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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Blüht bald Gras auf Gräbern?

13.06.2018

Oldenburg „Wurde hier am Personal gespart oder hat das lange Gras eine tiefere Bedeutung?“, werden sich in den vergangenen Wochen viele Besucher auf dem Neuen Friedhof an der Auferstehungskirche in Oldenburg gefragt haben. Die Antwort ist letztere: „Wir wollen den Friedhof ökologisch wertvoller gestalten, um ein größeres Nahrungsangebot für Insekten zu schaffen und auch den Pflanzen mehr Entfaltungsraum zu bieten“, erläutert Dr. Jobst Seeber, Vorsitzender der Kirchengemeinde Oldenburg bei einem Rundgang über den Friedhof.

Richtlinie dabei ist das kirchliche Umweltmanagement-System „Grüner Hahn“, dessen Ziel es ist, Auswirkungen auf die Umwelt zu verbessern. „Dazu gehört aber auch, die Energiekosten und den Ressourcenverbrauch zu senken“, erklärt Andrea Feyern, Beauftragte für Umwelt, Klimaschutz und Energie der Kirchengemeinde.

Einen ersten Überblick zum Bestand der natürlichen beziehungsweise einheimischen Kräuter und Gräser ermittelte Diplom-Biologe Dr. Dierk Kunzmann in den vergangenen Wochen. Dafür wurden 50 Flächen auf dem circa zehn Hektar großen Friedhof bestimmt, die nicht mehr regelmäßig gemäht werden, damit Kräuter und Gräser wachsen und blühen können.

„Normalerweise werden die Rasenflächen hier einmal in der Woche gemäht. In den Versuchsflächen mähen wir insgesamt nur drei Mal“, sagt Kunzmann. So hätten die Pflanzen die Chance zu wachsen und zu blühen.

„Das gefällt nicht allen Friedhofsbesucher, die befürchten, dass die Samen auf den Gräbern ihrer Angehörigen landen, keinem und dann dort wachsen“, berichtet Kunzmann, der regelmäßig zum Friedhof kommt, um zu untersuchen, welche Pflanzen in den ausgewiesenen Flächen wachsen. Einige Überraschungen hat er dabei schon gefunden. „Der Erdbeerfingerhut zum Beispiel steht auf der niedersächsischen Roten Liste der bedrohten Arten und wächst hier, mitten in Oldenburg“, freut sich der Biologe.

Die ökologische Umstellung des Friedhofes soll aber nicht nur den Pflanzen und Tieren helfen: „Das gesamte Gelände wird als grüne Lunge der Stadt Oldenburg immer wichtiger“, beschreibt Dr. Jobst Seeber. Gartenflächen in der Stadt würden immer weiter überbaut oder so gestaltet, dass sie für Insekten nur einen geringen oder keinen Nutzwert mehr haben.

Wolfgang Alexander Meyer Redakteur / Redaktion Oldenburg/Westerstede
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