• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Schuld spielt keine Rolle

26.01.2019

Oldenburg Können Mörder Liebe empfinden? War der Tod für die Täter eine Erlösung? Sind die Folterknechte des NS-Regimes alle Psychopathen gewesen? Und ihre Opfer? Die Entkommenen. Wie haben sie es geschafft, weiterzuleben? Was sind Erinnerungen? Wohnen sie in den Menschen?

Fragen haben die Oldenburger Fachoberschüler viele. Angst, sie zu stellen, hatte keiner der 16- bis 21-Jährigen. „Erstaunlich“, fand Gina Schumm das. „Die Jugendlichen von heute gehen viel unbefangener mit dem Thema Holocaust um“, hat die Pädagogin während des Seminars zur Erinnerungskultur festgestellt. Einmal im Jahr gibt die Jugendbildungsreferentin für das Berufsbildungszentrum Kurse zu politischen Themen. Verblüfft war sie auch darüber, was die Teenager 70 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges über Verbrechen, Flucht und Widerstand jener Zeit wussten.

Vier Aufführungen des Stücks „Erinnerungen sind Leben“

Die Premiere des Stückes ist an diesem Samstag, 19 Uhr, in den Räumen der Jugendkulturarbeit, Weiße Rose 1/Schlieffenstraße 9. Weitere Aufführungen sind am Montag, 28. Januar, 11 Uhr und 19 Uhr. Für die letzte Vorstellung gibt es noch ausreichend Karten, für die ersten beiden ist noch ein kleines Kontingent verfügbar. Der Eintritt kostet 8, ermäßigt 4 Euro. Informationen und Reservierungen gibt es bei Gina Schumm unter Telefon  39010750 und per Mail an:

Im Stadtmuseum tritt das Schülerensemble noch einmal im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Living History“ auf. Zur Finissage der damit verbundenen Ausstellung zum Thema Holocaust mit Zeitzeugenberichten und verschiedenen Angeboten ist die Performance um 11.30 Uhr zu sehen.

   g.schummjugendkulturarbeit.eu g.schumm@jugendkulturarbeit.eu

https://bit.ly/2tesskb

Die Betroffenheit, das vererbte schlechte Gewissen habe sich in der vierten Generation überlebt. „Zum Glück“, findet Gina Schumm, die gemeinsam mit 17 Schülern im Anschluss des Seminars ein Theaterstück entwickelt hat. „Erinnerungen sind Leben“ ist der Titel einer Performance zwischen gestern und morgen.

Im Zentrum stehen die Fragen: an Opfer und Täter. Antworten haben die Schüler von Mitgliedern des Vereins Heimatsucher bekommen, die Zeitzeugen, Überlebende des Holocaust, besucht und ihre Geschichte aufgearbeitet haben. Zwei dieser Biografien werden in dem Stück vorgestellt. Ebenso bekommt der Zuschauer Einblick in Werdegang und Psyche vierer NS-Verbrecher. Die jungen Darsteller schlüpfen dabei nicht in die Rolle des Protagonisten, sondern skizzieren sie mit nötigem Abstand – aus der Perspektive eines Nacherzählers, eines „Zweitzeugen“.

Gleichzeitig haben die Schüler Geschichten ihrer eigenen Großeltern zusammengetragen. „Auf einmal kam Yascha mit einem Brief über die Flucht seines Opas nach Rostrup an“, sagt Gina Schumm: Ende Februar kamen wir in Danzig an. Es gab keinen Plan. Es gab nichts zu essen. Nur einmal am Tag ein Stück Speck von Mutter... Mit den Erinnerungen eines vertriebenen Kindes und Filmsequenzen nackter Füße auf morastiger Erde beginnt das Theaterstück.

Und dann stellen die Jugendlichen dem Publikum Fragen: Warum sollte ich mich erinnern? Was geht mich das an? Die jungen Menschen auf der Bühne erklären sich als Erben der Geschichte. Sie geben Biografien wieder – von dem jüdischen Jungen, der erst beim Schulverbot anfing, das Lernen zu vermissen, der den Hass der Deutschen nicht verstanden hat, der gegen das Vergessen erzählen will.

Seit November proben Gina Schumm und Theaterpädagogin Margit Ostern mit den jungen Leuten. In wöchentlichen Treffen wurde das 45-minütige Stück gemeinsam entwickelt. Für die Erwachsenen, die noch mit jenem typisch deutschen Schuldgefühl aufgewachsen sind, war die Zusammenarbeit mit den Schülern regelrecht befreiend. Gina Schumm erinnert sich an ein Seminar über Holocaust, zweiten Weltkrieg und Vertreibung, dass sie für eine Berufseinstiegsklasse gegeben hat: „Die Hälfte waren Migranten. Die kannten sich aus mit Flucht. Das war ihre Geschichte.“

Ob vor 70 Jahren oder heute – es gehe um Menschen, die ihre Heimat verloren haben, ist die Bildungsreferentin überzeugt. Wie aktuell das Thema ist, musste sie auch den deutschen Jugendlichen nicht erklären. Erinnerungskultur nehmen die jungen Frauen und Männer auf der Bühne sehr ernst.

Können Mörder Liebe empfinden? War der Tod für die Täter eine Erlösung? Sind die Folterknechte des NS-Regimes alle Psychopathen gewesen? Auf manche Fragen gibt es keine Antworten. Trotzdem darf man nicht vergessen, sie zu stellen.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2106
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.