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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

St. Ansgar Kirche In Oldenburg: ZDF-Gottesdienst in Oldenburg ohne Gemeindemitglieder

16.03.2020

Oldenburg Ein Gottesdienst ohne Gemeindemitglieder – ist das vorstellbar? Nein, nicht so richtig. Es sei denn, man zählt abertausende Fernsehzuschauer zu seinem Publikum. Der Gottesdienst in der St.-Ansgar-Kirche in Eversten wurde vom ZDF an diesem Sonntag bundesweit übertragen.

Spontan hatte man am Samstagabend das Publikum für den Gottesdienst aus präventiven Gründen ausgeschlossen. Das Coronavirus hatte auch die St.-Ansgar-Kirche im Griff. Nur der Oldenburger Kammerchor, Kirchenmusikdirektor Johannes von Hoff, einige Mitwirkende, Pfarrer Nico Szameitat und Dirk-Michael Grötzsch (Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) waren anwesend.

„Den Blick aushalten“ stand über allem. Auch den Blick auf das rund drei Meter hohe Kreuz des Hamburger Künstlers Walter Arno, das so viele Reaktionen damals vor 50 Jahren ausgelöst hatte und noch heute auslöst. Einige bezeichneten es „als ein Haufen Schott“, so Dirk-Michael Grötzsch. Es habe manche so verstört, dass sie in eine andere Kirchengemeinde gewechselt seien. Mit sehr viel Mut wurde die Kirche St. Ansgar damals innen komplett umgestaltet.

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Andere fanden, das Kreuz trage so viele Symbole. Für Lync van Johnson, Mitarbeiter beim Diakonischen Werk, ruft es traurige Erinnerungen hervor. Einer seiner Gesangsschüler verunglückte tödlich. Im Gottesdienst sagte er: „Es passt. Das Kreuz passt zu meinem Leid“, sagte er. Und dann dachte er, dass das Kreuz zu der Lieblingsmusik seines Freundes Adrian passt: Metal. Adrian hätte so gerne gesungen. „Genau darin fand ich Trost“, so van Johnson.

Kreuz als Monster

Für Pfarrer Szameitat war es anfangs sogar ein Grund darüber nachzudenken, ob er je in dieser Kirche Pfarrer sein möchte. Damals assoziierte er das Kreuz mit „einem Monster von der Schrotthalde.“ Inzwischen denkt er, dass das Kreuz „wenn man den Blick aushält“ auch Heil bringen kann. Dieses Kreuz steht, nach Meinung des Pfarrers, für den Schmerz aller Menschen, für Gewalt, für Unterdrückung, für Hunger und Krieg. „Deshalb wirkt es so zerrissen, sind die Schweißnähte noch ganz grob und gut sichtbar“, so der Prediger.

Dieses Kreuz verschweige nichts. Es mache uns nichts vor. Es stehe für die Zerrissenheit in dieser Welt. Wenn auch sonst im Gebet, wie es das Wort sagt, um etwas gebeten wird, Pfarrer Szameitat aber forderte: „Manchmal zweifle ich, ob du auch die anderen siehst. Siehst du auch die Kinder und die Alten mit ihrem Schmerz? Siehst du überhaupt die leergefischten Meere? Wenn du so allmächtig bist, dann sieh zumindest hin. Ich warte auf dich. Auf eine Antwort von dir. Sieh hin. Und sag was“, war sein Flehen im Gebet. „Wir schauen dem Leid ins Angesicht, wir schauen Corona ins Angesicht, diesem hässlichen Kugelvirus mit den komischen Rüsseln“, stellte der Pfarrer fest und forderte zur Wachsamkeit auf. Ein Leben ohne Leid gebe es nicht. So wie es auch keine Wüste ohne Schlangen gebe. „Nur, wenn man dem Tod ins Auge sieht, kann man mit ihm leben“, meinte der Kirchenmann. Als Glaubensbekenntnis wurde die Fassung von Dietrich Bonhoeffer gewählt.

Kammerchor sang

Es war nicht seine Aufgabe, aber der Oldenburger Kammerchor hat in professioneller Weise den Gesang des Publikums ersetzt, in dem die Mitglieder sich in den Kirchenraum verteilten und nicht auf der Empore standen. Stimmgewaltig intonierten sie die Lieder.

Die beiden Konfirmanden Ole Logemann und Piet Kraski eröffneten gemeinsam mit Pastor Szameitat den Gottesdienst. Nein, es hatte für beide nichts Aufregendes. Für Dirk-Michael Grötzsch war es die erste Fernsehsendung, an der er beteiligt war. „Eine spannende Erfahrung“, wie er sagte. Nico Szameitat meinte: „Alles hat funktioniert. Unsere intensive Vorarbeit hat sich gelohnt“.


Hier ist der Gottesdienst online zu sehen: oder   www.zdf.de/gesellschaft/gottesdienste/evangelischer-gottesdienst-378.html  oder   www.zdf.fernsehgottesdienst.de 
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