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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Folkrock spielt die erste Geige

27.07.2019

Oldenburg Unmöglich. Das können wir nicht ernsthaft machen. Wo kämen wir hin? Ins Fernsehen. Mit drei Millionen Zuschauern. Und ins Gedächtnis großer Plattenfirmen.

Nach Abwägung aller Argumente saßen die sechs Folkrocker von „Versengold“ ein paar Wochen später auf der Couch neben Florian Silbereisen und plauderten über dies und das und vor allem über sich. „Total nett und zuvorkommend war der“, sagt Florian Janoske. „Außerdem tut der ja keinem was.“ Aufgeregt war der Musiker trotzdem. Nicht wegen des Schlagerstars, eher wegen der Kameras. Lampenfieber verwächst sich nicht. Auch wenn man sein ganzes Leben auf der Bühne steht.

Platz zwei in den Charts

Mit fünf Jahren hat der Sohn eines Berufsmusikers angefangen, Geige zu spielen. „Ich glaube, mir liegt das einfach im Blut“, sagt Florian Janoske. Mit Dreitagebart, Boots und verschlissener Jeans sieht der 33-Jährige so gar nicht nach Klassik aus. „Is auch nicht meins“, sagt er. Privat hört der Oldenburger Jazz, Hip-Hop, auch mal Sting, und er mag Ed Sheeran. Beruflich macht er Irish-Folk. In deutscher Sprache.

Seit 2011 ist Florian Janoske Teil des Sextetts „Versengold“. Was als Versuch begann, weil er den Sänger der Band aus Kindertagen in Osterholz-Scharmbeck kannte, ist inzwischen ein Fulltimejob geworden: Vor zwei Jahren erreichten die Bremer und Oldenburger Musiker Platz zwei der deutschen Albumcharts. Seitdem hat sich das Leben von Geiger Florian Janoske, Sänger und Flötist Malte Hoyer, Violinist Alexander Willms, Gitarrist Daniel Gregory, Bassist Eike Otten und Drummer und Pianist Sean Lang grundlegend verändert.

Zwei, drei Wochen am Stück tourt „Versengold“ durch die Republik, tritt in Wacken auf, beim Deichbrand und Open Flair, gastiert auf Gothik-Festivals – und eben Florian Silbereisens TV-Show. „Unsere Musik funktioniert überall“, sagt Florian Janoske. Der Sound ist massenkompatibel. Das war nicht immer so. „Angefangen hat das Ganze als eine Art musikalisches Theaterprojekt – in historischen Kostümen“, sagt der 33-Jährige – „eher was fürs Lagerfeuer oder die Mittelalterszene“. Seither hat sich die Band etliche Male neu formiert und sortiert. Fester Bestandteil und seit Anfang an dabei ist Sänger Malte Hoyer, der die deutschsprachigen Texte – Balladen, aber auch Songs mit Metal-Einfluss – selbst schreibt. Geblieben in der fünfzehnjährigen Bandgeschichte ist außerdem der Name. „Da wurde ein bisschen selbstironisch mit dem Begriff Fersengeld gespielt“, sagt Florian Janoske.

Tortur mit Tourbus

Mittlerweile brauchen die sechs Musiker nicht mehr zu fliehen, ohne die Zeche zu zahlen. „Seit wenigen Jahren können wir davon leben und nicht nur existieren“, sagt der Geiger. Bandkollege Malte habe einige Zeit sogar in einer Garage gewohnt; an ein eigenes Auto, geschweige denn einen Tourbus, war nicht zu denken.

Luxus ist der Doppeldecker, mit dem die sechs Jungs plus Ton- und Lichttechniker durch die Lande ziehen, allerdings auch nicht. „Eine Toilette für 18 Mann“, sagt Florian Janoske, da komme man sich schon sehr nah, Klaustrophobiker dürfe man nicht sein – „mittlerweile kennt man die Macken jedes Einzelnen“. Aber es passt. Obwohl – oder gerade weil – das jüngste Mitglied 25 Jahre und der Senior 44 ist. „Da treffen ganz verschiedene Sichtweisen aufeinander“, sagt der 33-Jährige – er finde das bereichernd.

Froh über eine kleine Auszeit zwischendrin sei er trotzdem. Für 400 Fans im Hamburger Mediamarkt Autogramme schreiben kann anstrengend sein, ist aber Teil des Erfolgs. „Ich wollte immer auf die Bühne, aber die Illusion, Rockstar zu werden, hab’ ich mir nie gemacht“, sagt Florian Janoske. Sein Musik- und Politik-Lehramtsstudium hat er der Band zuliebe an den Nagel gehängt. Das mit dem berühmt werden will der Oldenburger abwarten. „Wir sind an einem tollen Punkt – alles, was jetzt noch kommt, ist Bonus“, sagt er. Eine Solokarriere peilt der Geiger nicht an. „Mit diesem Instrument außerhalb der Klassik Fuß zu fassen, ist schwer.“ Vor einem Orchesterpublikum schon 1000 mal aufgeführte Kompositionen zu spielen, wo man eine Stecknadel fallen hören könne, sei nicht sein Ding. „Lieber vor stehenden Zuschauern, die mitgehen.“

Papierkram in Pausen

Mittlerweile spielt Florian Janoske zuhause wenig, dafür fehle die Zeit – obwohl ihn der Ton seiner Geige entspanne. „Sie ist so nah an der menschlichen Stimme – und mit dem Bogen atmet man. Das ist die Lunge“, sagt der Musiker und holt tief Luft. Die Verschnaufpause zwischen den Auftritten nutzt er für Buchhaltung. Um Abrechnungen und steuerliche Dinge kümmern sich die Bandmitglieder selbst. Auch das gehört zum Rockstarleben. Und die Erkenntnis, dass nichts unmöglich ist. Nicht mal Florian Silbereisen.
 Das neue Album „Nordlicht“ ist im Handel erhältlich.

 Live zu erleben sind „Versengold“ am 10. Oktober in der Stadthalle Aurich und am 18. Oktober im Aladin in Bremen.


Reinhören unter:   www.versengold.com/diskografie 
  www.versengold.com 
Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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