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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Meisterkonzert In Oldenburg: Zuhörer sind vom Zusammenspiel hingerissen

27.01.2020

Oldenburg Allgemein ist es üblich, Streichquintette von einem bestehenden Streichquartett spielen zu lassen, dem sich ein exzellenter Bratscher zugesellt. Zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn-Bartholdy beschlossen fünf renommierte Streicher 2009, ein Streichquintett in fester Besetzung zu gründen. Sie nannten sich Bartholdy-Quintett.

Von Anfang an lag das Augenmerk nicht nur auf der Literatur für klassische Streichquintette, sondern auch auf moderner und zeitgenössischer Musik sowie Streichsextetten. Schon 2010 vergab das Quintett einen Kompositionsauftrag an den jungen Komponisten Robert Krampe. Die Urauführung von „… mein Saitenspiel!“ fand ein Jahr später in Lübeck statt. Dieses Werk im Stile der musikalischen Avantgarde gehört seitdem zu den Werken im Repertoire des Bartholdy-Quintetts, mit denen Ulf Schneider und Anke Dill an den Violinen, Volker Jacobsen und Barbara Westphal an den Bratschen und der Cellist Gustav Rivinius Werbung machen für eine ernsthafte wie klangsinnliche zeitgenössische Musik.

So war es auch beim ersten Meisterkonzert des neuen Jahres, zu dem der Oldenburger Kunstvereins für Freitagabend in den ehemaligen Landtag eingeladen hatte. Tanja Tetzlaff, die solistisch und im Tetzlaff-Quartett weltweit konzertierende Cellistin, trat dabei zusammen mit dem Bartholdy Quintett auf.

Der Titel des Streichquintettes von Robert Krampe geht zurück auf einen handschriftlichen Eintrag Gustav Mahlers in die Partitur seiner unvollendeten 10. Sinfonie: „Du allein weißt was es bedeutet. Ach! Ach! Ach! Leb wol mein Saitenspiel!“ Gerichtet an seine Ehefrau Alma, die eine Liebschaft mit Walter Gropius begonnen hatte, signalisieren diese Worte eine verhaltene Verzweiflung am Leben.

Die erotische Konnotation des „Saitenspiels“ nimmt die Komposition nicht auf, wohl aber den elegisch-depressiven Tonfall von Mahlers Zehnter und den zerrissenen Zusammenhang der Liebe, der Komposition und des Lebens.. Nach dem Auskosten der Trauer kommt es, unterstützt durch aggressive Rhythmusfiguren, immer wieder zu einem verhaltenen Aufbegehren, aber die Komposition lässt auch dieses Aufbegehren ganz authentisch saft- und kraftlos sein. Denn für Mahler gab es kein Liebesglück mehr, die 10. Sinfonie blieb unvollendet und er starb.

Umrahmt wurde dieser düstere Ausflug in die Neue Musik – auch der Komponist war anwesend und führte in die Intentionen seines Werkes ein – von zwei besonders klangschönen Streichsextett-Klassikern, dem in A-Dur, op. 48 von Antonin Dvorák und dem 2. Streichsextett aus dem Jahr 1865 von Johannes Brahms. Besonders bei Brahms zeigte das um die Cellistin Tanja Tetzlaff verstärkte Bartholdy-Quintett das, was zum eigenen Anspruch und Markenkern gehört: intensive Interpretationen, die durch Homogenität und Virtuosität des Zusammenspiels bestechen. Das typische Spiel des Bartholdy-Quintetts ist verhalten, den Extremen abhold, genau, durchsichtig, und wirkt durch das fast vibratolose Spiel betont sachlich. Selbstverständlich sind auch ausgereifte Künstler keine Maschinen und auch auf diesem hohen Niveau kommen kleine Ungenauigkeiten vor, aber die genaue und subtile Ausleuchtung einzelner Takte, das ruhige Fließen, die Durchsichtigkeit des architektonischen Aufbaus und die dynamische Feinabstimmung begeisterten das Publikum im vollbesetzten Alten Landtag und rissen die aufmerksamen Zuhörer nach dem besonders gelungenen, abschließenden Brahms zu lang anhaltender Begeisterung hin.

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