt ein besserer Ort finden als dieses Filetstück mitten in der Stadt.

Den Autor erreichen Sie unter

Das Konzept kommt an. Wer ein Zimmer in dem Hostel buchen will, muss dies frühzeitig tun.

Die große Masse der Mieter sind allerdings kleine Start-ups. „Die haben sich eine Zelle als Büro oder Geschäft gemietet“, sagt Boon. Friseure, Handwerkskunst, Mode oder Tattoo-Studios residieren neben Web-Designern, Architekten oder Werbern. Eine bunte Mischung. Sogar ein Platten-Label gibt es, das trendige Vinyl-Platten produziert.

Ein anderer Groß-Mieter ist die Stadtbibliothek. Sie ist im Nachbarzellenblock untergebracht. Und das Gebäude hat Boei zum Teil mit einer modernen Glasfassade umgebaut. Gab das keine Probleme mit dem Denkmalschutz? Boon verneint. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum Denkmalschutz. Wir haben auch schon etliche Preise gewonnen. Man erkennt unsere Arbeit an und vertraut uns“, sagt er. Deshalb darf er wohl auch mal etwas wagen.

Denkmalschutz bedeutet für ihn auch eine Weiterentwicklung von Gebäuden. „Es geht nicht nur um die Steine, sondern auch die Geschichte, die Nachbarn und die Zukunft“, sagt er. „Ein Monument ist ein Buch, wir schlagen ein neues Kapitel auf.“

17 000 Quadratmeter hat der Komplex. 25 Millionen Euro hat Boei in den Umbau investiert. Anders als bei uns wollte kein Landesministerium oder eine Bima Geld mit dem alten Monument verdienen. Im Gegenteil. Die Investoren bekamen 20 Millionen Euro an Fördergeldern aus verschiedenen Töpfen von Staat und Kommune.

Auch deshalb wird hier nicht mit großen Renditeerwartungen vermietet. Ich-AGs und Start-ups bekommen ihre Zellen zu eher niedrigen Mietpreisen. Auch Bands können dort in Übungsräumen proben. Zudem gibt es verschiedene Gastronomiebetriebe.

„Früher war das Gefängnis eine geschlossene Einrichtung. Heute ist es ein Teil der Stadt. Es ist offen für alle Menschen“, sagt Boon.

Leeuwarden ist in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt. Die Knast ist der heimliche Star für viele Besucher, auch wenn er unabhängig von der Bewerbung umgebaut wurde.

Zurück vom niederländischen Besuchermagneten in Oldenburg: Still liegt der Knast da im Gerichtsviertel. Ob hier vielleicht irgendwann auch einmal wieder richtiges Leben einziehen wird?

Oldenburg uns sein (alter) Knast

Von 1858 bis 2013 wurden Straftäter im Gefängnis an der Gerichtsstraße 1 untergebracht. Zuvor gab es das Gefangenenhaus an der Ecke Waffenplatz/Neue Straße. Das war aber bereits Anfang der 1850er Jahre völlig überfüllt. Also entstand binnen zwei Jahren das Folge-Gefängnis nach den Plänen des Architekten Heinrich Strack (er entwarf auch das PFL/1838-1841).

Der neue Standort galt wegen seiner Nähe zur Stadt und zu den Gerichten, aber auch zum Fluss (Thema Wasserversorgung) als vorteilhaft. Der Backsteinbau wurde dreigeschossig und in T-Form angelegt.

67 Zellen standen anfangs zur Verfügung, ganze 26 Häftlinge wurden am 1. Dezember 1858 gezählt. Später musste das Gebäude mehrfach und bis zur heute bekannten Ausdehnung erweitert werden.

Im März 2013 wurde die ehemalige Justizvollzugsabteilung geschlossen. Die neue JVA wurde bereits im Jahr 2001 in Kreyenbrück in Betrieb genommen.

Leeuwarden und sein Gefängnis

Von 1870 bis 1877 wurde der Backsteinbau errichtet. Bis zu 700 Schwerverbrecher waren hier in 180 Zellen inhaftiert. 2007 wurde die Anstalt geschlossen

2014 übernahm das Unternehmen Boei das denkmalgeschützte Gebäude, das als „Blockhuispoort“ bezeichnet wird.

In zweieinhalb Jahren wurde es für 25 Millionen Euro umgebaut. Auf 17 000 Quadratmetern Fläche haben neben einem Hotel und gastronomischen Betrieben rund 200 kleine Gewerbebetriebe Zellen und andere Räume gemietet.

Für Besucher gibt es regelmäßig Führungen von einem ehemaligen Wachmann.

Leeuwarden ist die Hauptstadt von Friesland und 190 Kilometer von Oldenburg entfernt. Nach Groningen sind es 60 Kilometer. Die Stadt hat 100 000 Einwohner und ist derzeit europäische Kulturhauptstadt. Bekannteste Tochter der Grachten-Stadt ist die sagenumwobene Spionin Mata Hari.

Jasper Rittner
Redaktionsleitung
Redaktion Westerstede/Oldenburg
Tel:
04488 9988 2601
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