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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Ökumene Funktioniert: Oldenburger Kirchen feiern die vierte „Lange Nacht“

22.07.2017

Oldenburg Versöhnte Verschiedenheit – das klingt nach einem Roman von Rosamunde Pilcher, ist aber tatsächlich ein hehres Ziel der hiesigen Kirchenlandschaft. Nicht nur im großen Rahmen, so wie es die Evangelische Kirche in Deutschland jüngst noch postulierte, sondern auch auf lokaler Ebene. Obgleich: Gerade hier scheint die Ökumene ja bereits gut zu funktionieren. Ein Beleg dafür mag die gemeinsam aufgestellte „Lange Nacht der Kirchen“ sein, die nun erneut und zum vierten Mal gefeiert wird.

Programm (Auszug)

Hauptbühne PFL

18 Uhr: Brassmusik – ein Bläserchor aus vielen Oldenburger Kirchen hat sich zusammengetan 18.30 Uhr: Samuel Harfst und Band – der mittelhessische Sänger, Komponist und Autor hat mit „Chronik einer Liebe“ bereits sein siebtes Album veröffentlicht. 21 Uhr: „Oh Lord, I got the Blues“ – 10-köpfige Band um Popkantor Steffen Schöps begeistert mit Songs aus dem Blues-, Rock- und Soulbereich. 22.30 Uhr: Feierliche Abschlussandacht

Garnisonkirche

18.30 Uhr: Von Pop bis Gospel – zwei Chöre präsentieren Songs mit eigenen Arrangements, die Musikschule ConTakte gibt weitere Kostproben 20.30 Uhr: Gospelchor „Baseline“

Forumskirche

19.30 Uhr: Lukas-Chor – unter Leitung von Michael Jensen 21 Uhr: Demantius-Chor – 40 Sängerinnen und Sänger interpretieren geistliche Musik

Friedenskirche

18.30 Uhr: Duo SoRo – Barocke Weisen und Lieder verschiedener Länder aus der Zeit Luthers 20 Uhr: Rudelsingen – mit Landeskirchenmusikdirektorin Beate Besser 21.30 Uhr: Duo SoRo mit Susanne Welten – Konzert durch Jahrhunderte

Was dann, am 19. August, einen ganzen Peter-Straßenzug und gleich drei Kirchen in Anspruch nimmt, braucht natürlich auch ein Motto: „Glaube 500“. Weil sich die von der Reformation ausgehende Kirchentrennung heuer zum 500. Mal jährt, wird dieser Termin also offenbar entsprechend gewürdigt. „Aber nicht wegen der schmerzhaften Spaltung“, sagt Pastor Martin Seydlitz, der gleichsam für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) spricht, „sie hat uns allen auch wertvolle Impulse gebracht“.

Und sei es allein die An- und Erkennung der Gemeinsamkeiten, ihrer Basis. Wie unterschiedlich die Kirchenglocken auch läuten, welche Symbole tatsächlich von Bedeutung seien und welche Traditionen wie auch immer bewahrt werden mögen – letztlich sei „das Thema für uns alle viel größer und relevanter“, so Seydlitz, „es geht doch um Inhalte, nicht um Formen.“

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Nun verweist der Verkauf von Bratwürstchen, das Aufblasen von Ballons und das Backen von Stockbrot nicht unbedingt auf eine Ökumene an sich. Sehr wohl werden auf diesem Wege – und natürlich mit Unterstützung zahlreicher weiterer Straßenfest-tauglicher Aktionen – aber einige bedeutende Elemente christlicher Bedürfnisse umgesetzt: Begegnung, Dialog, ja gerade Gemeinschaft. Dass letztere hier eben auch von der anderen Seite – den Kirchen – vorgelebt wird, ist da nur sinnvoll. Evangelisch-lutherisch, römisch-katholisch, die Ev.-Freikirchliche Gemeinde, die Selbstständige Ev.-luth. Kirche, die Ev.-methodistische Kirche, Mennoniten, Freie Christen, Siebenten-Tags-Adventisten oder auch die Freie ev. Gemeinde: Sie alle gehören der ACK an, sie alle beteiligen sich an der Langen Nacht und sie alle werden zwischen 18 und 23 Uhr keine Infozettel oder Aufnahmebögen verteilen.

An diesem Abend gehe es schließlich nicht um Mitglieder-Akquise oder gegenseitige Abwerbung, betont auch Pastor Klaus Abraham (Ev.-methodistischen Gemeinde). Oder wie Seydlitz es bewusst forsch formuliert: „Mir ist doch egal, in welche Kirche Du gehst!“ Wichtig sei vielmehr, dass die Menschen – gerade in diesen unruhigen Zeiten – Halt, Geborgenheit, sicher auch Verlässlichkeit fänden. Und das könnten zweifellos alle Kirchen und Gemeinden bieten.

Besagte Bratwürstchen, Ballons und Stockbrote sind gewissermaßen subtiles Mittel zum Zweck. Was nicht verwerflich ist – und auch für die weiteren Erlebnisangebote gilt. Da wäre beispielsweise die begehbare „weltgrößte“ Bausteinkirche aus immerhin 17.000 Elementen und fünf Metern Breite, die in dieser einen Nacht von den Festgästen hochgezogen werden soll.

Verbunden mit der Frage nach Erwartungen an die Kirche oder, noch korrekter: „Wie müsste Gott sein, damit ich ihn Sonntags besuchen würde?“, so Seydlitz. Die Antworten dürften sicherlich alle der ACK angeschlossenen Kirchen interessieren. Nicht um einander zu vergleichen, sondern vielleicht ja auch um miteinander oder gar aneinander zu wachsen, so seltsam dies für etwaig Rückwärtsgewandte klingen mag.

Nicht zufällig wird da die „Lange Nacht der Kirchen“ in der Peterstraße platziert. Schließlich sind hier zahlreiche ACK-Vertreter direkt oder umzu beheimatet. Dieser ökumenische Weg ist auch groß wie lang genug, wieder einmal mehrere Tausend Menschen aufzunehmen, sie zu ver- und umsorgen.

Apropos: Auch Alkohol wird hier dann – natürlich nur an erwachsene Festgäste – ausgeschenkt. Die Evangelische Gemeinde Eversten bietet an diesem Abend „Käthes Bier und Luthers kalte Füße“ an, die Kirchengemeinde Oldenburg plant offenbar auch Prosecco-„Stößchen“. Was sich manch konservativer Kirchenmensch da vielleicht mokieren mag: Muss man auf einem Kirchenfest denn wirklich Bier anbieten? „Nein, muss man nicht“, sagt da Seydlitz, „aber es ist doch schön, wenn man es hat!“ Das möge auch die Gemeinschaft fördern, je später der Abend wird.

Auch darin zeigt sich durchaus der Bewusstseinswandel innerhalb der Kirche(n), erst recht hier in Oldenburg: Die Erhaltung Jahrhunderte alter Traditionen muss nicht mehr – Entschuldigung – auf „Teufel komm’ raus“ forciert werden. Man darf nun auch mal Kreatives, Neues wagen. Und die Menschen dort abholen, wo sie sind. Eben draußen. Noch.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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