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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Ein Film zeigt Gesichter unserer Stadt

22.02.2019

Oldenburg Die Frau mit den rötlichen Locken lächelt in die Kamera, doch in ihren Augen stehen Tränen. Immer wieder muss sie schlucken, bevor sie weitersprechen kann. Die Stimme bricht ab. Die Zuschauer sind ganz nah dran, sehen jede Regung in ihrem Gesicht. „Woher kommen wir überhaupt?“ ist das Thema, das sie umtreibt. „Welche Personen gab es in meiner Familie in der Vergangenheit? Was haben meine Großeltern durchgemacht?“ Die Frau beschreibt ein Bedauern, dass sie über die Geschichte ihrer Familie nicht mehr herausfinden konnte – und spricht dennoch von einem „Reichtum“, den sie in sich trägt.

Die Erzählung dieser Frau ist eine von ganz vielen, die Michael Telkmann und sein Team in den vergangenen Monaten dokumentiert und gefilmt haben. Telkmann leitet den Jugendmigrationsdienst im Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) in Oldenburg und hat gemeinsam mit verschiedenen Projektpartnern im vergangenen Jahr zwei Konzepte auf den Weg gebracht: Oldenbox und Oldenbus. Sie münden in ein partizipatives Filmprojekt, das im Juni Premiere feiern soll. Interviewt werden dafür alle, die Lust haben, etwas aus ihrem Leben zu erzählen und eine Verbindung zu Oldenburg haben. Gefördert wird das Team vom Verein „Vasudeva“, dem Oldenburger Kulturbüro, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie dem Bundesministerium des Inneren.

„Zu Anfang waren wir nicht sicher, ob wir genügend Teilnehmer und Teilnehmerinnen finden würden“, gibt Omid Mohadjeri zu, dem die künstlerische Leitung des Films obliegt. Doch jetzt, Ende Februar, sind diese Sorgen wie weggeblasen: „Wir haben schon über 60 Interviews in der Oldenbox geführt, ohne dass wir uns dafür groß anstrengen mussten“, freut sich der 22-Jährige Regisseur. Diese Box ist ein Interviewraum im „Kreativlabor“ der Kulturetage in der Innenstadt. Weitere Gespräche sind in Planung.

Die ersten Interviews sind in kurzen Szenen bereits auf der eigenen Webseite veröffentlicht worden – auch das eingangs beschriebene. „Viele, die das gesehen haben, sagen danach: Ich will da auch mitmachen“, erzählt Telkmann. Noch bis Ende März können sich Leute melden und zu ganz vielfältigen Themen äußern – zum Beispiel dem Sinn des Lebens, dem schönsten Tag des Lebens, Familie/Vorfahren oder Glaube sowie Liebe. Worüber die Teilnehmer sprechen (oder eben nicht) bleibt ihnen selbst überlassen. Auch im Nachhinein können sie sich noch gegen eine Veröffentlichung entscheiden.

„Wir wollen mit so vielen Menschen wie möglich in Kontakt treten“, kommt Telkmann aufs Konzept zurück. Dabei seien insbesondere diejenigen angesprochen, die sich sonst vielleicht nicht geäußert hätten. „Die Ansprache von Menschen mit Migrationserfahrung ist fester Bestandteil“, erklärt Telkmann. Dolmetscher seien selbstverständlich. Weil nicht vorhersehbar ist, wer sich noch meldet, wird das Ergebnis offengehalten. „Wir möchten allen die Chance bieten, sich mitzuteilen. Ob der Film nachher aus 100 Sequenzen besteht oder aus 10 – das wird man sehen“, erklärt Mohadjeri.

Angereichert werden soll der Film mit kleinen Clips aus der Oldenburger Landschaft. Dafür hat das Team einen Multivan von einem Oldenburger Autohaus zur Verfügung gestellt bekommen (Oldenbus). „Richtig toll“, da sind sich alle einig. Wichtig ist dem Team: „Alle Personen, die mitmachen, bekommen dieselbe Wertschätzung, alle werden würdevoll dargestellt.“ Und: „Es geht nicht um die Anzahl der Personen – wir nehmen uns für jeden Zeit“, macht Telkmann klar.

Die beiden Projektverantwortlichen führen nicht alle Interviews selbst. Sie werden unterstützt von Ipek Bilge, Arezoo Mohadjeri, Beybun Seker, Frederik zur Horst und Leona Bert. Technisch hilft auch Nils Harwick. Sie alle wurden im Vorhinein geschult. „Wir wurden beraten durch Psychologen“, berichtet Telkmann. Es gehe darum, beide Personen zu schützen: Interviewer und Interviewte. Wie geht man mit Menschen um, die emotionale, harte Geschichten erzählen? Wie schaffe ich es, Fragen zu stellen, um in die Tiefe zu gehen, aber dabei niemanden zu verletzen? Wie klappt es, dass ich dabei nicht auf der Strecke bleibe? Das Team durchlief mehrere Testläufe.

Bereits im Mai soll es eine erste öffentliche Sichtung des Materials geben, die Premiere des Endprodukts in den Oldenburger Kinos ist dann für Juni vorgesehen. Besonderen Wert legen die Teammitglieder auch auf die eigene Internetseite. Denn dort wird jeder Interviewte seinen Platz erhalten – nachhaltig und für lange Zeit abrufbar.

Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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