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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Extrachor für Tangomesse enthusiastisch gefeiert

12.11.2019

Oldenburg Der Musiklehrer Heinrich Band entwickelte im 19. Jahrhundert aus der Konzertina ein neues Instrument, das er nach sich selbst Bandonion nannte. Wann das Instrument, das Auswanderer und Seeleute nach Buenos Aires und Montevideo brachten, Bandoneon genannt wurde, ist nicht mehr zu eruieren. Während sich in Deutschland vornehmlich Arbeiter in hunderten von Bandoneon-Vereinen zum gemeinsamen Spiel organisierten, war das Zuginstrument in Südamerika vor allem in Bars, Kneipen und Bordellen zu finden. Hier, am Rande der Gesellschaft, wurde das Bandoneon, das Argentinier liebevoll die wichtigste Erfindung der Deutschen nennen, zum eigentlichen Träger des Tango-Klanges: Kein Tango-Feeling ohne Bandoneon.

Der Extrachor des Staatstheaters, der sein 25-jähriges Bestehen mit einer Aufführung der Tango-Messe („Misa Tango“) von Martin Palmeri feierte, war nobel in der Haltung, aber auch klug beraten, dem mittlerweile hier in Oldenburg lebenden Bandoneon-Künstler Rocco Heins die Gelegenheit zu lassen, vorweg, vor dem Erklingen der Messe, in fünf Tango-Kompositionen, davon zwei von Astor Piazzolla, die Ausdruckskraft dieser argentinischen Musik lebendig, sinnlich und pulsierend auszustellen.

Rocco Heins spielt das Bandoneon, seit er fünf Jahre alt war, und er entschied sich für das Spiel als Beruf, als er zwanzig war. Mittlerweile tritt er als gefragter Bandoneon-Solist weltweit auf. Nach einer kurzen mündlichen Darlegung, wie schwierig und vertrackt das mit dem Spielen auf den vielen Knöpfen ist, legte er in unnachahmlicher Weise los. Ob in Piazzollas „Chiquilin de Bachin“ von obdachlosen Kindern berichtet wird oder in Francisco Pracánicos „Alhucema“ ein junger Freund zu Grabe getragen wird: Die Leidenschaft des Tangos resultiert aus einer kollektiven Leiderfahrung, die wiederum von Rocco Heins in ein ebenso virtuoses wie ausdrucksstarkes, niemanden kalt lassendes Spiel umgemünzt wurde.

Auch die das Festkonzert beschließende Tango-Messe, an der unter der Leitung von Thomas Bönisch der Extrachor des Oldenburgischen Staatsorchesters, Musiker des Staatsorchesters sowie die Mezzosopranistin Melanie Lang und natürlich, für das unabkömmliche Tango-Feeling, Rocco Heins, mitwirkten, mischte in die Leidenschaftlichkeit des Tangos die kollektiven Leiderfahrungen der sozial abhängigen Argentinier, hörbar vor allen in den teils schrillen, teils beschwörenden Momenten der sechsteiligen Mess-Komposition, in denen im lateinischen Text vom leidenden Individuum die Rede ist. Die Eindringlichkeit des „qui tollis peccata mundi“ (der Du trägst die Schuld der Welt) raut so den zuweilen allzu leichtgängigen Fluss eingängiger Melodien und Harmonien auf hin zu einer Beglaubigung des Wortes, dass im Tango Leidenschaft und Ausdruck von Leid eins werden.

Dank des Einsatzes aller Beteiligten rundete die ebenso eindringlich-fordernde wie gequält-resignative Bitte nach Frieden („dona nobis pacem“) das Werk ab und verband das Ende mit dem Flehen des Beginns zu einer alle Eingängigkeit transzendierenden Ernsthaftigkeit.

Das Auditorium feierte alle Beteiligten enthusiastisch. Dennoch stand auch hier, am erfreulichen Beschluss eines erfreulichen Konzertabends, der Bandoneon-Künstler Rocco Heins im verdienten Mittelpunkt.

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