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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Sie greift weiterhin zum Föhn statt zur Mistgabel

10.11.2018

Oldenburg Wir haben einen Mann für Dich! Ach was. Eigentlich ist Angelika Keller ja auch ganz okay ohne zurecht gekommen. Als Inhaberin eines Friseursalons kann sich die 62-Jährige zumindest über mangelnde Gesprächspartner nicht beklagen. Und überhaupt: „Wo wohnt der denn?“, hat sie ihre verkupplungsfreudigen Freundinnen gefragt. „In Kanada.“

Und so fing alles an. Der Schweizer Bauer Andreas sah nämlich „sehr nett und sympathisch“ aus. Zumindest auf dem Bildschirm, fand Angelika Keller. Und weil er nun eben nicht im Chiffreteil „Kontakte“ der Nordwest-Zeitung, sondern im Fernsehen seinen Damengesuch aufgegeben hat, musste die Oldenburgerin ihren Bewerbungsbrief direkt an RTL schreiben – Redaktion „Bauer sucht Frau“. Da Angelika Keller überzeugt war, dass da „eh nix passiert“, war sie auch nicht sonderlich aufgeregt. Erst als nach einer Woche das Telefon im Friseursalon geklingelte und eine fröhliche Frau am anderen Ende der Leitung geflötete: „Hier ist die Katinka von Bauer sucht Frau“, da hat die Oldenburgerin schwitzige Hände bekommen.

„Haben Sie irgendwelche Allergien? Und Kinder? Können Sie sich vorstellen, nach Kanada zu ziehen?“, wollten die Leute vom Fernsehen von der 62-Jährigen wissen. „Joah“, hat sie gesagt. „Kinder habe ich nicht. Und ich bin nicht mehr die Jüngste – ewig arbeite ich also eh nicht mehr.“ Ihr Eigentum in der Stadt hätte sie verkauft, das Leben in der Großstadt aufgegeben, ist die Friseurmeisterin überzeugt – „wenn es gefunkt hätte.“

Keine Konkurrenz

Bevor Angelika Keller Umzugskisten packen konnte, hat erstmal eine Reisetasche gereicht – für das Casting in Berlin. Dort wurde ihr auch gleich verkündet, dass es – gesetzt dem Fall, Bauer Andreas entscheidet sich für die blonde Friseurin – gleich vom Scheunenfest nach Kanada geht. Dafür musste sich die Oldenburgerin allerdings erstmal in Poesie üben: Ein handgeschriebener Brief mit Fotos gehören zur Bewerbung einer künftigen Bauersfrau. Vorab habe RTL da übrigens ein bisschen gesiebt, verrät die Kandidatin, „da haben sich auch 30-Jährige beworben, dabei wollte Andreas eine Frau um die 60“.

Das erhöhte natürlich die Chancen. Und tatsächlich war eine Woche später wieder Katinka von RTL am Telefon: „Andreas möchte dich einladen.“ Und zwar zum Scheunenfest. Gefeiert wurde das kollektive erste Date auf einem Rittergut in Hannover. „Bei herrlichem Wetter“, schwärmt Angelika Keller.

Natürlich hat sie sich in Schale geworfen. Der erste Eindruck zählt schließlich. Von Farmer Andreas hatte sie einen guten: Groß, stattlich mit Cowboyhut. Schmetterlinge im Bauch hatte sie allerdings keine. „Aus dem Alter bin ich raus“, sagt die 62-Jährige. Aber einen tollen Mann fand sie ihren Bauern schon – „der strahlt so viel Ruhe aus“. Die Konkurrenz konnte die Oldenburgerin im romantischen Heuballenambiente auch gleich unter die Lupe nehmen. Sorge haben ihr die vier anderen Anwärterinnen keine bereitet. „Ich glaub’ der nimmt mich mit“, hat sie selbstbewusst prognostiziert.

Beim ersten Einzeldate hinter der Scheune stellte sich dann raus, dass Andreas 67 und eigentlich Zimmermann ist und dann nach langer Krankheit ins ferne Kanada auswanderte, wo er mit Pferden, Eseln, Ochsen, Schafen, Schweinen, Hunden, Katzen, Hühnern und Kaninchen aber ohne Frau im Nirgendwo lebt und schon zweimal verheiratet war. Angelika Keller wiederum gestand, dass sie kinderlos und ungebunden und bereit zum Neuanfang in Übersee sei. Offensichtlich gefiel das. Bauer Andreas hat sich ohne langes Zögern für Angelika und Irmgard entschieden. „Zwei aus 60“, sagt Angelika Keller nicht ohne Stolz und lächelt gewinnend. Und dann ging’s los ins romantische Abenteuer.

Schon beim Landeanflug in Vancouver hat sich die Oldenburgerin verliebt: in die Berge und Seen und Wälder des westlichen Kanadas. Ein paar Stunden Autofahrt später fand sie sich dann alleine mit Bauer Andreas auf der einsamen Farm wieder. Wobei die traute Zweisamkeit etwas von den Kameras, Aufnahmeleitern, Tonassistenten und Redakteuren geschmälert wurde. „Alleine ist man eigentlich nie“, sagt Angelika Keller, „morgens um acht beginnen die Dreharbeiten – bis sechs Uhr abends“. Anschließend wurden Bauer und Frau noch einzeln interviewt.

Während der verbleibenden drei, vier Stunden sind sich die Beiden dann ohne Kamerateam näher gekommen. Intim wurde es die ganzen drei Tage und Nächte allerdings nicht. Ob ohne Fernsehleute mehr gelaufen wäre, mag die Oldenburgerin nicht beurteilen. „Vielleicht“.

Nett fand sie ihn schon, ihren Bauern, tierlieb und aufmerksam. Und als dann die Diskussion ums Fleisch essen auf den Tisch kam und Andrea ihren Farmer enttäuschen musste, weil sie Schweine eher süß als lecker fand, war für das Bauer-sucht-Frau-Publikum klar: das wird nix. Recht hatten sie. Aber Angelika wusste das schon vorher. Schließlich ist seit Mitte Juli alles abgedreht.

Nein, gefunkt hatte es nicht. Mal ein Küsschen, mal eine Umarmung, wie die Redakteure es ihr dringend anrieten, wollte Angelika auch nicht verteilen. Und gezwungen wurde sie zu nichts. Das ist ihr wichtig. „Morgens mit laufender Kamera an meinem Bett? Nicht mit mir!“, hat sie von Anfang an klargestellt. Konstruiert sei bei der Sendung übrigens keine einzige Einstellung. Höchstens Versprecher würden noch mal nachgedreht. Alles in allem war das eine tolle Zeit, findet die 62-Jährige. Drei Tage Kanada und viele tolle Bekanntschaften. Mit den übrigen Bauersfrauen hält sie noch Kontakt und von Andreas ist ihr eine Whatsapp-Freundschaft plus Urlaubseinladung auf seine Farm geblieben.

Berühmte Bauersfrau

Außerdem kann sich die Oldenburgerin jetzt jeden Montagabend diebisch freuen: sie kennt nämlich schon das Ende und weiß, wer sich in wen verliebt. Dass die Friseurmeisterin nicht nur von ihren Kunden angesprochen, sondern auch in Hamburg und Bremen auf der Straße erkannt wird, stört sie herzlich wenig. „Ich würde das wieder machen“, sagt sie. „Wenn ich noch auf der Suche wäre.“ Die nämlich, hat sich erledigt.

Angelika Keller ist seit acht Wochen kein Single mehr. Und nein: er ist kein Bauer und auswandern muss sie auch nicht wegen der neuen Liebe. Von dem TV-Abenteuer seiner Liebsten weiß er auch und findet’s okay. Was soll Frau machen, wenn die besten Freundinnen sagen: Wir haben einen Mann für Dich!
 Bauer sucht Frau läuft montags, 20.15 Uhr, auf RTL. Am 3. Dezember ist Angelika Keller noch einmal beim großen Wiedersehensfest.

Lea Bernsmann
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2106

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