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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Puppen mit Schlafaugen und Hemden mit Mao-Kragen

21.12.2017

Oldenburg In diesen Tagen machte ein Wunschzettel im Internet die Runde. Darauf war für den Weihnachtsmann ein Link zu einer Produktseite im Netz aufgeschrieben worden, versehen mit dem Hinweis, dieses Geschenk doch bitte zu besorgen – wie bei einem ordinären Bestellvorgang. Zwar war das ganze offenbar ein Scherz, doch zeigt die Verbreitung in der Netzgemeinde dennoch, wie hochgeschätzt handgeschriebene und wunderschön gestaltete Wunschzettel auch im digitalen Zeitalter noch sind.

Das erklärt auch, warum nach einem Aufruf der NWZ, aktuelle oder alte Wünschelisten einzusenden, vor allem Briefe der Vergangenheit den Weg in die Redaktion fanden. Solche Zeugnisse der Kindheit sind liebgewonnene Erinnerungsstücke, die viele Eltern gerne archivieren – natürlich nachdem sie die Wünsche an den Weihnachtsmann weitergegeben haben.

Hinter den alten Wunschzetteln stecken häufig witzige, berührende oder auch mal traurige Geschichten. So ist einer der auf dieser Seite abgedruckten Briefe ein Erinnerungsstück an einen Verstorbenen, ein anderer erinnert an die kargen Nachkriegsjahre, der nächste dokumentierte die Unterschiedlichkeit zweier Geschwister. Eines haben allerdings alle Wunschzettel gemeinsam: Sie kommen von Herzen.

Erinnerungsstück

Ewald Schneidewind schrieb diesen Wunschzettel als Kind. Seine Witwe Christel Schneidewind sandte ihn ein. Ihr Mann ist 1996 verstorben. „Ich habe das Original gerahmt an der Wand hängen als berührende Erinnerung“, schreibt Christel Schneidewind. „Der Wunschzettel entspricht seinem guten, bescheidenen Charakter.“ Die Wünsche aus dem Jahr 1951 unterscheiden sich deutlich von Kindern der heutigen Zeit. Gerade die Hoffnung auf Kleidung liest man heutzutage wohl selten. „Blaue Manchester-Cord-Jacken hat er auch als Erwachsener gern getragen“, berichtet Christel Schneidewind. Ihr Ehemann Ewald war „ein wahrhaftig integerer Mensch, noch immer schmerzlicht vermisst“.

Ganz bescheiden

Jan Harms, heute zehn Jahre alt, diktierte diesen Wunschzettel seiner Mutter Carina Einemann-Harms in den Block, als er vier Jahre alt war. Ein Apfel, ein Zwieback, eine Semmel – „Bis dahin habe ich noch gedacht: ,Wow, was für eine bescheidenes Kind‘“, erinnert sich Jans Mutter. Doch zum Schluss kam dann doch der Wunsch nach einem ziemlich großen Päckchen auf die Liste. Ob Hochbetten überhaupt auf den Schlitten des Weihnachtsmanns passen?

Kätzchen statt Puppe

Karin Foken, die inzwischen in Bad Zwischenahn lebt, schrieb diesen Wunschzettel im Jahr 1949. Das Bild zeigt die heute 75-Jährige im Alter von sechs Jahren bei der Einschulung in Etzhorn. „Mein Vater war gerade aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden und hatte diesen Wunschzettel in einem Schreibtisch aufbewahrt, wo ich ihn nach seinem Tod fand“, schreibt sie. Die gewünschte Puppe habe sie übrigens nie bekommen, wohl aus Geldmangel. Dafür gab es eine Katze, die Karin Fokens Mutter von einem Bauern besorgt hatte. „Dieses Weihnachtsfeste war für mich das schönste meiner Kindheit.“

Wunsch nach Klamotten

Britta Groppe wohnt heute in Oberursel und ist 42 Jahre alt. Die drei Wunschzettel schickte ihre Mutter Ilsedore Happel aus Oldenburg an die Stadtredaktion. Sie entstanden Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Das linke Foto zeit Britta Groppe im Alter von 13 Jahren. Die Wünsche waren sehr von Mode geprägt. So wollte sie vom Weihnachtsmann zum Beispiel „Klamotten“ einer bestimmten Marke, eine Armbanduhr oder Haargel haben.

Mit Schreibmaschine

Johann Strudthoff tippte diese Wunschliste 1968 auf seiner Schreibmaschine, und zwar gleich für sich und seine Schwester Christa Strudthoff (heute: Wichmann), die ihn auch einsandte. Er war damals 14, sie war 17 Jahr alt. „Er spiegelt den Zeitgeist von 1968 wider“, schreibt Christa Wichmann mit Blick auf die Hose in Fischgrätenmuster und das Hemd mit Mao-look-Kragen. „Die Bemerkungen bezüglich des Zahnarztes sind recht unterschiedlich“, ist ihr zudem aufgefallen.

Patrick Buck Redakteur / Redaktion Oldenburg
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