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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Kultursommer-Fan erinnert sich an viele denkwürdige Momente

16.07.2018

Oldenburg Es war der 22. Juli 1979, und es regnete bitterlich in Oldenburg. Der erste Kultursommer meines Lebens war ein nasser – für ein „Umsonst und draußen“-Festival nicht gerade ideal.

Was auch Jango Edwards, Amsterdamer Brachialhumor-Clown mit US-Pass, erfahren musste. Sein Auftritt wurde ratzfatz in den hoffnungslos überfüllten Cäciliensaal verlegt. Ich presste mich nebst über 1000 Zuschauern gerade noch rein ins Gebäude, mehrere tausend aber mussten vor der Tür verharren – wo es inzwischen zwar nicht mehr regnete, indes leider auch nicht viel zu hören war. Na toll! Aber schön war’s dann doch.

Das mochte am lustigen Jango gelegen haben, der sich in der feuchtwarmen Schwüle der Aula sogar das letzte Stück Stoff vom Körper riss (und umgehend den wohl lautesten Publikumsaufschrei, belustigt und/oder empört, in 40 Jahren Kultursommer hervorrief). Das lag aber ganz sicher auch an der Atmosphäre: Kultursommer – das war irgendwie neu und spannend und ein guter Grund, nette Leute kennenzulernen. Und gratis war das Ganze obendrein. Für mich als Schreib-Azubi, der ganz frisch in der Stadt war, eine ideale Kombination. Genau, der Kultursommer-Bazillus hatte mich infiziert. Danke, Jango Edwards.

Mehr zum Kultursommer finden Sie in unserem SPEZIAL

Und danke auch den vielen Musikern, Schauspielern, Malern (weiblich wie männlich) und überhaupt allen, die unter der Schmetterlingsfahne ihre Kunst und ihr Können zeigten, danke für die großartigen Sommer im (meist) Freien, die mir persönlich alte kulturelle Weisheiten bestätigten und neue Erfahrungen einpflanzten.

Nehmen wir einfach mal den 1. Juli 2002. Ja, es war kühl, und nein, es regnete kurzzeitig nicht. Dafür trommelten 26 Japanerinnen und Japaner den 1000 kälteresistenten Zuhörern die Ohren dicht. Das Shibusashirazu Orchestra musizierte sich mit einer damals völlig unerhörten Mischung aus Jazz, Rock, Asien-Folk und hartem Funk in die Herzen der Oldenburger – das vielleicht beste Beispiel dafür, was der Kultursommer mit seinen Besuchern macht: Er lässt sie teilhaben an der Kultur dieser Welt, grenzenlos, geschmacksneutral und faszinierend.

Mindestens ebenso faszinierend war der 13. Juli 2000, als das wohl schlimmste Sturm- und Hagel-Wetter aller Kultursommer über den Schlossplatz fegte. 400 Sintflut-Erprobte freuten sich darum umso mehr über den Zweikampf zwischen dem natürlichen Donner und den elektrischen Donner-Klängen der US-Band Yo La Tengo. Deren Sänger Ira Kaplan bedauerte seine Fans („Wirklich nett, dass ihr bei diesem Horror-Wetter gekommen seid“) und belohnte ihre Standfestigkeit unter anderem mit Sommerlichen von den Beach Boys und rockigen Weltuntergängen von Neil Young.

Man könnte noch viel mehr erzählen von grandiosen Straßentheatergruppen, die heutzutage durch jede Pyrotechnik-Kontrolle fallen würden oder, ganz im Gegenteil, den Schlossplatz unter Wasser setzten.

Oder von der ersten Filmnacht im Schlossgarten eingangs der 00er-Jahre, als nach Tatis „Schützenfest“ der Park stockfinster war, die Kuso-Leute aber es leider verpasst hatten, etwas Beleuchtung an die Gehwege zu stellen. Die herzoglichen Blumenbeete jedenfalls waren nicht erfreut. Oder von den Mitmach-Aktionen von „Frei-Gang“ auf dem Hof der Lamberti-Kirche (2013/14), wo der Respekt vor der historischen Kulisse so herzerfrischend gering war und die künstlerischen Ideen so wunderbar hoch flogen. Oder von staunenswerten Theaterabenden im Alten Landtag, wo Mark Spitzauer mit „Schiller 2005“ seine erste Produktion für die Kulturetage hinlegte. Und denen er ab 2011 mit der „Bar zum Krokodil“ im herrlich nostalgischen Spiegelzelt aus Holland ein ganz sensibles Krönchen aufsetzte …

Oder aber man freute (und freut) sich einfach auf jeden kulturell vollgepackten Sommer seit 1978. Freute sich über den Einfallsreichtum der Programm-Macher, die Fantasie der Mitwirkenden und die Neugier der Zuschauer. Sie alle machten den Kultursommer zu einem dauerhaften Erfolg, seit 40 Jahren. Und das meistens mit Regen!

Klaus Fricke

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