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Oldenburgerin übernimmt Fraktionsvorsitz der Linken
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Aktualisiert vor 5 Minuten.

Amira Mohamed Ali
Oldenburgerin übernimmt Fraktionsvorsitz der Linken

NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Sie haben neue Impulse gebracht

31.08.2019

Oldenburg „Eine Datenbank ist gut und schön“, sagt Gisela Borchers. Aber die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Vertriebene der Oldenburgischen Landschaft will mehr. Sie will die Menschen zu Wort kommen lassen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Stadt Oldenburg und im Oldenburger Land trotz Wohnungsnot und schwieriger Versorgungslage einen Neuanfang wagten.

„Lebensbilder von Vertriebenen in der Oldenburgischen Nachkriegsgeschichte“ ist das Thema einer Veranstaltung am 6. und 7. September im Stadtmuseum in Oldenburg. In moderierten Gesprächsrunden kommen Vertriebene zu Wort. „Wir wollen zeigen, was Vertriebene zum Wachstum der Stadt beigetragen haben“, sagt Borchers.

Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft kamen nach dem Zweiten Weltkrieg rund 200 000 Vertriebene aus West- und Ostpreußen, Schlesien, Posen, Pommern und dem Sudetenland ins Oldenburger Land. Rund 40 000 blieben in der Stadt Oldenburg.

Hilfe zur Selbsthilfe

Nicht um Flucht und Vertreibung geht es, sondern um den Neuanfang in Oldenburg, zum Beispiel im Gewerbehof auf dem ehemaligen Kasernengelände in Kreyenbrück, wo viele Vertriebene einen Betrieb gründeten. Sie besserten Kleidung aus, stellten Spielzeug her, produzierten Schuhe aus Stroh, betrieben Kleinhandel und waren als Handwerker tätig. Die Kleinbetriebe waren Hilfe zur Selbsthilfe. Zu den sogenannten Flüchtlingsbetrieben in Oldenburg gehörten unter anderem das Kachelofenwerk Kurt Conrad, die Glastechnischen Werkstätten Lutsche & Henn und die Taschenfabrikation Bruno Janssen & Co.

Der Gewerbehof in Kreyenbrück bestand bis etwa 1957. „Die Vertriebenen haben nicht gewartet, dass jemand kommt, sondern sind selbst aktiv geworden und haben neue Impulse in die Stadt gebracht“, sagt Borchers.

Wie etwa die Fleischerei Monse – über 56 Jahre lang eine Oldenburger Institution. Eberhard Monse, geboren in Schlesien, gründete das Geschäft 1959 in der Dragonerstraße. 1964 folgte der Umzug in die Mottenstraße. Kaum ein Oldenburger, der nicht am Sonnabend bei Monse den unnachahmlich leckeren Eintopf nach einem Familienrezept genossen hat. 2015 wurde der Familienbetrieb geschlossen.

Erfolgreich waren auch die Brüder Adolf und Walter Dobrat, geboren in Angerapp in Ostpreußen, als Inhaber eines Herrenmodehauses in der Heiligengeiststraße. Sie verkauften die erste Levis-Jeans in Oldenburg. Die Firma hatte zu ihrer besten Zeit vier Filialen mit über 100 Mitarbeitern. 1999 stiegen die Dobrat-Brüder aus dem Unternehmen aus.

Nicht weniger bekannt war Farben Rieger in der Innenstadt. Firmengründer Johannes Rieger stammte aus Oberschlesien und kam Ende 1946 nach Oldenburg. Das erste Geschäft eröffnet er am Schlossplatz. Johannes Rieger starb 1962. Sein Sohn Hans, 1936 in Gleiwitz geboren, übernahm ein halbes Jahr vor seinem Abitur das Geschäft und führte es bis 1988 an der Ecke Achternstraße/Baumgartenstraße.

Hans Rieger begründete in Oldenburg die Tradition der Hubertusmessen. Der Dankgottesdienst für Jäger, Reiter und Naturfreunde wird seit 1981 alljährlich in Bürgerfelde und Ohmstede gefeiert.

Große künstlerische Spuren gibt es in Oldenburg von Elfi Hoppe, auch wenn sie als Vertriebene aus Ostpreußen nicht zuerst in Oldenburg gelandet ist. Sie war von 1976 bis 2007 festes Ensemblemitglied des Oldenburgischen Staatstheaters und stand in über 200 Rollen auf der Bühne. Elfi Hoppe war die erste Frau in Niedersachsen, die 1994 den Titel Kammerschauspielerin für besondere künstlerische Leistungen erhielt.

Geboren 1943 in Labiau im Regierungsbezirk Königsberg, landete Elfi Hoppe mit ihrer Mutter und den drei Geschwistern 1947 in Honnef. Eingeschult wurde sie in Bad Dürrheim, sie besuchte das Gymnasium in in Mannheim und machte eine Ausbildung zur Erzieherin. Erst im Alter von 24 Jahren begann sie an der Schauspielschule in Heidelberg zu studieren.

Die Reihe der Vertriebenen, die Oldenburgs Kulturleben geprägt haben, ist lang. Zu nennen wären unter anderen Günter Kühn (Leiter August-Hinrichs-Bühne), Ewald Gäßler (Direktor des Stadtmuseums Oldenburg) und Kurt Wiesemann (Gründer des Oldenburger Jugendchors).

Karriere in der Politik

Wenn man Gisela Borchers fragt, wer von den Vertriebenen Spuren in der Stadt- und Landespolitik hinterlassen hat, muss sie nicht lange überlegen: Horst Milde. Der Sozialdemokrat wurde 1933 in Breslau geboren. Seine Familie verschlug es nach Leer, wo er zunächst eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung machte. 1956 trat er in die SPD ein, war von 1968 bis 1973 Bürgermeister in Leer und von 1986 bis 1991 Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg. Von 1967 bis 1974 und von 1978 bis 1998 war er Mitglied des niedersächsischen Landtags, von 1990 bis 1998 Landtagspräsident. Eine beachtliche Karriere.

Gisela Borchers ist 1941 in Westpreußen geboren und wurde 1945 vertrieben. Sie landete mit ihren drei Geschwistern und ihrer Mutter in Wilhelmshaven. „In den Ferien haben wir immer viele Radtouren gemacht und Verwandte in der Region besucht. Die erste Station war immer Oldenburg, weil es dort eine Jugendherberge gab“, erinnert sie sich an anstrengende Etappen. Von Wilhelmshaven nach Oldenburg sind es immerhin rund 50 Kilometer.

Borchers machte im Allgäu eine Ausbildung zur Chemotechnikerin, kehrte nach Oldenburg zurück, heiratete einen Landwirt und wurde Bäuerin in Holle-Neuenwege. Doch das reichte ihr nicht. „Ich brauche einen Ausgleich zwischen Kopf und Hand“, sagt sie über sich. Gisela Borchers machte ihr Abitur nach, studierte Geschichte an der Uni Oldenburg und wurde promoviert. Ihr Schwerpunkt ist die preußische Agrargeschichte.

Seit 2018 leitet sie bei der Oldenburgischen Landschaft die Arbeitsgemeinschaft der Vertriebenen. Nach dem Aufbau einer Datenbank liegt ihr das Projekt „Lebensbilder“ am Herzen, weil es über das Thema Flucht und Vertreibung hinausgeht. „Wir stehen damit ziemlich allein da“, sagt Borchers und setzt damit auch einen neuen Impuls.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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