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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Gesang erreicht Köpfe und Herzen

12.02.2018

Oldenburg Es ist doch sonnenklar: Die Beatles waren die schlechtesten Musiker der Welt. Das sagte vor kurzem einer, der es wissen muss und wohl über jeden Zweifel erhaben ist. Schließlich ist Quincy Jones Produzent der Michael-Jackson-Alben „Thriller“ und „Bad“. Nun, dann war wohl alles ein Riesenmissverständnis mit „Yesterday“, „Let it be“ und „Hey Jude“; mit den Melodien, die generationen- übergreifend in Ohren und Köpfe der Menschen weltweit eingezogen sind. Möglicherweise war auch „The Beatles Close-Up“ der „Brünettes“ am Samstagabend in der mit 480 Besuchern ausverkauften Kulturetage nur ein Versehen und der tosende Applaus wohl gar nicht wahr.

Mit einem Traum hat allerdings die Entwicklung des A-Cappella-Quartetts zu tun. Juliette Brousset, Lisa Herbolzheimer, Stephanie Neigel und Julia Pellegrini – alle mit wunderbaren, technisch ausgebildeten Stimmen ausgestattet – hatten sich einiges vorgenommen. In der Höhle der britischen Löwen, den legendären Abbey-Road-Studios in London, griffen sie sich die Kronjuwelen der „Fab Four“ und setzten für ihr aktuelles Album ein paar Stücke nach Inspektion und vorsichtiger Politur neu zusammen, ohne dass sie einen Schaden genommen hätten – weder die Titel noch „Les Brünettes“.

Ohne den Anspruch zu erheben, eine der vielen, meist beliebigen Coverbands zu sein, gestalteten die vier jungen Frauen einen Auftritt zwischen musikalischem Anspruch und unterhaltsamer Wirklichkeit. Dass die Latte extrem hoch gelegt wurde, verdeutlichte die Annäherung an „Imagine“, einen Titel, über den es in dessen Interpretation keine zwei Meinungen gibt: Viele sind berufen, wenige auserwählt. „Les Brünettes“ begegnen Lennons Friedenshymne mit gebührendem Respekt, aber ohne Pathos oder Beliebigkeit eines Supermarkt-Klangteppichs.

Als vollausgebildete Musikerinnen sind die vier Frauen auch in Komposition und Arrangement geschult. Nur deshalb konnte das Vorhaben gelingen, „eigene“ Beatles-Songs zu kreieren. Bei „Mit der Morgensonne“ lies sich Lisa Herbolzheimer vom Ausreißer-Stück „She’s leaving home“ inspirieren; „Monsieur Guido“ ist Juliette Broussets einsamer „Fool on the hill“.

Um den Abend nicht zum Beatles-Quiz „Erkennen Sie die Melodie?“ werden zu lassen, hatten „Les Brünettes“ ihn ideen- und facettenreich inszeniert. Witzige Spielszenen und gelungene Choreografien lassen auf umfangreiche Proben im Vorfeld der Tournee schließen.

Die gebürtige Oldenburgerin Lisa Herbolzheimer, mit Anhang im Publikum („Mein Papa hat das tolle Podest auf der Bühne gebaut“) und Baby im Bauch, genoss sichtlich die Zuneigung ihres Publikums. „Den ersten Auftritt hatten wir im Wilhelm 13 vor 100 Leuten, und den ersten in der Kulturetage vor 150“, sagte die 31-Jährige. „Deshalb macht mich das schon stolz hier mit ,Les Brünettes’ vor vollem Haus zu singen.“

A-Cappella funktioniert derzeit gut, weil Handgemachtes im Trend liegt und mundgemachte Musik Glaubwürdigkeit und Können spiegelt. Nicht jedes Geräusch ist Kunst, manchmal ist sogar weniger mehr. Bei „The Beatles Close-Up“ macht der Ton die Musik.

Oliver Schulz
Redakteur
Politikredaktion
Tel:
0441 9988 2094

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