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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Mediation konnte Bruch nicht verhindern

01.03.2019

Oldenburg Die Mail kam am Donnerstagvormittag gegen elf Uhr und umfasst nur zwei Sätze: Bevor die Nachricht in der Presse durchsickere, möchte er mitteilen, dass er das Stadtmuseum Ende Juni verlasse, schreibt Andreas von Seggern. Er sei über sechs Jahre sehr gern Teil des kulturellen Lebens gewesen und sei sich sicher, dem einen oder anderen beruflich oder privat wieder zu begegnen.

Den Kreis der Partner, an den die Mail gerichtet war, dürfte die Botschaft kaum überrascht haben. Spätestens seit der Mediation im März vergangenen Jahres, die Risse innerhalb der Führungsriege der städtischen Museen kitten sollten, waren Spannungen bekannt. Die Amtsleiterin Dr. Nicole Deufel und die Spitzen des Stadtmuseums und des Horst-Janssen-Museums ziehen bezüglich der Ausrichtung der Museen nicht an einem Strang. Schon damals galt als wahrscheinlich, dass von Seggern geht, wenn der Konflikt nicht beigelegt werden kann.

Nicole Deufel, die 2016 nach Oldenburg kam und als Amtsleiterin dem geschassten Dr. Friedrich Scheele an der Spitze der städtischen Museen und Sammlungen folgte, soll neue Ideen umsetzen. Es sei doch klar, dass sie es mit diesem Auftrag nicht allen im Haus recht machen könne, hieß es zu ihrer Verteidigung.

Nicole Deufel selbst hatte in einem NWZ-Interview im vergangenen Jahr den Konflikt tief gehängt und von einem sehr guten Arbeitsverhältnis gesprochen. Zur Kündigung eines ihrer wichtigsten Mitarbeiter wollte sie sich am Donnerstag nicht äußern.

In der Debatte um den Neubau in den vergangenen Monaten war Andreas von Seggern das Gesicht des Stadtmuseums. Mit Führungen durch die Ausstellung der Architektenentwürfe warb er gegenüber Bürgern für den viel gescholtenen Siegerentwurf. Auch die wichtige Präsentation vor Ratsmitgliedern übernahm von Seggern.

Der im Zuge des Museumsneubaus gegründete Freundeskreis des Stadtmuseums hält große Stücke auf von Seggern. „Das Ausscheiden von Andreas von Seggern ist sehr zu bedauern. Er hat hervorragende Arbeit geleistet“, so die Vorsitzende Inge von Danckelman. „Er brennt für das Stadtmuseum, daher ist sein Weggang ein großer Verlust.“

Im Umfeld des Stadtmuseums sei bekannt gewesen, dass die Zusammenarbeit von Andreas von Seggern mit der Amtsleiterin belastet war, bestätigte Inge von Danckelman. Für den Förderverein des Stadtmuseums sei er „immer ein kompetenter Ansprechpartner“ gewesen.

Der gebürtige Oldenburger war 2012 zum Stadtmuseum gekommen. Zuvor hatte er die Museumspädagogik, die Sammlungen und den Bereich Ausstellung und Veranstaltungen der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh (Sachsenwald) geleitet.

Von Seggern ist ausgewiesener Kenner Oldenburgs in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg und der Integration Zehntausender Vertriebener und Flüchtlinge. Mit historischen Ausstellungen – unter anderem zu 150 Jahre Eisenbahn im Oldenburger Land – erzielte das Stadtmuseum große Aufmerksamkeit.

Wie es mit dem Stadtmuseum und den Neubauplänen weitergeht, blieb zunächst offen. Die Stelle solle ausgeschrieben werden, hieß es aus der Verwaltung.

Krogmanns

Versäumnis

Kommentar

Christoph Kiefer

Ein beruflicher Wechsel kann bereichern. Es ist begrüßenswert, wenn jemand unzufrieden ist und die Konsequenzen zieht, statt in die innere Migration zu gehen.

Doch Andreas von Seggern arbeitet gern im Stadtmuseum; er kennt die Stadt. Deren Geschichte ist genau das, was ihn interessiert. Der Weggang ist ein Verlust, weil er seine Arbeit gut macht.

Wäre der Bruch zu vermeiden gewesen? Das ist von außen schwer zu beurteilen. Eine Schlüsselrolle spielt der Oberbürgermeister. Er hatte Nicole Deufel, die Quereinsteigerin, nach Oldenburg geholt. Mit ihr verbindet sich seine Hoffnung auf einen Aufbruch für die Museen. Sind die Erwartungen aufgegangen? Zweifel sind angebracht.

Im Dauerstreit innerhalb der Museumsführung hat sich der OB weder in der Sache noch in der Person positioniert. Das ist der Fehler: Die Stadtspitze ließ den Konflikt schleifen. Der Streit zwischen von Seggern und Nicole Deufel ist ein Streit um die Strategie für die Museen. Hier hätte Krogmann, der Kulturdezernent, entscheiden müssen.

Mag sein, dass die Verwaltung jetzt schnell den idealen Nachfolger präsentiert. Vielleicht beginnt eine Hängepartie. In jedem Fall: So weit hätte es nicht kommen dürfen.

Christoph Kiefer über den Museumsleiter-Weggang

Christoph Kiefer Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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