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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Licht stellt alles in den Schatten

10.08.2019

Oldenburg Ein bisschen überraschend war diese förmliche Einladung ins Oldenburger Stadtmuseum schon. Vermutlich hatte das was mit dem „mach mal“ zu tun. So ähnlich hat Jasper Precht seinem Vater geantwortet, als der seinen Sohn fragte, ob er nicht was zu der geplanten Ausstellung „Standpunkte“ beitragen wolle.

Ein paar Wochen später hingen die Ölgemälde des 26-Jährigen zwischen Werken von Petra Jaschinski, Andrey Gradetchliev, Jub Mönster oder Teréz Fóthy. Unter der lokalen Kunstprominenz wurde der Oldenburger dann auch gleich entdeckt: Ab kommenden Mittwoch sind Jasper Prechts Arbeiten in einer Einzelausstellung im Niedersächsischen Studieninstitut zu sehen. Es ist seine erste eigene Schau. „Ein glücklicher Zufall. Genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt der 26-Jährige. Gerade hat er sein Produkt- und Kommunikationsdesign-Studium beendet – und Zeit, sich der Malerei zu widmen.

Gelernt bei Gradetchliev

Geld verdient Jasper Precht weiterhin als selbstständiger Designer. Derzeit gibt er Workshops in einer Tischlerei für nachhaltige Entwicklung. Er suche als Produktdesigner nach „klugen und individualisierten Lösungen“. Jasper Precht beschreibt sich als „absoluter Rationalist“. Aber da ist auch die andere Seite, die emotionale, empfindsame, die jene düsteren, melancholischen aber auch farbenfrohen, lebendigen Szenen in Öl auf Leinwand hervorbringt.

Jasper Precht malt manchmal vor Ort. Wo er gerade ist. In Berlin, Hamburg, Neapel, seinem Wohnort Potsdam, der alten Heimat Oldenburg. Gelegentlich fertigt er Skizzen an oder macht Bilder mit dem Smartphone. „So aus der Hüfte vom Fahrrad aus. Ich bin ein unglaublich schlechter Fotograf“, sagt er. Aber ein ausgezeichneter Maler. Gesagt bekommt der 26-Jährige das oft. „Ich versuche das dann einfach als Kompliment anzunehmen.“ Die Vokabel gut sei für ihn jedoch ein relativer und sehr dehnbarer Begriff. „Genau wie begabt – als ob man so zur Welt gekommen wäre.“

Als Kind hat Jasper Precht gerne gemalt. Aber den Kunstunterricht fand er doof. „Weil einem da immer aufoktroyiert wurde, was man machen muss.“ Erst in der Oberstufe habe er angefangen, sich ernsthaft seiner kreativen Seite zu widmen, sei zu Mappenvorbereitungskursen gegangen, habe von Andrey Gradetchliev gelernt. Inzwischen hat Jasper Precht ein kleines Atelier in Potsdam, wo er den Rest seiner 20-Stunden-Woche verbringt. In dieser Zeit entsteht viel. „Ich bin flott. Fünf Stunden und das Bild ist fertig.“ Jasper Precht malt nass in nass, er wartet nicht, bis die Ölschichten trocken sind. „Ich schmier’ einfach alles rein“, sagt er. Die dickschichtigen Werke des Oldenburgers tauchen den Betrachter immer wieder in ein neues Licht, so fängt er die blaue Stunde ebenso ein, wie das Morgengrauen.

Sehnsucht treibt an

Manchmal treibe ihn die Sehnsucht um, der Wunsch tiefer in eine Situation einzutauschen, die er nur von außen als Betrachter wahrnehmen könne. Es gab Zeiten im Leben des jungen Künstlers, die überhaupt nicht malerisch waren. Gerade da sind etliche Bilder entstanden. „Diese Lebenskrise habe ich mit meiner Kunst bewältigt“, sagt er. Ohnehin sei das malen, der Prozess, die Entstehung das Wertvollste. „Im Atelier vergesse ich alles um mich herum, Probleme und Sorgen. Sogar die Zeit“, sagt er. Herauskristallisiert hat sich inzwischen sein eigener Stil, sein Duktus. „Unter einen Meter gehe ich nicht mehr“, sagt der 26-Jährige. Was er jetzt auf Leinwand bringe, sei nicht nur großformatig, sondern auch „unvoreingenommen“. In seinem Studium, dem Job müsse alles begründet sein. In der Kunst sei das anders: „Man muss gar nichts.“ Auch nicht sich rechtfertigen vor Professoren oder den Eltern. Jasper Precht liebt die Freiheit. Gerade darum erscheint ihm die Vorstellung, das Malen zum Hauptgeschäft zu machen, schwierig. „Man macht sich abhängig. Auch finanziell und vielleicht werden die Sachen dann anders. Nicht mehr so – unbefleckt.“ Als Autodidakt ist Jasper Precht auf der Suche. Nach neuen Herausforderungen und Techniken, probiert sich in Keramik, der abstrakten Malerei.

Wunderbare Aussichten

Bescheiden und rational, wie der 26-Jährige ist, wird er sich künftig wohl noch öfter wundern. Über Einladungen in Museen und Galerien wo seine Werke zu sehen sind.
  Eröffnet wird die Schau am Mittwoch, 14. August, um 15 Uhr im Niedersächsischen Studieninstitut, Rosenstraße 14 - 16. Inge von Danckelman wird als Initiatorin in die Ausstellung einführen und mit dem Künstler sprechen. Zu sehen sind Jasper Prechts Werke bis zum 31. Oktober, Montag bis Freitag, 10 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung: Telefon   0511/1609-6092.


  http://jasperprecht.de/ 
Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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