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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Musikalischer Blick ins Tagebuch einer Kaiserin

19.12.2017

Oldenburg Wem ist bekannt, dass die österreichische Kaiserin Elisabeth in ihrem Tagebuch zwischen 1885 und 1889 etwa fünfhundert Gedichte verfasste? Erst hundert Jahre später sind diese veröffentlicht worden. Sängerin Nina Bernsteiner hat einige davon ausgewählt und den Wiener Komponisten Albin Fries um eine Vertonung gebeten. Diese wurde am Samstag im Kleinen Haus des Staatstheaters als Deutschland-Premiere vorgestellt.

Elisabeths dichterisches Idol Heinrich Heine war an diesem Abend allgegenwärtig. In die Erstaufführung geschickt eingestreut, gab es Heine Vertonungen von Mendelssohn, sowie Clara und Robert Schumann. Albin Fries wählte für diese Dichtung eine Tonsprache, die in der harmonischen Farbe und den expressiven, weitschwingenden Gesangslinien an das Kunstlied von Richard Strauss anknüpft. Manche illustren Momente erinnerten an Korngold, Humorvolles hingegen an die Klangsprache von Hugo Wolf. Den anspruchsvollen Klavierpart meisterte Ammiel Bushakevitz mit Bravour. Sein ausgezeichnetes Spiel folgte aufmerksam dem Gesang und malte musikalische Landschaften. Dazu verfügte Bushakevitz über eine glänzende Technik, die lockere Akkordrepetitionen oder filigrane Läufe mit größter Transparenz hören ließen. Schade nur, dass ihm ein ungeeignetes Instrument zur Verfügung gestellt wurde. Der schon arg abgespielte Stutzflügel knöterte in den Bässen und war in der Stimmung recht labil.

Bernsteiner gestaltete die hochromantischen Lieder intonationssicher und mit hervorragend geführter Stimme, gab einen beeindruckenden Einblick in Stimmungen, vom Lyrischen übers Schwärmerische bis hin zum Parodistischen.

Kaiserin Elisabeth nannte sich selbst in den Gedichten Titania. Im gleichlautenden Lied zauberten beide Künstler eine märchenhafte, impressionistische Atmosphäre. Aus dem bewegten Klaviersatz leuchtete etwas von Debussys „Images“ auf. Eine besondere Freude hatte die Sängerin bei der Aufzählung verschiedener Esel, welche jeweils Liebschaften der Kaiserin personifizierten. Auf Heine antwortet die Kaiserin und zitiert ihn ins Gegenteil: „Du bist nicht wie eine Blume“. An das Schumann’sche Original in As-Dur schließt Fries in gleicher Tonart an und endet folgerichtig im trüben as-Moll. Die Vertonungen von Fries sind eine Bereicherung für das Liedrepertoire und geben neue, bisher wenig bekannte Einblicke in das Leben und Empfinden der österreichischen Kaiserin.

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