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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Wenn Bücher Geschichte schreiben

30.06.2018

Oldenburg In Düsseldorf ist es passiert, in Darmstadt und Potsdam – in vielen Städten gingen Landesbibliotheken irgendwann in anderen Einrichtungen auf. In Oldenburg nicht, stattdessen wurde das Haus am Pferdemarkt im vergangenen Jahr aufwendig umgebaut. Warum das so ist? „Es gibt hier ein Oldenburger Bewusstsein“, sagt Klaus Peter Müller „bis heute.“


„Ganz Kleine Geschichte der Landesbibliothek Oldenburg“, Klaus-Peter Müller, Isensee Verlag, 24 Seiten


„Die Geschichte der Landesbibliothek Oldenburg von 1792 bis 1987. Hrsg. von Gabriele Crusius und Klaus-Peter Müller, Isensee Verlag 2017, 295 Seiten

Der Historiker ist stellvertretender Leiter der Landesbibliothek. Er hat die „Ganz kleine Geschichte der Landesbibliothek Oldenburg“ geschrieben, die jetzt erschienen ist. „Für den eiligen Leser“, sagt Müller. Denn auf nur 24 Seiten hat er zusammengefasst, was im vergangenen Jahr zum 225. Geburtstag der Landesbibliothek erschienen ist: eine umfangreiche Festschrift, die Müller zusammen mit Gabriele Crusius herausgegeben hat, und die die Geschichte der Landesbibliothek von 1792 bis 1987 beleuchtet – bis zu dem Jahr, in dem die Einrichtung in die Pferdemarktkaserne zog. Beide Schriften sind im Isensee Verlag erschienen. Entstanden sind Werke, die nicht nur die Geschichte der Einrichtung beleuchten, sondern auch einen Blick auf die Sozialgeschichte der Stadt ermöglichen.

Die umfangreiche Festschrift trägt den etwas sperrigen Untertitel „Zur ,Erleichterung der Erwerbung nützlicher Kenntnisse‘ und ,Verbreitung des guten Geschmacks‘“. „Das ist das Motto, unter dem die Bibliothek hier 1792 angetreten ist“, sagt Historikerin Crusius. „Das umschreibt auch den Bildungsauftrag der Bibliothek“, sagt Leiterin Corinna Roeder. „Es war von Anfang an da und trägt uns bis heute.“

Kurzer Stopp in Bremen

Diese Anfänge der Regionalbibliothek liegen im Schloss. Dort richtete Peter Friedrich Ludwig 1792 die „Herzogliche Öffentliche Bibliothek“ ein – und dorthin durften auch seine Untertanen kommen. 1811 landeten die Bücher erst in Bremen, um sie vor den französischen Besatzern zu schützen. Dann kamen sie 1815 nach dem Ende der Franzosenzeit zurück nach Oldenburg – um vier Jahre lang in 144 Kisten in einem Packhaus zu lagern. „An den Standorten sieht man auch, wie viel der Politik die Bibliothek wert ist“, sagt Müller.

Diese Wertschätzung änderte sich während des 19. Jahrhunderts mehrfach. Erst wanderte die Sammlung in ein altes Zuchthaus – eine Notlösung. „Deutlich bessere Zeiten“ brachen Müller zufolge Mitte des Jahrhunderts an, als die Bibliothek in einen Neubau am Damm zog – in dem sich heute das Landesmuseum für Natur und Mensch befindet. Aus diesem Gebäude wuchs die Sammlung schnell heraus. Die Zahl der Bücher hatte sich bis in die Zeit des Nationalsozialismus auf 180 000 verdoppelt, sie lagerten bereits im Treppenhaus. „Eher schlechtere Zeiten“, sagt Müller.

Eine Bombe, die am 22. September 1943 neben dem Gebäude einschlug, beendete diese Episode. „Wenn man bedenkt, wie wenig Bomben gefallen sind, ist es fast schon tragisch“, sagt Roeder.

Fantastische Zeiten

Der Krieg endete, die Bücher brauchten ein neues Gebäude – und fanden es im Zeughaus an der Ofener Straße. „Es gab keine Regale“, sagt Müller, „die Bücher wurden einfach gestapelt.“ Ohne Kennzeichnung, ohne System. Doch die Bibliothek war beliebt – zumindest ihr Lesesaal. Für den hatte der damalige Direktor Wolfgang Fischer von den britischen Besatzern ein Stromkabel besorgt – und eine feste Kohleration. „Es gab zudem fantastische Öffnungszeiten“, sagt Roeder. Teilweise konnte bis um 22 Uhr gelesen werden, es war warm und es gab Licht. „Und wenn einer geschlafen hat, dann wurde er bestimmt nicht rausgeworfen“, sagt Roeder.

Trotzdem blieb das Gebäude ein Provisorium mit viel zu wenig Stellraum. Das Problem endete schließlich mit einem Zufall: Die Polizei zog aus der Pferdemarktkaserne aus, die Bibliothek ein. Dort ist bis heute eine moderne Einrichtung entstanden, die Roeder zufolge mehr sein soll, als ein Ort zum Bücherausleihen. „Man soll hier gern herkommen, sich wohlfühlen“, sagt sie. Aber das ist eine andere Geschichte.

Robert Otto-Moog
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2111

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