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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Auf der Suche nach der richtigen Sprache

16.03.2018

Oldenburg Sie ist einfach die Frau für Raritäten – Regisseurin Andrea Schwalbach. Nach „Yvonne, Princesse de Bourgogne“ in der vergangenen Spielzeit des Oldenburgischen Staatstheaters, inszeniert sie nun ein nahezu unbekanntes Stück polnischer Operngeschichte. „Maria“ von Roman Statkowski wird am 17. März Premiere und deutsche Erstaufführung feiern. „Das ist irgendwie meine Spezialität. Ich fühle mich auch sehr privilegiert, dass ich immer so etwas ausgraben darf“, lacht Schwalbach.

Die Unbekanntheit des Stücks zeigt sich vor allem in der geringen Zahl der Produktionen. In den 112 Jahren seit der Premiere 1906 in Warschau kommt „Maria“ gerade mal auf fünf bis sechs Produktionen in Polen. Außerhalb des Landes fand die erste Aufführung erst 2011 im Rahmen eines Festivals in England statt. Das ist schon sehr erstaunlich, basiert die Oper doch auf dem gleichnamigen Nationalepos und Meisterwerk der Romantik von Antoni Malczewski.

Und auch die musikalischen Aspekte in Statkowskis Komposition können sich hören lassen. Es gibt Ähnlichkeiten etwa zu Tschaikowsky, Rimski-Korsakov oder Wagner. Außerdem lassen sich folkloristische Einflüsse erkennen, und es gibt Anleihen bei der russisch-orthodoxen Kirchenmusik. „Statkowski zitiert viel und macht dadurch einen nationalen Kosmos auf“, beschreibt Dramaturgin Annabelle Köhler den musikalischen Aufbau.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Eigentlich soll Waclaw (Jason Kim) seinem Vater zuliebe die polnische Königstochter heiraten. Sein Vater ist Woiwode und brennt darauf, seine Macht zu vergrößern. Doch Waclaw hat bereits geheiratet, und zwar aus Liebe. Maria (Gastsängerin Arminia Friebe) ist in den Augen seines Vaters natürlich ganz und gar nicht standesgemäß. Der Woiwode (Tomasz Wija) will diese Liebe um jeden Preis zerstören und nimmt dabei sogar den Tod des eigenen Sohnes in Kauf, indem er ihn in den Krieg schickt. Unterdessen lässt er Maria ermorden. Als Waclaw zurückkehrt und von der Tat seines Vaters erfährt, schwört er blutige Rache, die jedoch schlussendlich in seinen eigenen Selbstmord mündet.

Laut Dramaturgin Köhler ergibt sich aus der Kombination von Statkowskis Musiksprache und der Geschichte um Malczewskis Vater-Sohn-Konflikt ein mitreißendes Musiktheater mit hoher Bühnenwirksamkeit. In einer guten „Tatortlänge“ ohne Pause erlebt der Zuschauer einen Krimi über Macht, Machtmissbrauch, Verrat und Mord. Regisseurin Schwalbach fügt hinzu: „Es ist ein sehr blutiges Stück und nichts für schwache Nerven.“

Gesungen wird in polnischer Sprache mit deutschen Übertiteln. „Das sollte man auch in Polnisch machen. Es ist eine klare Geschichte, die erzählt wird. Es gibt nichts, was man nicht verstehen kann“, erläutert Schwalbach.

Gesanglich ist das Polnische eine Herausforderung für die Sängerinnen und Sänger, da es auch in der vielsprachigen Opernwelt eher selten anzutreffen ist. Hinzu kommt, dass es sich hier um Altpolnisch handelt, womit sogar die polnischen Ensemblemitglieder einstweilen Schwierigkeiten hatten. Auch die Übersetzung für die Übertitel gestaltete sich nicht einfach. „Das war ein echtes Familienprojekt, an dem vier Generationen beteiligt waren“, erinnert sich die Regisseurin.

Bei schwierigen Begriffen fragte die polnische Übersetzerin ihre Mutter, kam diese nicht weiter, wurde die Oma in Polen angerufen. Die wiederum ging zu einem 88-jährigen Bekannten ins Seniorenheim, um letzte Unklarheiten zu beseitigen.

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