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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Premiere Im Theater Hof/19 In Oldenburg: Theaterstück vom Fressen und gefressen werden

02.11.2019

Oldenburg Die Wirklichkeit ist gefährlich. Sie macht krank und traurig. Am Ende bringt sie einen um. Besser, man bleibt, wo man ist – und wer man ist: Eine ambivalente Drecksau.

Öllers, Niederländer und ihre junge Kollegin Bianca März sind Unternehmensberater. Sie sind im Auftrag der „Company“ unterwegs, um die Gewinne ihrer Kunden in Schwellen- und Entwicklungsländern zu maximieren. Skrupellos entscheiden sie über Schicksale von Firmen und Menschen. Was sie rettet und gleichzeitig zerstört, ist ihr Zynismus.

Bühnenfassung ab kommender Woche in Oldenburg zu Sehen

Zeit der Kannibalen ist ein Spielfilm von Johannes Naber aus dem Jahr 2014. Das Drehbuch schrieb Stefan Weigl. Der Streifen erhielt beim Deutschen Filmpreis 2015 den Preis für das beste Drehbuch und eine „Lola“ in Bronze. Die Bühnenfassung wurde bereits mehrfach inszeniert.

Die Premiere am Freitag, 8. November, ist ausverkauft. Für die Vorstellungen am Samstag, 9. sowie Freitag, 15. und Samstag, 16. November, jeweils 20 Uhr, gibt es noch Karten. Zu sehen ist die Inszenierung außerdem am 24., 25. und 31. Januar, dem 1. Februar und 14. März (immer 20 Uhr).

Tickets sind für 25, ermäßigt 13 Euro, an der Theaterkasse an der Bahnhofstraße 19 (Montag von 10 bis 13 Uhr sowie Mittwoch zwischen 16 und 19 Uhr), telefonisch unter Telefon  95 55 601 oder per Email über theater@hof-19.de erhältlich.

Infos: www.theaterhof19.de

Nichts ist heilig. Oder doch? Was ist mit Öllers Dreijährigem, der sich zu Hause in Deutschland mit Neurodermitis die Arme zerkratzt und Papa nur vom Telefon kennt? Den Kröten, denen das heimliche Grünen-Mitglied Niederländer in Kindertagen über die Straße geholfen hat? Oder den Idealen von Bianca März, die eigentlich vorhatte, die Welt „von oben“ zu verändern? In „Zeit der Kannibalen“ verschlingt der Kapitalismus den Löwenanteil der Mitmenschlichkeit. Das Lachen bleibt im Halse stecken. Genauso will es Marc Becker, der die Bühnenfassung des gleichnamigen Spielfilms im theater hof/19 inszeniert. Das Publikum wolle er mit vielen Fragen und Anregungen zum Nachdenken entlassen, sagt der Regisseur.

Barbie spielt mit

Seit einem knappen dreiviertel Jahr tüftelt das fünfköpfige Team an der Adaption des kammerspielartigen Werks. Die stark stilisierte Vorlage findet Marc Becker, der sonst viel am Staatstheater inszeniert, grandios. Darsteller und theater hof/19-Leiter Dieter Hinrichs erzählt, dass er den Stoff beim abendlichen Durchzappen des TV-Programms entdeckt habe. Frauke Hinrichs als seine berufliche und private Partnerin war ebenso von der Kapitalismus-Satire begeistert wie er. Als Dramaturgin begleitet sie die mehrwöchigen Probeblöcke vom Bühnenrand aus.

Neben ungewöhnlichen und kritischen Stücken sei das kleine Theater auch immer auf der Suche nach Werken, die sich mit einem überschaubaren Darstellerkreis umsetzen lassen. Neben Dieter Hinrichs, René Schack und Marie Luise Gunst stehen in der Oldenburger Inszenierung Barbie-Puppen auf der Bühne – in den Rollen Bediensteter, Servicekräfte, Putzpersonal oder Prostituierter.

Die Charaktere aus Fleisch und Blut dürfen mit ihnen spielen – gleichzeitig werden sie selbst zum Spielzeug der Mächtigeren. Ziel der Protagonisten: mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Macht. Dafür gehen sie über Leichen, „sind aber nicht nur fiese Heuschrecken, sondern auch Persönlichkeiten mit Empfindungen“, sagt Regisseur Marc Becker – Menschen, die mit einer beständigen, geradezu panischen Angst vor Statusverlust und gesellschaftlichem Absturz leben.

Leben im Koffer

Für René Schack, der sonst gerne für heiter-liebenswerte Rollen besetzt wird, ist das Stück „ein Genuss“. Er darf zornig und eifersüchtig, gemein und verachtend aber auch voller Sehnsucht und Einsamkeit sein. Auf der kleinen Bühne ist für alles menschliche Platz, für Neurosen und Zwänge, Heimlichkeiten und Neid.

Anstelle wechselnder und doch austauschbarer Hotelzimmer, wie in der Originalfassung, ist ein überdimensionaler Koffer Spielort: leben auf dem Absprung. Neben bühnenbildnerischen Elementen hat das Team wenig am Original aus dem Jahr 2014 verändert. „Das Drama ist zeitlos“, sagt Marc Becker. Es handle sich um eine massive Kritik am Kapitalismus und zeige auf, was dieses unbarmherzige System mit Menschen mache.

Ob skrupelloser Wirtschaftsboss oder Otto Normalverbraucher – jeder könne in dem Stück etwas von sich entdecken. „Etwa, wie oft man wider besseren Wissens handelt“, sagt der Regisseur und erzählt von seinem kleinen Sohn, der nach einer TV-Reportage über die Palmöl-Industrie Nutella abgeschworen hat, sich dann aber geschmacklich mit dem palmölfreien Schokoaufstrich aus dem Bioladen nicht anfreunden konnte und seine Vorsätze wieder über Bord geworfen hat: der innere Schweinehund siegt.

Verlierer gibt es in dem Stück einige. Da sind die vielen Opfer der drei Zyniker – und die skrupellos agierenden Helden dieser Optimierungsgesellschaft selbst. Bevor sich der Vorhang schließt, müssen sie der Wirklichkeit ins Auge sehen. Und sie ist genauso gefährlich wie befürchtet.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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