• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Sprache: Postkarten in altdeutscher Sütterlinschrift kommen an

20.10.2018

Oldenburg „So lange mache ich das noch gar nicht“, antwortet Hennig auf die Frage, warum er die sogenannte Sütterlinschrift ohne weiteres beherrscht. Gelernt habe er sie mit einem Übungsheft. „Damit geht das enorm gut“, erzählt der aus dem heutigen Kaliningrad stammende Wahl-Oldenburger.

Mittlerweile 20 Postkarten, Pakete und Briefe hat der gelernte Positiv-Retuscheur und Tiefdruckätzer in der altdeutschen Schrift verfasst und an Bekannte und Freunde verschickt. Und die meisten sind sogar angekommen. „Natürlich schreibe ich auch die Adresse in Sütterlin, ganz so einfach ist das für den Postboten dann wohl nicht zu lesen, aber funktioniert hat es ja trotzdem“, freut sich Hennig.

Für gewöhnlich erhalte er Antworten auf seine Sendungen. Ohne eine solche gehe er davon aus, dass die Karten dann entsorgt werden. Einen Absender vermerke er schließlich nicht, gibt der Porträtmaler zu bedenken.

Die Deutsche Post bestätigte auf Nachfrage, dass Postkarten mit unleserlichen Empfänger-Angaben entsorgt werden; allerdings erst, nachdem alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien, den Empfänger ausfindig zu machen, teilte ein Konzernsprecher mit.

Zunächst würden alle eingehenden Postkarten digital gescannt. Dass die Scanner in der Lage seien, altdeutsche Schrifttypen zu erkennen, sei durchaus möglich. Bei Sendungen, die digital nicht erfasst werden könnten, versuchten Kollegen in den jeweiligen Briefzentren, die Schrift zu entschlüsseln. Sollte auch dies nicht gelingen, so gingen die betreffenden Postkarten an die sogenannte Briefermittlungsstelle. Hier versuchten Spezialisten ein letztes Mal, die Postkarte korrekt zuzuordnen. Erst dann würden Sendungen unter Wahrung der gesetzlichen Frist entsorgt.

Auch die Oldenburger Citipost, ein Tochterunternehmen der NWZ, geht ähnlich vor. Es werde versucht Sendungen, welche nicht digital erfasst werden konnten, manuell von Mitarbeitern zuordnen zu lassen. Sollte ein Zusteller eine Adresse nicht lesen können, werde dies von anderen Kollegen nachgearbeitet und die Sendung mit einem Vermerk erneut in Zustellung gegeben.

Falls ein Brief mal nicht zugestellt werden könne und auch keine Angaben zum Absender vermerkt seien, werde er im Servicecenter der Citipost gelagert. Absender könnten ihren Brief gegebenenfalls hier abholen, erläutert Björn Grellert von der Citipost.

Gelernt hat Hennig das gebräuchliche lateinische Schriftbild. Mit altdeutscher Schrift kam er nicht in Berührung. Er besitze lediglich einen Brief seiner Großmutter in Sütterlin, berichtet Hennig. Den könne er jetzt übersetzen. Doch in erster Linie habe er sich für das Erlernen der Schrift aus Spaß an der Sache entschlossen.

Die Sütterlinschrift geht zurück auf Ludwig Sütterlin, der sie 1911 im Auftrag des preußischen Kultur- und Schulministeriums entwickelte. 1921 wurde die Schrift flächendeckend in der Weimarer Republik eingeführt und 1935 in abgeänderter Form als „Deutsche Volksschrift“ Teil des Lehrplans preußischer Schulen. Bereits 1941 wurde sie allerdings von der NSDAP verboten und durch die noch heute gebräuchliche Lateinschrift ersetzt.

Ein wenig mehr als der bloße „Spaß an der Sache“ treibt Hennig aber doch an: „Es geht mir schon auch darum, die deutsche Schrift als Kulturgut wiederzubeleben.“

Er stellt sich damit einem Trend entgegen, der sich in der Verbreitung der sogenannten Grundschrift an deutschen Grundschulen manifestiert. „Man muss ein bisschen retten“, findet Hennig. Heutzutage werde alles nur noch digital kommuniziert.

„Das ist ja auch eine persönliche Note – also sowohl die eigene Schrift, als auch eine Postkarte“, gibt er zu bedenken. Der Senior hegt die Hoffnung, dass sich so manch einer in Zukunft einen Spaß erlaubt und seinen Brief in der Sütterlinschrift verfasst.

Daniel Kodalle Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2467
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.