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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Theater Im Studio K: Die wilden 68er sehen alt aus

06.10.2018

Oldenburg Veränderungen sind scheiße. Also warum nicht einfach da weiter machen, wo es am schönsten war. Vor 35 Jahren. Als Frauen noch keine BHs trugen. Man Spontanfeten feierte. Und die Nächte am Küchentisch durchdiskutiert wurden. Obwohl man eigentlich sowieso einer Meinung war: Liebe für alle. Oder?

Karriere statt Kommune

„Wie sind die Neuen“, stellen sich die Alten im gleichnamigen Bühnenstück des Theaters k vor – und ernten gleich eine Abfuhr: Die strebsamen und karrierebewussten Studenten Barbara, Katharina und Thorsten „haben keine Kapazitäten frei“ für die feiersüchtigen Althippies, die da in freudiger Erwartung auf Kommunenharmonie vor der Tür stehen. Anne, Eddie und Johannes, wiederum, alle im frühen Rentenalter angekommen und solide Alt-68er, halten es für den Beginn „abgefahrener Zeiten“ nach mehr als drei Jahrzehnten ihre alte Studi-WG wieder aufleben zu lassen. Und sorgen für jede Menge Krach – quittiert mit viel Lärm um nichts der jungen Spießer.

„Disziplin trifft auf Anarchie“, sagt Ulf Georges – mit vertauschten Rollen. Denn was dem Regisseur bei den Proben zum neuen Kulturetagen-Stück gleichermaßen fasziniert und inspiriert, ist die jugendliche Unbekümmertheit, mit der die „Jungen Hunde“ – der schauspielerische Nachwuchs im Theater k – , gespielt von Lotta Borries, Janina Föllmer und Simon Windrich, auf die alteingesessene und hochkonzentrierte Darstellerriege aus Franziska Vondrlik, Uwe Bergeest und Ralf Selmer trifft.

Für ihn spiele der Generationswechsel – auch im eigenen Haus, wo die Gründer inzwischen die 60 erreicht hätten – eine große Rolle, sagt der Regisseur, daher sei ihm der Stoff von Ralf Westerhoffs filmischer Komödie aus 2014 gerade passend erschienen. Die Theaterfassung von Jürgen Popig habe er „etwas aufgepeppt – abendfüllender gemacht“. Ohne jedoch ins Seichte abzurutschen.

Termine im Studio k Bahnhofstraße 11


 Premiere: Dienstag 16. Oktober, 19 Uhr


  Donnerstag 18. Oktober; Freitag 19. Oktober; Samstag, 20. Oktober; Donnerstag, 25. Oktober; Freitag, 26. Oktober; Samstag, 27. Oktober; Donnerstag, 1. November; Freitag, 2. November; Samstag, 3. November – jeweils 19 Uhr.

Tickets für 19, ermäßigt 16 Euro unter Telefon  924800, online über

https://kulturetage.reservix.de/events

Tragik und Tacheles

Bei der Bühnenfassung gingen die Konflikte viel tiefer – gerade die Figur des Protestlieder schmetternden Eddies, überzeugend gespielt von Ulf Georges, sei eine tragische. „Seine Zeit geht zu Ende“, sagt Ulf Georges. Und das inmitten der Vergänglichkeit: zwischen unausgepackten Umzugkartons – dem Interieur der Althippie-WG. Nebenan, auf der gleichen Bühne kommen die Jung-Spießer mit Laptops und Bürostühlen aus. Bernhard Weber-Meinardus’ Bühnenbild ist bewusst abstrakt gehalten. Beim Zuschauer ist Fantasie gefragt. Raumeinnehmend hingegen die sechs Darsteller. „Ein großes Ensemble für unsere kleine Bühne“, sagt der Regisseur.

Sticheleien statt Sex

Platz genug für Johannes’ Yogaübungen, die Ralf Selmer so genussvoll zelebriert, dass er sich davon auch nicht für eine Debatte über aus dem Kühlschrank anarchistisch entwendete Joghurts abhalten lässt. Schließlich habe Eddy – „charakterlich eine sehr schwierige Person“ – damals auch mit seiner Freundin geschlafen, da könne er sich über ein paar fehlende Milchprodukte doch kaum beschweren.

Und so werden die alten Geschichten aus den verstaubten Bananenkisten geholt. Laut und deutlich. Grund genug für die geplagten Nebenmieter wiederholt zur Beschwerdekolonne aufzufahren. „Aggressiver“, weist der Regisseur Jungdarstellerin Lotta Borries an, die sich daraufhin keifend erkundigt, ob die Alten nun endlich geklärt hätten, ob „man im 21. Jahrhundert Internet braucht. Und wer vor 50 Jahren mit wem geschlafen hat.“

Johannes, Rechtsanwalt für Menschen, die sich keinen Rechtsanwalt leisten können, kommt sogleich mit Sartre um die Ecke: „L’enfer, c’est les autres – Die Hölle, das sind die anderen“, während Franziska Vondrlik als Anne äfft: „Berühmte Leute zitieren – das hat schon früher nichts gebracht.“ Aber vielleicht eine Spontanparty – zumindest für verkaterte Kleinkriege am Glascontainer, bei der Ehekritiker Eddy von der jungen Studentin zu hören kriegt „Man heiratet, damit man nachher nicht in eine bekloppte Tattergreis-WG ziehen muss“ – was ihm auf die Frage bringt: „Heißt das, dass ihr die nächsten 30 Jahre ausschließlich euch selber vögeln werdet?“

Feinde werden Freunde

Beim erbitterten Kampf der ungleichen Generationen scheinen die Fronten verhärtet. Doch eines Tages wendet sich das Blatt und die Alten müssen nun ihren jungen Mitbewohnern, die durch Examensstress und Liebeskummer aus der Spur geraten sind, helfend unter die Arme greifen. Ulf Georges lacht viel bei den Proben. Hin und wieder kämen ihm aber auch die Tränen, gesteht der Regisseur. „Ich glaube die Alten im Publikum werden sich wiedererkennen“, sagt er und Franziska Vondrlik fragt als Anne wehmütig: „Wieso hört man mit allem auf, was Spaß macht?“.

Die Zuschauer sollen nicht einfach einen locker-flockigen Abend erleben, sondern auch etwas zum Nachdenken mitnehmen, wünscht sich der Regisseur. Dazu gehört trotz allem ein glückliches Ende: Aus Feindschaft wird Zuneigung. Und was bleibt, ist für beide Seiten die Erkenntnis, dass Veränderungen manchmal gar nicht so scheiße sind.

Lea von Deylen Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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