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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Warum der Glaube politisch ist

14.07.2018

Oldenburg Als Jugendlicher und junger Kaplan sei er konservativer gewesen, sagt Michael Heyer. „Aber ich habe mich verändert – und verändere mich weiter.“ Wer den Pfarrer der Forumskirche St. Peter predigen hört oder mit ihm ins Gespräch kommt, spürt, in welche Richtung.

Während der Gottesdienste sitzt er im Kirchenraum neben den Gläubigen, statt erhöht am Altar. Ehrenamtliche Lektoren bittet er, nicht nur die Lesungstexte vorzutragen, sondern auch Gebete zu sprechen, die sonst dem Pfarrer vorbehalten sind.

Er betet für den „Bischof von Rom“ statt für den Papst, für „die Kirchen“ – also auch die evangelische und andere – statt für „die katholische Kirche“. Ob er mit solchen Sätzen katholische Zuhörer provozieren möchte? Keineswegs, weist der gebürtige Südoldenburger, der im Mai aus Emstek zum Forum St. Peter gewechselt ist, eine solche Vermutung zurück. „Ich will verfremden, um neue Sichtweisen zu öffnen.“ Nichts sei schlimmer für die Kirche, als wenn sie sich nicht ändert.

Nicht so bleiben kann nach Überzeugung des neuen Forumspfarrers die Benachteiligung der Frau bei den kirchlichen Ämtern. Es sei ihm „peinlich, dass im Kollegium der Kardinäle keine Frau vertreten ist“. Dabei habe ein Papst schon heute die Möglichkeit, eine Frau in dieses Ehrenamt zu berufen. „Auch wir Männer müssen im Jahr 2018 in der Kirche dazu das Wort ergreifen.“ Es gehe nicht darum, „dass dann mehr Leute in die Kirche kommen, sondern um unsere Glaubwürdigkeit“. Es werde schon lange über Reformen diskutiert. „Aber es muss endlich auch mal entschieden werden.“

Überhaupt kein Verständnis hat Michael Heyer für die „Ausgrenzung“ gleichgeschlechtlicher Beziehungen: „Das geht gar nicht!“ Es sei paradox, dass die katholische Kirche gleichgeschlechtlichen Beziehungen keinen Segen spende.

„Wenn ein gleichgeschlechtliches Paar mit einem Segnungswunsch auf mich zukommt, muss ich bitten, es nicht dem Bischof zu sagen, weil ich sonst Probleme bekomme. Das kann es doch nicht sein!“ In Oldenburg müssen sich die Kirchen stärker in politische Themen einmischen, wünscht sich Michael Heyer. Der Neu-Oldenburger war begeistert vom Theaterhafen und dem Flair rund um das Zelt des Staatstheaters. „Das müsste man als Treffpunkt erhalten und nicht zubetonieren.“

Er wünsche sich autofreie Sonntage. „Es gibt verkaufsoffene Sonntage – ein solches Zeichen brauchen wir für eine Wende im Verkehr.“ Seine Erwartungen an Oldenburg, wo die SPD fest an der Macht sei und die Grünen eine starke politische Kraft seien, hätten sich nicht bewahrheitet. „Hier ist es wie in einer CDU/FDP-regierten Stadt.“

Ins Gespräch kommen möchte der katholische Pfarrer mit den Kliniken über die Fallpauschalen. Er berichtet über den Fall eines Patienten, der dringend eine aufwendige Operation benötige. „Die lange OP kostet viel mehr als die Fallpauschale abdeckt.“

Die Diskussionen zwischen Klinik und Kostenträger zögen sich so in die Länge, dass der Patient („ist nicht vermögend“) sogar überlege, die Differenz selbst zu zahlen. „Ich wünsche mir eine Diskussion, in welche Richtung unser Gesundheitswesen geht – auch hier in Oldenburg“.

Priester zu werden, sei schon in seiner Kindheit Wunsch gewesen. „Beim Umzug fiel mir ein Zeugnis aus der 2. Klasse in der Hand. Da stand, ,Michael ist für religiöse Themen sehr ansprechbar’“, erzählt der Seelsorger. „Menschen, die in ihrer Existenz für Gott stehen, faszinieren mich.“ Daran hat sich nichts geändert seit der Zeit, in der sich Michael Heyer als „konservativer“ beschrieb.

Christoph Kiefer
Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2101

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